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Die Welt · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 „bie # w^it11 Seite 3 zeigt sich von ferne in dem Dunkel. Soll der zweitausendjährige schöne Traum in Erfüllung gehen? Es .wäre edel gehandelt, den Juden in der Verwirklichung ihrer legitimen Aspirationen beizustehen. Warum ihnen also auf ihrem Wege Schwierigkeiten bereiten? Wäre es nicht human, grossmütig von Seite der zivilisierten Mächte, . einen Kongress zusammenzurufen, zu dessen Beschickung auch die Türken aufzufordern wären, um die Hindernisse gründlich zu untersuchen und wegzuschaffen? Die jüdische Nation lebt, sie beweist ihre Existenz, keiner kann diese Tatsache in Abrede stellen. Ihr gegenwärtiger Zustand kann für manche Staaten eine Ursache ernster Beunruhigungen werden. Wozu also eine Bewegung aufhalten, die ja die Gerechtigkeit für sich hat und niemandem schaden kann? Könnten nicht etwa die Amerikaner die Initiative zu einem solchen Kongress ergreifen unter dem wohlwollenden Beistande des heiligen Vaters der Christenheit? Was uns Türken betrifft, so haben wir absolut keinen Einwand gegen die Ausführung des zionistischen Programmes. Im Gegenteil! Und es ist die nicht alltägliche Vorstellung, Palästina dann reicher zu sehen, die uns so sprechen lässt. Die Christen andererseits mögen offen und ehrlich ihre gerechten Einwendungen erheben. Nichts wird übrigens diejenigen, die in einer dem Evangelium entsprechenden Art in Palästina leben wollen, hindern, sich dort festzusetzen und dort sich zu einer autonomen Gemeinschaft zu konstituieren, vorausgesetzt, dass die Souveränität des Islam immer respektiert wird und unweigerlich in Geltung bleibt. Auf diesem Kongresse würden die Juden mit allem Freimut ihre Wünsche bekanntgeben, ebenso die Türken die äussersten Zugeständnisse, die sie machen könnten. Bevor es zu ernstem Handeln kommt, muss man sich erst verständigen. Man hat oft um viel weniger wichtiger und des Interesses würdiger Fragen willen Kongresse einberufen. Es handelt sich um die Auferstehung einer friedfertigen Nation, die der Menschheit überaus grosse Dienste geleistet hat, und da glaubt man recht zu tun, wenn man Ausflüchte sucht. Die zionistische Bewegung hat das Bewusstsein der Juden wieder erweckt und es veredelt. Fastin allen Zweigen von Kunst und Wissenschaft weist das jüdische Genie beachtenswerte Leistungen auf. Diese noch vor Kurzem so verachtete Rasse hat mutig eine neue Bahn beschritten. Sie wird noch einmal aufblühen. Auf allen Gebieten leisten Schriftsteller und Künstler Bewunderungswürdiges. Die Zeit, in der man glaubte, der Jude könne nur in finanziellen Fragen und etwa in der Musik reüssieren, liegt bereits weit hinter uns. Nun muss man zugestehen, dass der Jude auch in der Politik und Diplomatie für seine grosse Rolle in der Welt vorbereitet ist. Und hiebei wollen wir nicht von Beaconsfield und anderen grossen Männern seiner Rasse sprechen, welche den Staaten gedient haben, sondern von den wurzelechten jüdischen Diplomaten und Politikern, die für die Gründung eines neuen Staates in Palästina arbeiten..... Keiner von allen den Berufen und Ständen, die zur Begründung eines Staatswesens nötig sind, fehlt den Juden. Ist es da billig, das Ohr zu verschliessen, wenn eine ganze Nation Gerechtigkeit verlangt? Ist es auch nur vernünftig, eine solche Bewegung zu missachten, in einem Jahrhundert, in dem man Völkern, die der Menschheit viel weniger nützen, in der Erwerbung ihrer Freiheit beigestanden ist?" Beschlüsse der Gouverneur-Konferenz in Petersburg. Aus Petersburg schreibt man uns: Die von dem Minister des Innern einberufene Konferenz der Gouverneure zur Abgabe von Gutachten über die Verarmung der Juden in Kussland und die Mittel zur möglichen Milderung des unter den Juden herrschenden Elends, welche, wie den Lesern der „Welt" bereits bekannt ist, seit beinahe zwei Wochen fast täglich Sitzungen abhielt, hat nun einige wichtige Beschlüsse gefasst, welche unseren Volksgenossen im Zarenreiche grosse Erleichterung bringen dürften. Vnr allem wurde beschlossen, das unter Alexander III. erlassene Gesetz, weiches den Juden den Aufenthalt in den innerhalb einer Entfernung von fünfzig Werst von der Grenze liegenden Landstrichen untersagte, sofort aufzuheben. Das bezügliche Zirkular dürfte, wie aus kompetenter Quelle verlautet, in Bälde ausgegeben werden. Die Motive der Aufhebung dieses Gesetzes, welches seinerzeit tausende von jüdischen Familien brotlos gemacht hatte, lauten dahin, dass das Ziel des Gesetzes, den Schmuggel an den Grenzen einzudämmen, seit der Ausweisung der Juden aus den in einer 50 Werst-Entfernung von der Grenze liegenden Ortschaften nicht nur nicht erreicht, sondern einfach illusorisch gemacht wurde, weil die Nichtjuden den Schmuggel noch schwunghafter betreiben . . * Die Kommission zur Durchsicht der bestehenden Gesetze über die Juden soll auch ihrerseits beschlossen haben, den Juden dien Aufenthalt in allen Dörfern im Niederlassungsgebiete ausnahmslos zu gestatten, ohne jedoch ihnen das Recht zum Erwerb von Grund und Boden einzuräumen. Als Initiator dieses Beschlusses trat der Gouverneur von Bessarabien, Fürst Urussow, auf, welcher zur Bekräftigung der Notwendigkeit dieser Massnahme der Kommission ein reichhaltiges Material über die Nützlichkeit der Juden auf dem Gebiete der Entwicklung des Handels auf dein flachen Lande vorlegte. Gt Eine russische Stimme über die Audienz Dr. Herzls in Rom. Den Audienzen, welche Dr. H e r z 1 bei dem König vori Italien und bei dem Papste unlängst hatte, widmet die in Petersburg erscheinende zionistische russischeWochenschrift„Buduschznostj" an leitender Stelle einen längeren Artikel, in welchem unter anderem gesagt wird: „Bei der gegenwärtigen Lage des Zionismus stehen nicht nur rein praktische Fragen im Vordergrund. Vorderhand heisst es, Kräfte sammeln, die allgemeinen Grundideen der Bewegung befestigen, unter den Zionisten den Glauben an das Ideal erhalten. In diesem Sinne sind die Audienzen, welche Dr. flerzl beim König von Italien und beim Papst unlängst hatte, für die Juden Ereignisse von so grosser moralischer Bedeutung, dass sie sich materiell gar nicht abschätzen lassen. Die Tatsache ist ungeheuer: Dn Herzl wird von den gekrönten Häuptern nicht als Privatperson, sondern als Vertreter des jüdischen Volkes empfangen. Das Judentum stand hier in der Person seines Vertreters vor den Repräsentanten einer Grossmacht und der religiösen Volksmacht, welche der Vatikan bildet, von Antlitz zu Antlitz. Das Judentum als Nation besteht somit. Die Bestätigung dieser Tatsache heisst dem gequälten Judentum grosse moralische Kraft verleihen. Und wenn die praktische Seite der Bewegung sich nicht so rasch entwickelt, so ist es doch von grosser Wichtigkeit, dass das moralische Wachstum der Bewegung keine Schwächung erleidet. Und in diesem Bewusstsein müssen alle Elemente des Zionismus sich vereinigen und aussöhnen.44 Ein Brief des A.-C.-Mitgliedes J. L Goldberg. An die Redaktion der „Welt*. Wien. In Nr. 6 der „Weit1* ist eine öffentliche Erklärung von Hr. Dr* M. Mandelstamm publiziert, in der ich von den anderen russischen A.-C.-Mitgliedern bevorzugt bin und aufgefordert werde, die etwa eingetroffenen Schekelzahlungen nach Kiew abzuführen. Darauf halte ich mich für verpflichtet, folgende Erklärung abzugeben: Schon am 10. Dezember a. p. legte ich das Amt der Verwaltung des Finanz-Zentrums, das mir in Basel übertragen worden ist, nieder. Am oberwähnten Datum schrieb ich an Herrn Kollegen H. Slatopolski, Kiew, folgendes: „Ich bestätige den Inhalt meines vorigen Schreibens, worin ich mich gegen die Uebernahme des Finanz-Zentrums ausgesprochen habe, und betone, dass ich in meinem Zirkular an die Vereine meines Rayons eine Ueber^

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