Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 7 (12.2.1904)
- Date
- 1904-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 „bi* $ W^lt" Nr. 7 Gesetze, unter denen es steht, über die Handhabung dieser Gesetze, über die Sitten seiner Bewohner, über seine Gesundheitsverhältnisse zu sagen wissen . . . Nachrichten sammeln über den Ackerbau, die Gewerbe und den Handel aller Nachbargebiete und der Länder ähnlicher natürlicher Lage und Beschaffenheit. . . Sammeln und sichten, was von den kolonisatorischen Unternehmungen in aller Welt bekannt ist. .. die neuesten Pläne und Vorschläge auswählen und zur Erörterung stellen, und namentlich die auf Gemeineigentum an Grund und Boden und die auf genossenschaftlicher Grundlage errichteten Siedlungen darstellen und studieren ... die Menschen studieren, die berufen sein sollen, die neue Heimat aufzubauen;., .durch fortlaufende Berichte über das wirtschaftliche und soziale Leben Palästinas und seiner Nachbarländer ihren Leserkreis unterrichten und gleichzeitig dem jüdischen Kaufmann durch regelmässige Marktberichte aus den Haupthandelszentren zu Unternehmungen anregen, die später dem Kolonisationswerke nützlich sein könnten.". . . Ein reichhaltiges Programm! Es ist eine Riesenarbeit, die da unternommen wird, denn es heisst nicht nur das Land erforschen, sondern auch die „Menschen studieren, die berufen sind, es zu einer neuen Heimat aufzubauen." Es heisst eine Brücke schlagen zwischen dem jüdischen Volke und dem jüdischen Lande, Studien zu veranstalten, die ein unübersehbares Feld umfassen sollen. Arbeit genug für eine ganze Bewegung., Entspricht das erste Heft der Zeitschrift den gestellten Forderungen? Die Frage ist ja nicht so leicht zu beantworten. Man kann absolut nicht nach dem Inhalte des ersten Heftes urteilen. Wir sehen ein redliches Wollen, den ersten Schritt in der angegebenen Richtung, und vom ersten Schritte eines Kindes auf die Art und Weise seines späteren Ganges urteilen zu wollen, wäre etwas gewagt. Prof. O. War bürg leitet das Heft mit dem Artikel „Palästina als Kolonisationsgebiet" ein. Ob seine Schlussfolgerung, dass wir bei der Kolonisation Palästinas mit „landwirtschaftlichen und technischen Versuchsstationen" anfangen müssen und dass selbige mehr wert wären als „grosse. Kolonien", zutrifft, ob wir wieder kleine Experimente, Laboratorien versuche anstellen oder eine grössere, volkstümliche Kolonisationsbewegung ins Leben rufen sollen, das sind strittige Fragen. Der Artikel von Dr. S o s k i n und A. Aaronsohn über die „Rosinenstadt Es-Salt", die Rundschau, der Marktbericht, sind gut gemacht und lassen vieles erwarten von der neuen Zeitschrift. „Palästina in Wort und Bild", eine allseitige und erschöpfende Beschreibung Palästinas, wäre eine schöne, notwendige Tat! Es ist einstweilen ein Traum für die Zukunft, und wenn die Zeitschrift das ihrige dazu beitragen wird, nämlich die Materialien „zu sammeln und zu sichten", wenn auf Grund der Detailforschungen und mühsam gesammelten Tatsachen ein grosses, schönes Werk entstehen wird welches Palästina dem jüdischen Volke vertraut und bekannt macht, das moderne Palästina dem modernen jüdischen Volke, so würde sich die Zeitschrift ein unvergängliches Verdienst erwerben. Und das erwarten wir von ihr. C o r a 1 n i k. Kundgebungen zur Charkower Konferenz. Odessaer Rayon. Der Studentenverein „Jeruscholajima nimmt die Charkower Resolutionen nicht an. Unterschrift: A. Leibsohn, Obmann. Britschany. (Bessarabien.) Erster zionistischer Verein protestiert gegen die Charkovver Konferenz und drückt der Leitung uneingeschränktes Vertrauen aus. Unterzeichnet Dr. J. Oichmann, A. Kleinmann* Minsk. Die Frauen vereine „Jehudith* und „Ivria" beschlossen keine Stellung zu nehmen und bitten, dass man den Kampf aufgebe. Locz. „Dorsche Zedek" (Vors. D. Mroz, Sekr. O. Glan t z.) Breslau. Die „Breslauer zionistische Vereinigung" protestiert energisch gegen das Vorgehen einzelner Aktionskomitee-Mitglieder in Charkow und versichert Dr. H e r z 1 ihres vollsten Vertrauens. Unterzeichnet : S. Translateur. Liverpool. Das zionistische Zentralkomitee. Vertrauensvotum für Dr. Herzl und Aufforderung an die russischen Mitglieder des A.-C. der zionistischen Organisation auch fernerhin treu zu dienen und nicht durch inkonstitutionelles Vorgehen sie zu zerstören. Unterzeichnet von den Funktionären des Zentralkomitees, der „Young mens Zionist Association0, des Shareclubs, der „Agudas Hazionim", der „Foale Zion" und der „Ladies Zionist Association". Im ganzen 71 Unterschriften. New-York. Die „Fede ratio n of American Zionists* protestiert einmütig gegen die Charkower Beschlüsse und verurteilt das Vorgehen der Konferenzteilnehmer, die den Beginn zur Zerstörung der Organisation gemacht hätten. Unterzeichnet: Der Präsident Richard Gottheil, der Sekretär J. de Haas. Petach-Tikwah (Palästina). Protest gegen Ussischkin und die mit ihm gleichgesinnten Mitglieder des A.-C. Vertrauenskundgebung für Dr. Herzl. Unterzeichnet: Hyoldenhirsch. Katra (Palästina). Protest gegen die Charkower Beschlüsse. Vertrauensvotum für Dr. Herzl. 13 Unterschriften. Aus Russland. Kiew. In Kiew hat vor kurzem ein Schiffahrtskongress getagt, auf weichem der Bürgermeister von Kiew darauf hingewiesen hat, dass die Juden, welche in der Entwicklung der Schiffahrt eine grosse Rolle spielen, in Kiew leider nicht wohnen dürfen, so dass sie während der Navigation andere Ankerplätze suchen, wodurch die Interessen der Stadt arg geschädigt werden. Der Kongress ermächtigte den Bürgermeister, den Minister des Innern zu ersuchen, den Juden, welche Schiffe besitzen oder mit der Schiffahrt in Verbindung stehen, zu erlauben, während der Navigation in Kiew wohnen zu dürfen . . . * , * * Rostow am Don. Diese Stadt wurde bekanntlich unlängst dem Dongebiete einverleibt und dadurch dem jüdischen Niederilassungsgebiet entzogen. Die Folge davon war, dass tausende von jüdischen Familien die Stadt verlassen mus-sten. Es blbb aber noch eine grosse jüdische Gemeinde zurück, welche Synagogen hat und die eine gewisse Anzahl von Kantoren, Schüchtern und anderer Kultusbeamten naturgemäss nötig hat. Der Rabbiner von Rostow wandte sich deshalb an die Verwaltung des Gebietes mit der Bitte, den Juden vorgenannter Kategorie den Aufenthalt zu gestatten. Die Bitte wurde nun, wie die Zeitschrift ,,Donskaja Rjetsch41 meldet, abschlägig beschieden. * , * # Warschau» Die Warschauer Medizinische Gesellschaft hat nun, wie der „Glos'4 meldet, beschlossen, jüdische Aerzte als Mitglieder nicht aufzunehmen. Tatsächlich wurden alle jüdischen Aerzte, welche als Mitglieder der Gesellschaft kandidierten, bei der jüngsten Wahl zurückgewiesen, wiewohl viele von ihnen in der ärztlichen Welt einen angesehenen Namen besitzen. * * * Nowaja Pawlowka (Gouvernement Cherson). Wie die |,Nowosti" melden, hätte es unlängst in Nowaja Pawlowka zu argen Judenexzessen kommen können, wenn es nicht gelungen wäre, die Verschwörung gegen die Juden rechtzeitig zu entdecken. Einige übelgesinnte Bauern stahlen in der Nacht das 'Schild eines jüdischen Schusters, beschmutzten es mit Unrat und wollten es oberhalb des Einganges der Kirche anbringen. Zum Glücke wurden sie von dem Kirchenwächter ertappt und der Polizei übergeben. Dort gestanden sie, dass sie dadurch den flass der Bauern gegen die Juden entfachen und so Judenexzesse verursachen wollten. Sie wurden dem Gerichte über¬ Warschau. Die jüdischen Bierverkäufer in Warschau, welche mit dem neuen Jahre ihr Gewerbe hätten einstellen sollen, haben von dem Finanzminister, wie der „Utrennij Kurier" meldet, die Erlaubnis erhalten, ihr Gewerbe auch fernerhin ausüben zu dürfen.