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Die Welt · 1904-01-29 · 5 (29.1.1904) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 „bis & W^lt" Seite 5 Palästina zu unterstützen und jedem guten Beginnen derselben zu Hilfe zu eilen und gründete im Jahre 1902 einen speziellen Schulfonds namens „Dr. Pimsker". Ausserdem setzte es vor kurzem eine besondere Schulkommission aus seiner Mitte ein, welche gewisse Pflichten zu erfüllen hat. Zu unserem grössten Bedauern steht die Schulkommission hilflos vor der gestellten Aufgabe. Einerseits sieht dieselbe die immer grösser werdende Not der Palästina-Schule und andererseits die Gleichgiltigkeit seitens der „Freunde Zions". Die Schulkommission hat sich z. B. die Aufgaben gestellt: ein zentrales pädagogisches Schulrnuseum zu gründen, kleine Schulbibliotheken zu organisieren, gute geographische Karten in den Schulen einzuführen und andere notwendige Lehrmittel, wie auch eine Kollektion Anschauungsunterrichtsmittel und eine laterna magica anzuschaffen, Schulgärten, Gemüsebeete etc. zu errichten u. s. w. Aber zugunsten des genannten Schulfonds liefen im Laufe des ganzen Jahres bloss 376 Rbl. ein, und das nur dank zweier Personen. Aus seinem normalen Budget gibt das Komitee mehr als ein Drittel für die Schulen in Palästina aus. Wir müssen aber wiederum bedauern, dass das Einkommen des Komitees so gering ist, dass ein Dritter noch lange nicht allen Nöten der Schulen Palästinas abhelfen kann. Wir möchten aber glauben, dass diese traurige Erscheinung vorübergehend ist, dass die Freunde der Volkssache endlich doch der jung entstehenden Schule in der alten Heimat zu Hilfe kommen werden. Von diesem Glauben durchdrungen, wendet sich die Schulkommission an alle „Freunde Zions" mit der Bitte, sie in ihren Arbeiten für die Palästina-Schulen zu unterstützen, wenigstens in dem Sinne, dass sie in die Lage versetzt werde, die obengenannten bescheidenen Aufgaben durchzuführen. Sie wird sehr dankbar sein für jede Spende zugunsten der Palästina-Schule, sei es in natura (Bücher, Unterrichtsmittel etc.), oder in Geldspenden. Und von wem könnten wir sonst diese Unterstützung erwarten, wenn nicht von denjenigen, denen die Kulturarbeit in Palästina teuer ist, in denen der Glauben fest sitzt, dass die Schule in Palästina in der Wiedergeburtsgeschichte die Rolle des mächtigsten Faktors spielen wird. Mögen diese Gläubigen der jungen Palästina-Schule zu Hilfe kommen, die in die lichte Welt hinaus muss, mögen sie den Ruf hören, der von den fernen, aber heimatlichen Feldern kommt, der zu uns hinüberschallt von den weiten Ebenen Judäas, von den blauen Bergen Galiläas und von den Ufern des alten Jordan. Die Mitglieder der Schulkommission des Odessacr Komitees der „Gesellschaft zur Stützung jüdischer Erdarbeiter und Handwerker in Syrien und Palästina": Agronom A. Sussmann, Dr. I. Raimist, I. Rawnizki. Adresse des Komitees: Komitee der Gesellschaft zur Stützung jüdischer Erdarbeiter und Handwerker in Syrien und Palästina. — Odessa, Russland. Pariser Briefe. L Paris, im Jänner 1904. Man spricht in Frankreich viel über den Zionismus. Trotz des Indifferentismus des Publikums, trotz des Missvergnügens der einflussreichen Juden ist der Zionismus sur l'ordre de jour. Und das heisst in Paris: es ist die vox populi, der lebhafte Trieb, zu sprechen, zu behandeln, zu schwätzen oder mehr delikat zu c aus er en question d'actualitä. Weswegen das jetzt geschieht, ist Mder bekannt. Unser berühmter Meister und Freund Dr. Nordau hat dieses Ereignis hervorgerufen. Das Attentat auf ihn war das Ereignis „tres Parisien", welches die indifferenten Pariser ihrem Schlummer entriss, und so erzählen sie einander über den Zionismus. In den Salons, wie in der Presse schwätzt man viel. Ich betone den Ausdruck schwätzen, weil unter den Parisern sogar die Intellektuellen und die Journalisten den Zionismus nicht kennen, und ihn nicht kennenlernen wollen. Merkwürdig ist, wie die Sozialisten unsere Bewegung behandeln, wie sie den Eindruck abschwächen wollen, welchen das Ereignis auf die öffentliche Meinung gemacht hat. Für Viviani zum Beispiel „hat der Zionismus viel Unglück gebracht und hat den Antisemitismus hervorgerufen." Für einen Mitarbeiter des „Aurore" ist „der Zionismus eine mystische Bewegung und Luban ein religiöser Fanatiker." Für andere sozialistische Zeitungen, welche unter starkem jüdischen Einfluss stehen, existiert der Zionismus gar nicht, während er für das Organ des jüdischen Konsistoriums schon gestorben oder beinahe gestorben ist; und die guten Leute, die sich religiöse Juden nennen, tun gar nicht, was bei guten Juden das alte Chesed-schel-Emes bedeutet, auf lateinisch : de mortuis aut bene aut nihil. So scheint es, dass sie doch wissen, dass der Zionismus lebt und leben werde und dass er darangeht, das indifferente Judentum für ein Bekenntnis zur jüdischen Nationalität zu gewinnen. Das Attentat auf Max Nordau hat auch die antisemitische Presse ausgebeutet. Dr. Nordau hat in seiner Erklärung in der „Welta und in seiner offiziellen Antwort in der „Libre Parole" erklärt, welchen Wert die ihm zugeschriebenen Interviews haben. Trotzdem hat die jüdische Presse auch diese gegen den Zionismus ausgespielt, und hat bis jetzt Nordaus Erklärung nicht reproduziert. Das schadet nicht. Untreue schlagt den eigenen Herrn. Man spricht überall mit Achtung und Bewunderung von Nordau, auch viel vom Zionismus in Frankreich, und die öffentliche Meinung, bis jetzt indifferent und unwissend, wird und muss sich von jetzt an für unsere Bewegung interessieren. Die politische Lage in Frankreich ist gerade sehr günstig dafür: Der Streit gegen die religiösen Kongregationen in Frankreich und in den Kolonien erregt Widerstand seitens der offiziellen Diplomatie, welche einen Verlust des Einflusses der französischen Kultur und Sprache im Oriente fürchtet, falls die Kongregationen auch dort aufgelöst werden. Es ist aber eine Frage, welche nicht lange unentschieden bleiben wird; die Radikalen und die Radikal- Sozialisten sehen ein, dass der Kirchenstreit den politischen Einfluss Frankreichs schädigen wird, und dass die französische Politik ein anderes Element im Orient suchen muss, um auf dieses ihren Einfluss zu stützen. Schon spricht man in der Presse und im Senate von den 20.000 französischsprechenden Schülern der Alliance Israelite in Asien; schon spricht man von der Wichtigkeit des griechischen Elements in Kleinasien und des jüdisch-zionistischen in Syrien. Und gerade weil Frankreich keine Kolonie gründen will und kann, da es keine Kolonisten hat, gerade weil es sich für die französische Politik darum handelt, nicht Syrien zu erobern, sondern nur ihren traditionellen Einfluss zu bewahren, wird das republikanische freie Frankreich mit Wohlwollen die Verbesserung der Lage der Juden im Oriente ansehen. Der Zionismus wird dadurch sicherlich gefördert und Frankreich ein dankbares kulturfähiges Element gewinnen. Die Makkabäerfeiern waren heuer wie gewöhnlich zahlreich besucht. In der jüdischen „Universite Populaire" hat man zwei Volksfeiern, eine für Kinder, eine zweite für Erwachsene abgehalten. Die zionistische Studentenschaft hat diesmal eine grössere Theilnahme an ihrer Feier gesehen als jemals. Und der Ball der „Mebasserth Zion" ist wie bekannt leider weltberühmt geworden. N.B.D.

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