Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bk * weit" Nr. 5 abnehmen. Man könnte die Herstellung mit allen nötigen Garantien versehen, damit der Wein von guter Qualität und nicht gefälscht sei. Auf diese Weise würde jeder seinen Nutzen haben, angefangen bei der Ica selbst. In der Tat, der Wein wird jetzt zu 25 Frcs. der Hektoliter verkauft und es bleiben nach Abzug aller Produktionskosten 8 Frcs. für die Trauben. Da die Ica trotz der jetzt herabgesetzten Preise dennoch 18 Frcs. bezahlt, verliert sie somit zehn Francs an jedem Hektoliter des verkauften Weines. Nun verlangen die Kolonisten nur eine Sache, dass ihnen nämlich die Ica für den von ihnen produzierten Wein denselben Preis bezahle, für den sie ihn verkauft, nämlich 23 Frcs. Die Administration würde somit die 10 Frcs«, die sie an jedem Hektoliter verliert, gewinnen. Um die Kolonisten aber braucht man dann nicht besorgt zu sein; sogar bei solch reduzierten Preisen werden ihnen noch über 20 Frcs. für ihre Trauben bleiben, so gross wird die Entlastung der Produktion durch das Verschwinden der allgemeinen Kosten sein. Die Lösung ist, wie man sieht, sehr einfach und hat einen unbestreitbaren Wert. Uebrigens wird die BIcatf früher oder später dazu gezwungen sein. Unter den gegenwärtigen Bedingungen müsste sie zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes in diesem Posten ihres Budgets progressiv den Preis des Weines bis zur Summe von 8 Frcs. für 300 Kilo Trauben herabdrücken. Nun kostet eine solche Quantität Trauben den Winzer selbst 14 Frcs., es ist somit absurd anzunehmen, dass der Preis über eine gewisse Grenze sinken kann. Und diese Grenze ist bereits erreicht. Wenn aber die „Ica* den Kolonisten selbst die Sorge für die Produktion des Weines überlassen wird, wird sich die Rolle der Ica darauf beschränken, ein Zwischenhändler zwischen den palästinensischen Produzenten und den ausländischen Käufern zu sein. Das von ihr vorgeschossene Kapital wird sie vollständig zurückbekommen, da der Preis von 25 Frcs., den sie den Kolonisten zahlen wird, ein genug billiger Preis ist, um überall auf den Märkten dem Wein Absatz verschaffen zu können. Noch mehr, der Preis könnte leicht überschritten werden (was beim russischen „Karmela der Fall ist) und dann könnte die Ica von ihrer Stellung zwischen den Kolonisten und dem europäischen Kaufmann profitieren. Diese Reform könnte in kurzer Zeit zu einer anderen idealen Gestaltung der Dinge führen: Zur Aufhebung der Intervention der Ica. Allmählich werden die Kaufleute zum Kolonisten den Zugang finden und bei ihm direkt den Wein kaufen, und erst dann wird die palästinensische Kolonisation unabhängig und für die Zukunft gesichert sein. Sie wird dann von dem Krebsschaden der Administration, diesem todtbringenden Uebel, das viel stärkere Kolonien, als die palästinensischen, aufgezehrt hat, geheilt werden. Wir sind überzeugt, dass der obere Rat der Ica nur das Wohl der palästinensischen Kolonien anstrebt. Möge er nun aus freien Stücken eine Massregel ergreifen, die ihm und den Kolonisten zum Nutzen gereichen wird. Möge er das Werk der Befreiung der Kolonien von der einsichtslosen und routinenmässigen Administration vollenden, die jede Initiative lahmlegte, jede Energie zerstörte. Möge die Ica nun dem Beispiel des grossen England folgen, das die Kolonisation von diesem Spinngewebe der Verwaltung und der Günstlingswirtschaft gereinigt hat, und möge sie die Kolonisten unabhängig machen. Damit würde die Ica ein wahres Befreiungswerk vollbringen, das dem grossen Ziel, das ihrem Begründer vorschwebte, entsprechen würde. Rischon y. Brief an die Redaktion. Alle Forscher des Lebens Palästinas sind darüber einig, dass die Kolonisation Palästinas unter anderem auch der national-jüdischen Schule einen grossen Dienst erwiesen hat. Kaum Jiess sich irgendwo in Palästina das Lied des jüdischen Ackerbauers vernehmen, als auch schon an derselben Stelle eine Schule entstand, und in der Rolle des geistigen Säers trat die hebräische Sprache auf. Auf den Feldern und Weinbergen lebten die toten Sandkörnchen und Felsen auf, in den Schulen entstand die von vielen totgesagte Bibelspräche wieder zu neuem Leben und genau so, wie der verlassene Boden Palästinas uns zeigte, dass er noch imstande ist, seine Bauern zu ernähren, so zeigte auch die vergessene Sprache der Bibel, dass sie imstande ist, dem heranwachsenden Geschlechte geistige Nahrung zu gewähren. Man muss wenigstens in den Schulen der Palästina-Kolonien gewesen sein und die fiiessende, eigenartig klingende hebräische Sprache mit angehört haben, man muss sehen, mit welchem Erfolge hier der Unterricht in der Bibelsprache geführt wird, wie für jüdische, so auch für allgemeine Lehrfächer, selbst für ein solches Spezialfach wie Naturkunde, um der Palästina-Schule, die durch die Palästina-Bewegung ins Leben gerufen wurde, das grosse Verdienst der Anwendung der hebräischen Sprache zu ernsten, erzieherischen Zwecken zuzuschreiben. Die Kinder des rumänischen Auswanderers in Rosch-Pina und Sichron, die Kinder der russisch-jüdischen Uebersiedler in Rischon und Gedeira, die Kinder der bulgarischen Juden in Artuf — alle lernen sie sprechen und denken in einer und derselben Sprache — in unserer nationalen hebräischen Sprache. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass die jüdische Schule in Palästina danach strebt, in derselben Reihe mit dem Bestreben, die hebräische Sprache zur Umgangssprache zu machen, auch den Kindern rationellen Unterricht und Erziehung angedeihen zu lassen, welche für viele Schulen des kulturellen Europa nur erst der Gegenstand flammender Wünsche ist. So z. B. nahm die erste Konferenz der jüdischen Lehrer Palästinas, welche unlängst in Sichron auf Initiative der Delegierten der „Gesellschaft zur Stützung jüdischer Erdarbeiter und Handwerker in Syrien und Palästina'4 stattfand, eine Resolution an, wonach die physische Erziehung in den Schulen ebendieselbe Rolle spielen muss, wie die geistige. Natürlich hat Palästina noch nicht die genügende. Anzahl Musterlehrer, aber solche Schulen z. B. wie die von „Metula", welche in den Felsen der Berge Galiläas liegt, wo noch unlängst ein talentvoller Lehrer mit Verständnis und Liebe seiner Sache waltete, eine solche Schule wie die in „Rosch-Pina4*, welche von einem hochtalentierten idealen Pädagogen, auf den ganz Palästina mit Recht stolz ist, und noch einige lichte Punkte auf dem Schauplatze der Schulangelegenheiten legen Zeugnis davon ab, dass in Palästina der ideale Lehrer schon im Entstehen ist, welcher die ganze Grösse seiner Aufgabe begreifen wird und auch imstande sein wird, iie auszuführen. Aber der grossen Nationalidee dienend und sich gleichzeitig bemühend, dem pädagogischen Ideal so nahe als möglich zu kommen, arbeitet die Schule i>n Palästina bei einer äusserst schlechten äusseren Ausstattung. Spezielle Schulräume gibt es noch lange nicht überall, ein nur einigermassen zufriedenstellendes Schulmobiliar ist selbst in der Jaffaer Schule nicht vorhanden, Lehrmittel zum Anschauungsunterrichte nach den neuesten Mustern gibt es nirgends, öfters fehlen selbst die Mittel, um die Zöglinge mit der Natur der Heimat vertraut zu machen, von der Zauberlampe, die so viel Leben in die Schule der Gegenwart bringt, haben die Palästtnaer Zöglinge keinen Begriff, nirgends gibt es anständige Schulbibliotheken, obwohl die Kinderliteratur in der hebräischen Sprache in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht hat. Das Odessaer Komitee der „Gesellschaft zur Stützung jüdischer Erdarbeiter und Handwerker in Syrien und Palästina44 hält es für seine Pflicht, mit allen Mitteln die junge Schule in