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Die Welt · 1904-01-22 · 4 (22.1.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „blc'^'Weit" Nr. 4 ^Mbüi)e. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) An die Ausschüsse unserer Organisationen! Unsere Bewegung ist gewachsen und wächst durch die Begeisterung ihrer Anhänger, und wir möchten auch ein Feinkchen davon nicht missen. Jeder reife Politiker aber weiss, dass die Begeisterung sehr nüchterne Fruchte zeitigen muss, um Erfolge zu erringen. Es sind das die materiellen Mittel. Es sind ohnehin geringe Forderungen, die der Propaganda der Zionisten überlassen sind. Am leichtesten zu erfüllen sind die Forderungen des Nationalfonds, der von jedem nur ganz kleine Beträge verlangt. Dafür verlangt er aber, von jedem Zionisten als Lebensaufgabe behandelt zu werden. Das heisst, dass jede Möglichkeit zu seiner Förderung ausgenützt werden muss. Dreierlei ist zu tun: Selbst zahlen, sammeln und Sammler zu werben! Nicht so hohe Beträge als viele Beträge sollen die erforderlichen Summen bringen. Die Kardinalgelegenheit für Sammlungen sind die Veranstaltungen der Vereine. Man beachte einmal die Berichte jener Vereine, die die gute englische Politik durchgemacht haben, z. B. die in England und Südafrika. Jeder Bericht fängt an: „N.-F. K. 20.—" etc. So muss jeder Vereinsbericht aussehen. Wir hoffen, dass auch nicht ein einziger Verein seine Pflichten vernachlässigen wird. Eine notwendige und wichtige Person in jedem Verein ist der Kommissär des N.-F. Er versorgt die Marken, sieht auf deren Besitz bei jedem Vereinsmitglied und dirigiert die privaten und öffentlichen Sammlungen. Unsere Arbeit ist unser Sieg! * * * An die österreichischen Gesinnungsgenossen! Unsere Organisation bezüglich des Nationalfonds schreitet erfreulicherweise, wenn auch langsam, vorwärts. Wir haben in vielen Orten Oesterreichs Gesinnungsgenossen gefunden, welche sich mit dem Markenverschleiss für ihren Ort befassen. Wir richten an alle zionistischen Gesinnungsgenossen, welche bereit sind, die mühelose und keine Opfer erfordernde Verbreitung der Marken für ihren Ort zu übernehmen, die dringende Bitte, in kürzester Zeit ihre Bereitwilligkeit zu erklären und ihren genauen Namen und Adresse hierher anzugeben, da der Erfolg des Nationalfonds von den Massen abhängt. Die Nationalfonds-Kommission des österreichischen Landes- Komitees. * * * Wien. Freitag abends, den 22. und Samstag vormittags, den 23. d. M. Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Verein zur unentgeltlichen Verpflegung armer Brustlei dendar auf dem Lande.) 1903 112 Pfleglinge. 20 geheilt, 90 gebessert. Behandlung Dr. J. Perl, R o z n a u. Durchschnittliche Verpflegsdauer 35 Tage. 3.485 Kronen Verpflegspreis pro Kopf und Tag. Ausserordentliche Kurbeiträge 220 Kronen. Doktor Wölfler-Heim im Bau. Vereinsvermögen 239.169 Kronen. Wien. (Jüdisches Bildungsheim, XIV. Bez., Ulimannstrasse 31, Kauerhof 10 A.) Am 3. Dezember eröffnete das Jüdische Bildungsheim sein drittes Vereinsjahr. Es ist ein wichtiger Abschnitt in dem kurzen Bestände dieser vom Einzelverein „Fünfhaus" des „Zion" geschaffenen Institution. Vom früheren Sitze im Kaffee „Rudolfsheimtf wurde das Bildungsheim in den grossen Saal des Turnvereines „Zion" in Fünfhaus übertragen. Sammlungen, die veranstaltet wurden, werden es ermöglichen, den Besuchern des Bildungsheimes Tee und Gebäck zu verabreichen. Wie früher sind die Dienstage für die Vorträge im Bildungsheime vorbehalten. Die Verwaltung ruht in den Händen eines Kuratoriums, das aus den zionistischen Organisationen von Fünfhaus zusammengesetzt ist. Eine grosse Besucherzahl erfüllte am 3. Dez. die neue Stätte des Bildungsheimes. Der Obmann des Kuratoriums, Herr S. M. Hönigsberg hiess die Anwesenden herzlichst willkommen und setzte auseinander, wie notwendi eine Stätte der Bildung und geistigen Erholung für die Bewohner unserer Bezirke ist, die durch ihren Beruf als Arbeiter und Hausierer der Assimilation verfallen. Hierauf hielt Herr Richard ßappaport, Präsident des Jüdischen Volksvereines die Festrede, die man als kleines Meisterwerk der Rhetorik bezeichnen kann. Humorvoll und zugleich ironisch war die Betrachtung über das Judentum und Bildung und klang in die Mahnung aus, beide, die sich nach Geschichte und Erfahrung decken, sorgfältig zu pflegen und in das Programm des Bildungsheimes vor allem Pflege der jüdischen Literatur, der jüdischen Geschichte, des jüdischen Wesens aufzunehmen. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden. Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle. XX., Karajangasse 20. Vortragsordnung: Samstag, 23. Jänner. Konzert. Sonntag, 24. Jänner. Adolf Gelber: Voltaire. Montag, 25. Jänner. Dr. Josef J e r u s a 1 e m : Oesterreichische Verfassungsgeschichte. Dienstag, 26. Jänner. Diskussion. Mittwoch, 27. Jänner. Dozent Dr. Josef Poll ak: Hygiene. Donnerstag, 28. Jänner. Dr. Ludwig Kohn: Aus der deutschen Literaturgeschichte. Freitag, 29. Jänner. Dr. Rosenman n. Bibelvortrag. Samstag, 30. Jänner. Konzert. Anmeldungen zu Vorträgen wolle man freundlichst an Herrn Dr. Siegmund Werner, IX. Nussdorferstrasse 16, Mitgliedsanmeldungen an Herr J o h. K rein enezky, IX. Eisengasse 5, richten. * * * Musikalisches aus der Toynbee-Haüe. Im Laufe des Dezember 1903 fanden zwölf Musikabende statt. Es wirkten -freundlichst mit: die Pianistinnen und Pianisten Racheile Neufeld, Clara Frey, Elsa Sternbach, Camilla Wasservogel, Hilda Stern, Manja Swedrofsky, Fricka Huttrer, Felix Goldbaum, Karl Berger, Sternbach jmd Emanuel Grobetty, die Geiger: Dr. Fritz Tedesko, Heinrich Swedrofsky, Josef Wolf und Max Geiger, die Cellistin Frl. Helene Kohn und die Sängerinnen und Sänger: Martha Royz, Hedwig Gara-Salter, Grethe Hirsch, Weizenblum, Adele Rafael, Ernestine Rabel, Elsa Freund, Oberkantor Bauer und Hr. Schulz. Das Quartett „Harmonie", bestehend aus den Herren: Nichtenhauser, Hitschr mann, Iiiner und Delikat, brachte uns ©inen schönen Kammermusikabend und die Damen und Herren Elsa Freund, Clara Frey, Bettina Rabel, Manja Swedrofsky, Carl Grosz, Prof. S. Auber, Felix Goldbaum, Ernst Adler und Willy Löwit besorgten freundlichst die Klavierbegleitung. R. F. Bücherwelt. „jüdische Zeitgeschichte und Zeitgenossen". Von Dr. Adolf Frankl - Grün, mit einem literarhistorischen Beitrage von Dr. S. Krauss. I. Band. (Verlag von M. Waizner und Sohn Wien,) Die denkwürdigen Ereignisse, welche sich während des letzten halben Jahrhunderts in der österreichischen Judenheit zugetragen haben, im Zusammenhange darzustellen, ist — laut Angabe des Verfassers — Aufgabe dieser Schrift. Dass sie dieser Aufgabe vollauf gerecht wird, bedarf bei dem durch seine 3-bändige „Geschichte der Juden in Kremsier und Naehbargemeinden" als Historjker rühmlichst bekannten Verfasser kaum einer besonderen Hervorhebung. Nach einem Rückblicke auf die mannigfachen ebenso drückenden wie demütigenden Beschränkungen, denen die Juden Oesterreichs insbesondere die Mährens ausgesetzt waren, schildert der Verfasser in den ersten 2 Kapiteln seiner Schrift die Emanzipatiönsbeslrebungen und Kämpfe, deren Mittelpunkt eine Zeitlaug seine Gemeinde Kremsier als Sitz des Reich srätes — gewesen ist. Ein Rückblick auf diese Kämpfe ist umso lehrreicher, als dadurch gar manche inzwischen entstandene Missverstäcdnisse und Vorurteile beseitigt werden. Da der endlich erlangten

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