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Die Welt · 1904-01-22 · 4 (22.1.1904) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 wbi* & Welt" Nr. 4 helfen und bietet uns eines seiilermingeheuren Gebiete an. Bas Bedeutsame dieses VorseWa^-lie^t darin, dass er dem Zionidxmkoiigresse gemacht wünfe, also-keineswegs einer wohltätigen Anstalt, vielmehr einer Oi^anisatien, welche die staatsrechtlichen und politischen - Aspirationen ( des Judenvolkes darstellt. Dieser-VoTscliläg - beinhaltet in sich die Anerkennung des Kongresses äls>der legalen Eepräsentanz des Judenvölkes und die AneTkeünung der zionistischen Bestrebungen. Im Leben #e£ Völker hat eine solche Anerkennung durch die grosse englische Nation eine enorme praktische und moralische Bedeutung. Dieser Erfolg ist das ausschliessliche Verdienst des Dr. Herzl. Man kann ja darüber streiten, ob die Erledigung des englischen Vorschlages mit Rücksicht auf die missverständlichen Auffassungen, die dadurch entstehen konnten und wirklich entstanden sind, eine besonders glückliche war. Man kann der Meinung sein, dasfe — unbeschadet unserer Dankbarkeit Grossbritannien gegenüber — es vielleicht ratsamer gewesen wäre, England für seinen guten Willen zu danken und seine mächtige Hilfe für — Palästina zu erbitten. I Es sei dem, wie es wolle; der afrikanische Beschluss war weder nach den Absichten des Kongresses, noch nach den Absichten seines Vorsitzende^, ein Verzicht auf Zion, er war keine Korrektur des Baseler Programms, er war kein Rückschlag zur philanthropischen Aktten. Der afrikanische Vorschlag ist eine wichtige, für unsere Sache jedoch untergeordnete Episode. . Wenn die afrikanische Expedition gefunden hätte, dass günstige Bedingungen für die Kolonisierung Ugandas, vorhanden sind, auch dann konnte der Zionismus diese Kolonisation nicht in die Hand nehmen. Die Verwirklichung | dieses Vorschlages ist Aufgabe der philanthropischen Institute, der loa, der grossherzigen Finanzbarone. Der Zionismus und Herzl kann und darf von seinem Wege, nicht abweichen. Er ist das Sprachrohr der Volksseele; entstanden an« dem historischen Erdhunger, zwingt er uns, seine Söhne und Sklaven, seinen Weg zu gehen. Für den Zionismus-ist die Kolonisierung Afrikas gleichbedeutend mit dem amerikanischen iVuswanderungswerke, mit der Aktion verschiedener Wohltätigkeitsvereine zur Hebung des Wissens, des Handwerks oder der Landwirtschaft unter den Juden im G-olus. Eine Aufgabe harrte unser bei der afrikanischen Kolonisation; wir hatten darauf zu achten, dass der nationale Geist keinen Schaden dabei erleide, dass kein Verlust an nationalen Werten erfolge, dass diese Auswanderer in stetem Zusammenhange mit der Nation bleiben und ihrer Pflichten der Nation gegenüber stets bewusst seien. , Die Zionisten haben aber die Pflicht, unermüdlich weiter zu arbeiten. Unabhängig von den schöpferischen Leistungen des Mannes, „welcher für uns denkt" — wie Kirschrot bissig bemerkt — haben wir die Pflicht zu denken und -zu handeln, immer weitere Schichten des jüdischen Volkes uns näher zu bringen und sie zu vereinigen im grossen Werke, dem Werke vieler Generationen, also auch unserer Generation. Da helfen wenig die ganz gescheiten Ausführungen unserer langsamen ..Fabier, welche sich darüber beschweren, dass der herzlische Zionismus mit untersagter Automobilgesehwindigkeit zum Ziele hinrast. Ob mit Automobil oder mit der uralten Postkutsche — unser Ziel können wir nur erreichen bei stetig fortdauernder Arbeit, die keinen Augenblick ruhen kann und darf. Dies ist die Bilanz des Zionismus.; Vieles wurde geleistet im Verhältnisse zu unseren bescheidenen Mitteln; wenig im Verhältnisse zur Grösse der Aufgabe. Unter der bisherigen Leitung, welch vollauf unseres Vertrauens würdig ist, haben wir unsere ganze Energie anzustrengen, um neue Gebiete des Volkes, wro die zionistische Saat noch nicht aufgegangen ist, zu erobern und um immer enger die Nation mit Palästina: zu verbinden. Dr. David Malz. Kundgebungen zur Charkower Kcn'erenz. Aus der Fülle der Proteste, die bei uns eingelaufen sind, können wir natürlich nicht alle einzeln im Wortlaute-bringen. Wir müssen uns damit begnügen, aus den Zuschriften nur einzelne Sätze zu veröffentlichen, wobei wir die schärfsten Stellen im Interesse der Kundgebungen selbst eliminieren. Die Mitglieder des Landeskomitees des Schweizerischen Zionistenverbandes und die Delegierten der Schweiz auf dem VI. Kongresse protestieren gegen das Vorgehen Ussischkins und seiner Genossen und sprechen dem Wiener A.-C. und seinem Präsidenten das volle Vertrauen aus. Unterfertigt ist die Kundgebung von: Dr. L. W e i 1 und M. Levy, im Auftrage des Vorortes Basel des Schweizer Zionistenverbandes, von den Mitgliedern des Landeskomitees und den Delegierten. Die nun folgende Resolution wollen wir wörtlich publizieren, weil sie sich von den anderen Resolutionen wesentlich unterscheidet. Die Zuschrift läutet: „Die vom akademischen Zionistenvereine Berns am 29., 30. und 31. Dezember abgehaltene Versammlung hat in ihrer Schlusssitzung folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt es als für die Herstellung der Einheit, Ruhe und Ordnung in unserer Partei wünschenswert und unumgänglich, dass auf die der Vergangenheit angehörenden Verstösse nicht weiter eingegangen werde und dass es unseren Parteigenossen ans Herz zu legen sei, alle Richtungen mit allen Mitteln, soweit sie den Ordnungen und Satzungen unserer Organisation nicht widersprechen, ruhig weiter arbeiten und ihren Standpunkt vertreten zu lassen.4' Aus Berlin schreibt Hermann Struck im Namen und Auftrage der zionistischen Ortsgruppe in Botosani (Rumänien), die er am VI. Zionisterikongresse vertrat, dass er gegen die Charkower Beschlüsse auf das energischeste protestiere und die Herren, die für das Ultimatum gestimmt hätten, auffordere, ihre Mandate niederzulegen. Der Verein „A c h - woh" in St. Petersburg protestiert gegen Ussisehkin und drückt sein Vertrauen Dr. Herzl aus. „Um unsere Ergebenheit und Einigkeit mit unseren hochgeschätzten Führern" — so fährt das Schriftstück fort — „deutlicher zu markieren, senden wir hiemit 200 Rubel mit der Bitte, die Herren Dr. Herzl und Dr. Nordau ins goldene Buch des Nationalfonds einzutragen." Unterzeichnet ist die Kundgebung von den Herren Dr. S. Pe r 1m a n n, D. P i 11 e 1 und Ch. K o f k o f f. Das Komitee des Vereines „N e s s Z i o n" in R i g a sendet einen offenen Brief an die russischen Bevollmächtigten, in dem es' sie auffordert zu erklären, ob die mitgeteilten Beschlüsse der Charkower Konferenz tatsächlich gefasst wurden und in dem es die Begründung für dieses Vorgehen verlangt. Dasselbe verlangt der Verein „Z i o n" in Riga und spricht für den Fall, dass sich die Meldungen bewahrheiten sollten, seine Entrüstung über dieses Vorgehen und seine Absicht aus, diesen Beschlüssen den Gehorsam zu verweigern. Der Delegierte des VI. Kongresses, Herr Urias Schatz in Friedrichstadt (Kurland), protestiert aufs schärfste gegen die Charkower Beschlüsse, obwohl an diesem Ereignis vielleicht am besten mit einem Achselzucken über die politische „Reife" der Konferenzteilnehmer hätte vorübergegangen werden können. Aus B i a 1 y s t o k senden die Vereine „T i k w a t h Z i o n", „B'nei Jeruscholaim" und „Z i o n" Proteste gegen die Charkower Konferenz. Gezeichnet sind die drei Kundgebungen von den Herren F. Oguschewitsxh und J. Beirachawitsch nebst 50 anderen Mitgliedern, von L. B o i a r s ky, Demb o, M. Nourison und ML R i-b-a k,

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