Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 „Di? & W$lt Seite 11 Eine Stimme übeden Zionismus. Einmütig verurteilen die jüdisch-russischen und sogar viele reinrussische Blätter das Attentat, welches der russische Jude Luban auf Dr. Max N o r d a u verübt hat. Die „Buduschnost" und mit ihr noch viele andere Journale bezeichnen das Attentat als eine krankhafte Erscheinung im Leben der jüdischen Jugend, welche mit allen Mitteln geheilt werden müsse. Einen viel bemerkenswerteren Artikel über das Attentat und über die Motive, welche den Mordversuch veranlasst haben sollten, veröffentlichen die nationalrussischen „Petersburg s k j j a Wjedemost i". Das Blatt des Fürsten Uchtomskij schreibt darüber unter anderem: „Dieser merkwürdige Schuss, welcher auf dem Zionistenballe zu Paris auf Max Nordau abgefeuert wurde, dieser merkwürdige Mordversuch auf das Leben eines friedlichen und gesetzten Schriftstellers und unermüdlichen Kritikers des Dekadententums und der Verlogenheiten der europäischen Kultur ist die Tat eines eigentümlichen Helden. Die gegenwärtige zionistische Bewegung, die Tätigkeit ihres Führers Dr. Herzl erscheint mir in ihrer Genialität bewunderungswürdig, fast märchenhaft. Als die Bewegung begann, fanden sich viele, welche dieses grandiose Unternehmen verspotteten. Nunmehr aber hat diese Bewegung die Juden der ganzen Weit in einer Idee vereinigt und die ideale Existenz des jüdischen Volkes wiedergeboren. Mit dieser Bewegung rechnen Staaten und Regierungen. Und schon besteht eine Vertretung des jüdischen Volkes, ein zentraler Nerv, ein vereinigendes Organ. Und nicht umsonst blickt das jüdische Volk zu Dr. Herzl in ehrfurchtsvoller Verehrung empor. Da zeigt es sich, dass Palästina nicht leicht zu bekommen ist. Der Sultan stellt Bedingungen, weiche die Zionisten nicht akzeptieren können. Als aber England, das immer kluge England, auch diesmal begriffen hatte, was es heisst, plötzlich einige Millionen energischer und kultivierter Untertanen zu bekommen, den Zionisten Uganda anbot, ein Land, welches durch seinen Reichtum, durch seinen Raum etc. beinahe ein Ideal ist und nicht zu weit von Palästina liegt, so glaubte man, der Zionismus erhalte nun Fleisch und Blut. Hier aber tauchte das unverständliche Rätsel auf. Die Logik gebietet, dass man etwas langsam nehmen muss, wenn man es nicht auf einmal nehmen kann. Und jeder wird leicht begreifen, dass das, was ein zerstreutes und unselbständiges Volk nie erreichen kann, für ein Volk erreichbar ist, das ein Territorium besitzt, unter dem Schutze einer grossen Weltmacht steht und imstande ist, internationale Politik zu treiben, mit welcher Völker und Staten, darunter auch die Türkei, werden rechnen müssen. Was wäre aus den Bulgaren geworden, wenn sie sich geweigert hätten, Bulgarien nach den Bestimmungen des Berliner Vertrages zu akzeptieren, sondern ein Bulgarien nach dem Vertrage von San Stefano gefordert hätten? Man hätte sie als Wahnsinnige bezeichnet. Das geht jetzt mit den protestierenden Zionisten vor. Wenn Uganda für die nationale Zukunft der Juden gefährlich sein soll, wäre also die Aufhebung des jüdischen Niederlassungsgebietes und die Ansiedlung der jüdischen Massen in ganz Russland und Sibirien weniger gefährlich? Für Russland ist es schon genug, dass es den Zionismus zu fördern versprach. Der Verlust einiger Millionen energischer, handelskundiger und unermüdlicher Untertanen, welche imstande sind, aus jeder Kopeke dem Lande Nutzen zu bringen, bietet keinen Vorteil." Zum Attentat auf Dr. Nordau. Von Herrn Dr. Nordau werben wir aufmprksnm gemacht, dass der Bericht über sein Zufamnienin ffen mit dem Attentäter Luban im Zimmer des Untersuchungsrichters, den wir französischen Zeitungen entnommen hatten, unrichtig ist. Wir können nur unserem Bedauern Ausdruck geben, dass wir diese unrichtigen Nachrichten übernommen haben. Es laufen in unserer Redaktion noch immer Kundgebungen für Dr. Nordau ein, die wir ihm weiter übermittein werden. Aus Russland. Petersburg. Die offiziellen „Senatskrja Wjedomosti" publizieren Zvvei Ent cheiduntjen des Senates in de»- Frage d-*s Aifenthaltrechtes d*-r Jud«n im Innern des Reiches. Den Kindern von jütischen Soldaten, welche das Aufenthaltsrecht im Rriirh genossen, wird der Aufenthalt nach dem Toii ihrer Eltern auch fernerhin erlaubt, wenn sie bei Lebzeiten ihrer Eitern die Zuständigkeit zu einer Gemeinde in Innern d^s Reiches erlangt haben. Ferner wird jüdischen Wundärzten der Aufenthalt im ganzen Reiche nur dann gestattet, wenn sie diesen Grad durch Anlegung von Prüfungen in den Medizinalverwaltungen erlangt haben. Da sie aber zu diesen Prüfungen kaum zugelassen werden, so ist der Sifm dieser Verfügung deutlich . . . Wcirsc^au. Wie der amtliche „Warschawskij Dnewnik" meldet, hat der General-Gouverneur von Warschau, General Tsehertkow, mittels Zirkular alle Gouverneure im Weichselgebiete aufgefordert, strenge darüber zu wachen, dass Juden in den Dörfern sich unter keiner Bedingung niederlassen. Simferopol. Die Gouvernements-Landschaft von Simferopol unt^rbr eitete der Landschaftsversammlung eine Vorlage, wonach es den Juden gestattet werden soll, im ganzen Gouv rnement Taurien unbehindeit wohnpn zu dürfen, und zwar im Interesse de« Handels und der Industrie. Angeregt wurde diese Petition durch den bekannten Grossgrundbesirzer Folz-Fein, der er klärt hatte, die ökonomische Lage des Landes erheische die weitestgehende Heranziehung von Juden gebieterisch. Warschau. Uoter dem Namen „Sfas Zion" hat sich ein neuer zionistischer Verein gebildet, welcher bereits einige hundert Mitglieder zählt. Es sind meistens junge Leute, welche, sich zur Aufgabe machen, die hebräische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. Baussie (Kurland.) Wie die „Düna-Zeitung" meldet, hat vor Kurzem der bekmnte kurländische Philanthrop Uri Michelson seine Vaterstadt verlassen und ist nach Jerusalem ausgewandert. Die russischen Behörden haben sich Mühe gegeben, diesen grossem Wohltäter und Millionär, welchem Kurland viele philan tropische Institutionen verdankt, zurückzuhalten, aber vergebene. Er wanderte aus, wie er sagte, nach dem Lande der Juden. Kiew. Aufsehen erregt gegenwärtig in Kiew ein jüdischer Jüngling J. M a i s n s, Sohn armer jüdischer Eltern, welcher durch seine Bildhauerarbeiten überall Bewunderung hervorruft. Unter anderen haben seine Typen zu den Werken des berühmter» Gogol auf der Kunstausstellung zu Kiew berechtigtes Aufsehen erreet. Zum Jubiläum des Dichters Nekranow hat er dessen Büste geliefert und kürzlich vollendete er mit nicht weniger Erfolg die Büste L. Tolstois Zum Glück haben sich einige Kiewer Mäzene gefunden, die dem talentvollen Jüngling die Möglichkeit verschaffen wollen, sich an der Akademie in Petersburg auszubilden. Man prophezeit Maisus die Berühmtheit Antokolskis. Er ist ein Autodidakt. Ein Vertrag, Das Aktionskomitee hat mit der Firma B o g d a d 1 y & Ho ro witz, Zigarettenfabrikanten in Alexandrien, eine Vereinbarung getroffen, wonach diese Firma ägyptische Zigaretten mit der Zionsmarke. erzeugt und für die Empfehlung dieses Fabrikates an die Gesinnungsgenossen dem A.-C. für je 1000 Stück verkaufter Zigaretten 2 Franks für zionistische Zwecke bezahlt. Die Kontrolle wird in der Weise geübt, dass das A.-C. eine Verschlussmarke, die gleichfalls die Bezeichnung „Zion" enthalten muss, anfertigt, die nach Zulässipkeit der ägyptischen Gesetze dort auf Kosten der Firma Bogdadly & Horowitz uvid auf den Namen des Vereines „Erez Israel" zu schützen ist. Die Marke wird als Verschluss für jeden von der Firma Bogdadly & Horowitz zum Verschleisse gebrachten Karton gebraucht und enthält die