Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 „&ie # weit Nr. 3 zeugungsvoller christlicher Feder nur die Wahrheit, die wir Zionisten immer behaupten: „Sowohl die jüdische Religion als auch die jüdische Nationalität ist unausrottbar; sie war, sie ist und sie wird sein.1* Lavoslav Schick. „Der Fall Kohn." „Erzbischof Kolin" — — man spricht davon, dass diese eigenartige Wort-Zusammenstellung aus dein öffentlichen Leben verschwinden soll. Man will das Wort „Kohn", das den Weg zu einem der höchsten hierarchischen Gipfel gefunden hat, wieder in die Tiefe hinabstossen. Der Name „Kohn" hat sieh aber hier tatsächlich einen boshaften Scherz zu Schulden kommen lassen, der auf die Dauer nicht ungeahndet bleiben dürfte. Ks ist etwas von der oft zitierten „Jüdischen Hachsucht" in diesem Scherz. Als hätte „Kohn" heimlich zu sich gesprochen: „Wie? Ihr verhöhnt mich? Ich bin euch ein Wort der Verachtung und des Schimpfes? Aufgepasst! Ich werde .euch mal zeigen, was vKohn" vermag!" — Und mit einem Male ging das Wort „Kehn" feierlichen Schrittes im erzbischöflichen Ornat herum und liess sich gerade von jenen die höchsten Ehren erweisen, von denen es ansonsten den bittersten Spott ortragen musste. Und just in Oesterreich, in der Veste des „christlichen Sozialismus" musste solches passieren! Hier, wo der Judenhass im Klerus die willigsten Schürer findet, musste ein Sprössling des gehassten Stammes unter die Obersten des Klerus geraten. In einer Zeit, die dem Namen „Kohn" einen stereotypen Platz im antisemitischen Couplet und Witzblatt anwies, musste eben dieser Käme ehrfurchtheischend aus Hirtenbriefen sprechen. Die Wiener „christlichen" Blätter, die so freundschaftliche Worte für den Antisemitismus Frankreichs fanden und dem Pariser Oberrabbiner Z a d o k Ka h n eine leitende Stelle in der „antichristlichen Alliance Israelite" einräumten, mussten in der nächsten Zeitungsspalte das Wort „Erzbisehof Kohn" abdrucken. Zadok Kahn und Erzbischof Kohn, welch' verfänglicher Gleichklang! Und dass dies gerade in einem Zeitalter passieren musste, dessen Aufmerksamkeit durch Diskussionen über Rasseprobleme und Kationalismus in besonderem Masse angeregt ist, auf verwandtschaftliche Zusammenhänge und Blutsgleichheit mit verschärftem Blicke hinzuschauen! Sodass man geneigt wäre, einen seltsamen Kreislauf zu sehen, den der Krummstab des geistlichen Oberhirten da vollenden musste: von den Urbischöfen, den Aposteln, die aus jüdischem Stamme kamen, wieder zurück in einer langen Kunde zu Einem, der jüdischen Blutes ist. Dazu kommt, dass dieser hohe Priester den j üdischen Priesternamen führt. Wenn er doch wenigstens Weinreb oder Pollak hiesse! Kein, es traf sich, dass er aus der jüdischen Priesterkaste stammen musste, aus der Familie Aarons — der Erzbischof, der Fleisch vom Fleische der Kohanim ist. So ist er eigentlich bei dem Berufe seiner Väter geblieben, seine Hände sind durch uralten Brauch dazu bestimmt, segnend über einer betenden Menge zu weilen. Und ,er könnte vielleicht einen Augenblick haben, einen Augenblick schaurigen Zwanges, wo die in innerste Fasern einverleibte Macht Jahrtausendelanger Hebung urplötzlich wach wird und ihn wider sein Wissen und seinen Willen zwingt^ die Hände segnend in jener Fingerstellung auszustrecken, die ein altgeheiligtes jüdisches Eituale den Kohanim vorschreibt. Jetzt aber sehen wir ein Schauspiel, das die Geschichte noch niemajs erblickt hat: man heftet auf einen erzbischöflichen Ornat den gelben Fleck! Im Hauptblatt des Wiener Judenhasses lesen wir f olgen d e S ätze : „Nur wer die tief eingewurzelten Rasseeigenscliaften, die dem Judentum eigen sind, negiert, konnte schon damals anders urteilen und nicht voraussehen, dass Kohn ein Knicker sein werde aus ihm angestammtem Bedürfnisse, dass er kindischen Prunk entfalten werde wie jeder jüdische Parvenü und dass er ein Tyrann sein werde wie jeder Jude, dem der Zufall Macht über Nichtjuden gibt. Und weil alle diese Eigenheiten spezifisch jüdischer Natur waren, deshalb vertrug ihn die ihm anvertraute Gemeinde nicht. Sie konnte sich nicht daran gewöhnen, in dieser typisch jüdischen und deshalb durchaus fremden Erscheinung ihren obersten geistlichen Herrn zu sehen und darum bildet die Geschichte des Olmützer Fürstbischofs Kohn für die Kirche ein sehr lehrreiches Kapitel darüber, dass sie, die sich in erster Linie an das Gemüt ihrer Gläubigen wendet, sich am allerwenigsten über deren Empfindungen und natürliche Gefühle hinwegsetzen darf.-- Der Eall Kohn, in dem sich das Penetrante jüdischer Rasseneigentürnlichkeiten so augenfällig erwiesen ^at, dass jeder weitere Versuch, einen jüdischen Abkömmling in den Episkopat einzuführen, wohl als ausgeschlossen gelten kann etc.44 Es wäre» hier verlockend, zu untersuchen, ob Hang zur Geldanhäufung, Freude an Prunk und ins „Tyrannische" hineinspielcnde Maehtsucht wirklich „jüdische Ha sseneigen schatten" sind; und verlockender, ob diese Züge, falls sie sich tatsächlich im jüdischen Charakterbilde vorfinden, nicht vielleicht die Keime oder Abzweigungen recht wertvoller Eigenschaften sind — von einer Wiartc aus gesehen, auf die dem christlich-sozialen Leitartikler der täppische Plumpfuss nicht hinauf will. Doch wir bescheiden uns, lediglich nach der Klangfarbe hinzuhorchen, mit der sie das Wort „Kohn" aussprechen. Und da hören wir die übliche Gnssenhauerinclo-die, die man hinter jedem Kohn hersingt: „Ein Greuel ist uns Kohn — ohne Unterschied der Konfession! — Unerbittlich sind sie einem Kohn auf der Ferse, selbst wenn diese mit dem violettesten Strumpfe bekleidet ist, und auch wenn Kohn sich auf den fürsterzbisehöfliehen Stuhl hinaufflüchtet, ist er vor ihrem Hepp-Hepp nicht sicher. Den saerosanetesten Krummstab nehmen sie ihm krumm, und damit Israels alter Fluch der Unsesshaftigkeit sich arfeh an diesem Kohn erfülle, sind sie daran, ihn von Haus und Hof zu verjagen, wie den Kohn in Kumänien und Pussland. Nicht einmal ein Krummstab ist davor sicher, in den beliebten jüdischen Wanderstab umgeschnitzt zu werden, wenn ein Kohn.im Spiele ist. Armer Kohn! E r w i n Ii. Soziale Entwicklung und Zionismus. Von Lazar Felix Pinkus, Bern. In Nr. 52 der „Welt" befindet sich in dem mit gewohnter Meisterschaft geschriebenen Aufsatze unseres Franz Oppenbeimer (Die Ansiedlung eines Volkes) ein Satz, der ein interessantes Streiflicht auf seine Anschauungen über den Gang der sozialen Entwicklung in Beziehung zum Zionismus wirft. Da ich der Meinung bin, dass der betreffende Passus bei vielen Gesinnungsgenossen Widerspruch erregen wird, so mag es gestattet sein, einige prinzipielle Erörterungen an ihn zu knüpfen. Es heisst in Oppenheimers Aufsatz folgendermassen: „Wir haben also weder Volk noch Land, und trotzdem stellt sich uns die Aufgabe mit aller gebieterischen Kraft. Wir müssen versuchen, dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Warum müssen wir es versuchen? Weil diese armen Menschen nicht warten können, weil w i r nicht warten können, bis sie totgeschlagen, niedergemetzelt und in Schmutz und Kot, auch in sittlichem Sinne, völlig zugrunde gegangen sind; daher müssen wir alle Kraft daran setzen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen, das scheinbar Undurchführbare durchzuführen. Gewiss, wäre der Zustand dieser Enterbten, die nicht nur wie der russische -^W;«, 'f I^ii^^^jßg^^^^^^^^,^^^; .^^^K.'r.S.c^^SÄSBi.*.'aw^s^w^«!»^^