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Die Welt · 1904-01-15 · 3 (15.1.1904) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 lfbie & weit" Seite 7 haben, gegen den Sturmgesellen Fehde zu führen — es wird sie niemand hindern, den Kopf an einer Mauer zu zerschellen, als vielleicht ihr Verstand. J. Upfimny.. Assimilation und Taufe, (In der Auffassung christlicher Zeitgenossen.) Es ist eine alte Erscheinung im Judentume, hauptsächlich gezeitigt und gekräftigt durch die Assimilation, dass all jene Wahrheiten und Vorschläge, die von jüdischer Seite selbst kommen, in den jüdischen Kreisen spurlos und unbeachtet vorübergehen. Es mag von zionistischen Schriftstellern und Gelehrten unzähligemal auf das treffendste bewiesen werden, dass die Juden ein eigenes Volk mit scharfausgeprägter eigener Individualität bilden, es mag ferner den religiösen Juden auf das eindringlichste zugerufen werden, dass die konsequente Assimilation unabweisbar zum Taufbecken führe — ungehört verhallen alle diese Ausführungen, und weite jüdische Kreise meinen es mit ihrem Glauten vereinen zu können, Gegner des jüdischen Gedankens, des zionistischen Programmes zu sein. Andere naive Seelen giebt es noch immer, die da glauben, mit dem Msschen Taufwasser wirklich dem ewigen Juden abwaschen zu können und unverfälschte, waschechte Arier zu werden. Weist man jedoch auf die ganz entgegengesetzte, offen zur Schau getragene Meinung des Volkes, so wird das mit der Behauptung abgetan, das sei eine vorübergehende antisemitische Strömung, die uns Juden absolut nicht imponieren könne. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, die Meinungen jener Männer zu beachten, die alles eher als den Juden feindlich gesinnt sind und die die Assimilation von ihrem Standpunkte aus betrachten. Ks gibt nur eine Wahrheit und so darf es uns nicht wundern, wenn wir in solchen Betrachtungen stets nur das bestätigt finden, was im zionistisch-jüdischnationalen Lager immer und stets betont wird. Graf Nikolaus Zag, einer der angesehensten und gebildetsten Aristokraten Ungarns, veröffentlicht in der vorzüglichen Revue „Huszadik szäzad" (Das XX. Jahrhundert) eine Studie über „Die Juden in der Gesellschaft". Der Autor erwähnt die grosse Bedeutung, die das jüdische Element für d|fc Entwicklung Ungarns hat, die Tatsache, dass der Bau moderner Städte in Ungarn nur den Juden zu danken sei, bespricht die jüdische Wohltätigkeit, um hierauf zu dem interessantesten Teil der Abhandlung, zu den „Judentaufen4'* überzugehen. „Dem vornehmen und reichen Juden'1, heisst es da, „bleibt zu seinem weiteren Emporkommen nur ein Weg offen: den Glauben seiner Väter abzuleugnen und zur Taufe zu schreiten. Selbst um die Wissenschaft und das Gemeinwohl verdiente jüdische Männer sind nach jahrelangen Kämpfen gezwungen, einzusehen, dass ihr Glaube ein Hindernis in ihrer Karriere bildet. Es ist keine zufällige, sondern eine in vielen Fällen begründete Klage, welche die Juden manchmal erheben, dass noch nie jemand aus ihren Reihen zum wirklichen Geheimrate, zum Minister ernannt wurde. Bei der heutigen aufgeklärten Strömung ist es ein Fall von grösster Seltenheit, dass ein Jude aus wirklicher religiöser : Überzeugung zum Christentume übertritt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, etwa bei Frauen, die durch die Mystik der Messe und anderer kirchlicher Formen zum Uebertritt in die Katholische Kirche veranlasst werden, ist es hauptsächlich die Masse der Streber, die mit dem Religionswechsel materiellen und sozialen Nutzen erlangen will. Bezeichnenderweise wendeten sich die meisten der israelitischen Täuflinge in Ungarn zur Zeit des katholischen Deaksystemes dem Katholizismus, zur Zeit der protestantischen Ministerpräsidenten Tisza und fiänffy den protestantischen Bekenntnissen zu. Ein patriotischer und aufgeklärter Mensch kann sich über diese Judentaufen nicht freuen, denn die Bekehrungen entsprechen nicht der modernen Auffassung und dann muss man der Meinung entgegentreten, als ob die Taufe zur Assimilation notwendig wäre. Wir brauchen die grosse Masse des Judentums und nicht einzelne Proselyten und diese grosse Masse wird sicher abgeschreckt, wenn sie erfährt, dass sie sich nur durch Taufe assimilieren kann. Uebrigens sind die Uebergetretenen, einige wenige Geadelte etwa ausgenommen, durchaus nicht auf Rosen gebettet und, von der christlichen und jüdischen Gesellschaft gleich gemieden, schweben sie gleich der Leiche Mohammeds zwischen zwei Magneten, und erst die zweite oder dritte Generation findet wieder eine entsprechende Stellung in der Gesellschaft! ..." Der gräfliche Verfasser schildert nicht, wie er sich die Möglichkeit einer Assimilation vorstellt, nur die Unmöglichkeit der Lösung der Judenfrage durch eine allgemeine Taufe bekennt er und es ist bezeichnend, fast mit denselben Worten, wie es unser grosser Führer Dr. Max N o r d a u in seiner Schrift „Der Zionismus und seine Gegner" bereits vor Jahren tat. Graf Zag meint allerdings, dass eine Assimilation mit dem Beibehalten der jüdischen Religion denkbar sei, bestätigt also die stets wiederholte Behauptung der orthodoxen und offiziellen jüdischen Assimilanten. So oft dies auch von zionistischer Seite bestritten wurde, so gründlich, offen und wahr wurde es nie getan, als im Organe der ungarischen Protestanten „Magyar Szo" vom 9. Jänner 1904, wo anlässlich der Diskussion des Graf Z a gschen Artikels ein Herr K i s s Ferencz bewiesen hat, dass eine Assimilation ohne Taufe nicht möglich sei. „Es ist nicht wahr," meint unter anderem der Autor, „dass alle Juden nur aus dem Streben nach irdischen Gütern zum Christentume übertreten. Bei einigen mag ja das zutreffen, und das ist entschieden tadelnswert, die meisten aber treten über aus Ueberzeugung. Darunter darf man jedoch nicht verstehen, dass jemand nach langer Ueberiegung zur Einsicht gelange, das Christentum sei besser als das Judentum, denn das verlangt niemand von dem Neubekehrten, und würde ihn deswegen jeder nur auslachen. Uebrigens ist ja das bei der Gleichheit des Grundgedankens der monotheistischen Religionen undenkbar, und haben ja heute die Gebildeten sämtlicher Konfessionen ein ähnliches philosophisches System und deshalb kann es in diesem Sinne keine Bekehrung geben. Trotzdem lässt sich der Uebertritt der Juden zum Christentume leicht verstehen. Wenn auchnichtaus religiösem, so übertreten die Juden aus nationalem Gefühle zum Christentume. Denn als Jude kann er nie völlig Magyar werden, das ist eine feststehende Tatsache, so sehr sie auch abgeleugnet wird. Man sieht diese Tatsachen am besten bei der Erziehung der Schulkinder. Wenn der Kleine in der einen Stunde hört, dass „unsere Ahnen über die Karpathen nach Ungarn kamen", in der nächsten Stunde jedoch, „dass die Vorfahren unseres Volkes, unsere Ahnen, durch das rote Meer gezogen sind", so ist es begreiflich, dass er nachforscht, welches die eigentlichen Ahnen waren, dass er sich frägt, ob er ein Jude oder ein Magyar sei? Viele Juden haben es bereits eingesehen, dass die Assimilation nur dann möglich sei, wenn sie das Judentum verlassen und ihren Kindern christliche Erziehung angedeihen lassen." Der Verfasser meint noch, dass es für den Protestantismus nützlich sei, das jüdische Element aufzunehmen, dass hiedurch eine völlige Assimilation möglich sei. «Pflicht der christlichen Gesellschaft sei, den Uebertritt in jeder Weise zu fördern. Was bedeuten die Ausführungen, dass die Assimilation erst durch die Taufe erreicht werden kann, vom jüdischen Standpunkte aus? Das Endziel, der Zweck jeder Assimilation ist das Taufbecken und ausschliesslich für dasselbe arbeitet Jeder, der die Assimilation in irgendeiner Weise unterstützt. Doch stellen wir die beiden Meinungen nebeneinander: Die Taufe der Juden ist nutzlos und wjrd nie in Masse erfolgen, sagt der erste, ohne Taufe wird es jedoch nie eine Assimilation geben, sagt der andere. Und so hören wir aus über-

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