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Die Welt · 1904-01-15 · 3 (15.1.1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 lf&ie weit' Nr; 3 Aus der Bewegung. Der politische Zionismus ist ein Sturmgeselle. Immer stand und steht er noch in Wind und Wetter einer masslosen Feindseligkeit. Gesalbte Lügenpriester, rückständige Politiker, trüber Ehrgeiz nahmen sich Assimilantenblätter vor den Mund, und sie haben es nicht etwa durch Faulheit verschuldet, dass unsere Bewegung noch lebt. Lebt und mächtig emporwächst. Die Klügeren unter unseren Gegnern bestätigen das durch ihr Benehmen. Sie merken, dass aus dem Trümmerfeld nichtzionistischer jüdischer Politik die Juden in hellen Seharen zu uns abschwenken. Demgemäss versichern sich immer mehr jüdische Blätter, indem sie uns ihres Zionismus versichern. Und so manche Bileams, die uns vom Sattel ihres Liberalismus herab jahrelang fluchten, bedenken uns heute mit einem mehr oder minder kräftigen Segen. Sie folgen dabei nicht nur ihrer menschliehen, sondern auch ihrer politischen Klugheit. Denn wer anders als der Zionismus begegnet den drohenden Erscheinungen rings um das Judentum mit Aussicht auf Erfolg? Die Kultusgemeinden führen Buch über Leben und Sterben der Juden; Leben und Tod des Judentums erklären sie als ausserhalb ihres Wirkungskreises. Ihre Prediger treiben übersinnliche Deuteleien, bei denen die Juden und ihr Judentum schläfrig werden. Die Armenhilfsvereine anderseits schöpfen in ein Fass ohne Boden; vom Kaukasus bis zu den Sudeten wird das Elend durch sie nicht geringer, und: seine auswandernden Massen reizen im Westen Regierungen und Völker.zu den schwersten Massregeln. Die Deutlichkeit dieser Tatsachen verhilft unserer Agitation allerorts zu sprunghaft anschwellenden Erfolgen, die von überallher gemeldet werden. Diese Erfolge erhöhen den Wert des Beglaubigungsschreibens, wenn man so sagen darf, das der Zionismus in jedem zweiten Jahr der breiten Oeffentlichkeit übergibt. Ein Beglaubigungsschreiben, aus welchem klar ersichtlich ist, dass die zionistische Leitung der freigewählte Geschäftsträger und Anwalt von der Mehrzahl aller lebenden Juden ist. Gemeint ist damit der Bericht des Herrn Vizepräsidenten unseres Aktionskomitees> der auf jedem Kongress einen IJeberblick über diejenigen Juden bietet, welche die Erfüllung des Baseler Programms gemäss den Vorschriften unseres Organisationsstatuts anstreben. Nicht dazugefasst sind jene Massen unserer Brüder, die dem Zionismus nichts geben können als ihr Herz. Dessungeachtet erfüllen diese Berichte uns alle mit hochgemuter Zuversicht. Denn kein Grosstaat hat so viel Soldaten für. seine Kriege, als wir für unseren Frieden. Das Lied von der jüdischen Hoffnung ist in alle Sprachen übersetzt und Millionen Menschen geläufig. Der Wohnsitz eines grossen Teiles der organisierten Zionisten hat starke moralische Bedeutung. Denn noch immer legen seine Gegner den Zionismus gerne als Druck - empfindung durch den Judenhass aus, und sie hätscheln eine kindische Hoffnung auf baldiges Verschwinden von Ursache und Wirkung. Aber rings um die mittelalterliche Welt läuft ein Kranz glücklicherer Länder, wo Juden als Vollbürger mit ungestörtem Besitze leben. Hat der Zionismus dort etwa Halt gemacht? Die Zionisten der Vereinigten Staaten haben es zu zwei Föderationen gebracht, deren jede laut Kongressbeschluss mindestens 50. Vereine haben nruss. Selbst das Füllhorn der Ica hat seinen Schützlingen den Golus nicht stark genug vergolden können; an den Festtagen der argentinischen Iea-Kolonien wehen blau-weisse Fahnen und erklingt unsere Nationalhymne. Englisches Kolonialgebiet ist das Gebiet schöner Freiheit für die Juden. Das hat den Zionismus nicht gestört. Wir wollen die naturgemäss kleinen Organisationen weit draussen, wo es jetzt knistert, nur erwähnen. Aber die schwarzen Juden Indiens sind Mann für Mann solche Zionisten, wie unsere herrlichen Kaukasier, Australien und Egypten haben eine bemerkenswerte zionistische Organisation — und Südafrika: dieses Land ist schon lange unser hoher Stolz, wo unter vielen Tausenden der nichtzionistische Jude die Ausnahme von der allgemeinen Eegel bietet und die zionistische Zentrale Konsulatsreehte besitzt. Ein Seitenstüek dazu ist Kanada, über dessen Verhältnisse wir folgenden authentischen Bericht ans den letzten Tagen sprechen lassen: Die Zionisten von Kanada legten wieder ein Zeugnis von ihrer unerschütterlichen Treue zum Zionismus ab. Anlässlich des Ostafrikaplanes und der damit verbundenen Fragen veranstalteten die Zionisten von Montreal eine Massenversammlung, die riesig besucht war. Die Wichtigkeit der Frage, der Eifer der Zionisten lenkte die Aufmerksamkeit nicht nur der Juden Montreals, sondern auch der christlichen Bevölkerung auf sich. Die Versammlung leitete der Obmann der zionistischen Federation Kanadas, Mr. Clarence de Sola mit einer glänzenden Rede ein, wo er nach Aufzählung aller Gründe für und gegen Ostafrika zum Schluss kam, dass der Plan angenommen werden müsse und dass er keine Lossagung vom Zionismus sei. Hauptsächlich betonte er, dass eine wesentliche Bedingung jedes Erfolges die Loyalität und Treue gegenüber den Führern ist. Ausser dieser Rede wurden noch viele andere gehalten, darunter eine hebräische von Miss Miriam Bernstein, und in allen wurde auf die Notwendigkeit der Einheit und Solidarität hingewiesen. Alle Zeitungen in Montreal haben grosse und lobende Berichte über die Versammlung gebracht, so z. B. „The Montreal Witness", „The Montreal Star", „Montreal Herald" u. s. w. Unter den Zionisten herrscht ein reges Leben. Neue Mittel, neue Mitglieder strömen von Tag zu Tag zu. Die Zionisten beabsichtigen jetzt, ein eigenes Haus für zionistische Zwecke zu bauen, das der Sammelpunkt aller zionistischen Veranstaltungen und jüdisch-kulturellen Bestrebungen, also vcn Lesehallen, eines Gymnasiums für die zionistische Jugend, Turnvereine etc. sein soll. Es werden auch Vorträge über Zionismus, jüdische Sprache und Literatur und jüdische Geschichte veranstaltet werden. Ueberhaupt sind die Zionisten hier sehr tätig und tatenfroh. Auch diesseits der Meere gibt es eine Anzahl Länder, denen die Judenfrage in Gestalt der Judennot unbekannt ist. Und doch haben wir in den skandivanischen Ländern sowie in Dänemark tadellose tatkräftige Organisationen. Die fleissige Arbeit in diesen Ländern ist mitveranlasst durch die zionistische Rührigkeit im benachbarten Deutschland. Aus diesem Reich geben besonders günstige Berichte die Gewissheit^ class die reiehsdeutschen Gesinnungsgenossen beim nächsten Rechenschaftsbericht glänzend bestehen werden. Trotzdem es in keinem unserer alten Sitze an sehr guten Portschritten mangelt. Täglicher Zufluss verstärkt unsere Massen. Ueberall wird der Zionismus grösser an Umfang und tiefer in der Empfindung. Mit den Augen eines Zionisten gesehen, zeigt sich die Oberfläche des ganzen Erdballes von zionistischer Emsigkeit bewegt. Stolze Heimatssehnsucht meldet sieh ans den fernsten Winkeln. Der Schekel, den sie vom Amur, wie vom Amazonas und vom gelben Meere schickt, wird zum mächtigen Antrieb in der Seele derjenigen, welche dieses "Vertrauensvotum vom anderen Ende der Welt empfangen. Diese Botschaften aus der Ferne machen das Reich des Zionismus grenzenlos, dessen Bekenner vom Bogen des Polarlichtes bis zum Tafelberg und rings um die Erde sieh brüderlich eins wissen in Willen und Hoffnung auf das Glück des Judentums. . Achtunggebietend, mit klaren Zielen und vorgeschriebenen Wegen, mit Massen entschlossener Anhänger steht der Zionismus da. Und wenn wieder einmal E inige Lust

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