Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bl^ & hat eher, der kein Geld hat. Wir haben-Geld,, noch dazu fremdes, das muss doch so verwendet werdeai, dass wir auch daran Vergnügen: finden. XJnd gibtes ein grösseres Vergnügen, als denen, die uns nicht folgen wollen, zu zeigen, dass wir die Herren sind? . Sie arbeiten ernst und opferfreudig? Aber sie sollen das nicht! Wir haben diese Arbeit nicht angeordnet, also ist sie schlecht ünd .darum muss sie heimlich oder offen gestört werden» Und1^ man sieht/ ja, wie sehr wir im Eecht sind. Nicht nur, dass uns der geistliche Segen nicht fehlt — alles, was nicht mehr in Ordnung arbeiten will, kommt doch zu uns! Das beweist doch, dass wir richtig kalkulieren. Und was für prächtige Genossen geben diese neu Geworfenen!. Sie sind zu allem zu haben." Der fünfte dort uj*d der sechste — doch wozu aufzählen. Aus allen Winkeln werden die Schmollenden, dih Verschollenen, die aus der zionistischen Armee Entfernten hervorgeholt. Sie sollen den Kern einer neuen Truppe ^bilden. Bedingung ist, dass sie eine zionistische Fahne mit sich führen, sie möglichst oft "aufzeigen und beteuern, dass dies die echte Fahne sei. Und viel Spielleute müssen sie um sich haben, die Lärm machen, und auch Tribünenkünstler, die dem versammelten Volke predigen müssen, Bs ist ein lustiges Korps. Für dieses Korps wird jetzt eifrig geworben. Diesmal sucht man eine Anzahl Werbeoffiziere aus der zionistischen Armee zu gewinnen. Sind „gediente"- Leute, verstehen ihre Sache, haben auch gute Bekanntschaft überall. Sollen nun das Korps der Marodeure auf die Beine stellen helfen. Möglich, dass sie es tun. Dann haben wir nicht viel an ihnen verloren. Mit der anzuwerbenden Mannschaft aber wird es wohl nicht recht gehen, trotz des goldgleissenden neuen Feldzeichens. Der richtige Soldat nämlich, das scheinen die neuen Brüder ganz vergessen zu haben, wird nicht fahnenflüchtig, auch um die schönsten — Versprechungen nicht. W. Kundgebungen zur Charkower Konferenz. Seit dem Bekanntwerden der Charkower Beschlüsse laufen in der Redaktion der „Welt'4 ununterbrochen Kundgebungen gegen die Konferenz und für die Aufrechterhaltung unserer Organisation ein. Wir sind nicht in der Lage, diese Kundgebungen in vollem Wortlaute zu veröffentlichen, werden aber-das Wesentliche einer jeden anführen. Natürlich ist es uns nicht möglich, alle diese Proteste auf einmal zu publizieren. Die Vereinigung orthodoxer Zionisten „Misrachi" in Zürich richtet einen sehr scharfen, ausführlichen Protest gegen U s s i s c h k i n und gegen die Charkower Konferenz, deren Beschlüsse als Auflehnung gegen die Beschlüsse des Kongresses, gegen die Einheit unserer Organisation und als schnöder Undank gegen unseren Führer bezeichnet werden. Gleichzeitig wurde ein Zirkular an verschiedene russische Delegierte versendet, in welchem ihnen der Wortlaut des Protestes und seine Begründung mitgeteilt wurde und sie aufgefordert wurden, sich diesem Proteste anzuschliessen. Bisher wurde der Protest von folgenden Delegierten unterzeichnet: Rabbiner Dr. Fink, Rabb. H. Levy, L. Eisenmann, J. M. Salkind, Lehrer H. Schachnowitz, Ch. J. Eiss, J. Rom, M. Weiss, M. Winizki, Louis Kahn, P. M. Goldschmidt, J. J. Braun, M. Zobel, J. Guttglück, S.' Kornfein, Herrn. Hauser, Jak. Proper, Natan Spindel, M. W. Waldhorn, Herrn. Feinstein, B. Fischer (Trok), Oberkantor Drujan. Von russischen Vereinen und Delegierten liegen ferner unter anderen folgende Kundgebungen vor: „Die am 20. Dezember einberufenen Mitglieder des Zionistischen Zentralkomitees in Cherson erklären die Beschlüsse der Charkower Konferenz in Bezug auf das Ultimatum und die Zurückhaltung der Schekelgelder in Russland als Untergrabung der zionistischen Organisation. Sie erachten die von den dortigen Konferenzlern eingenommene Haltung als illoyal und gewalttätig. Diese Haltung gefährdet nicht nur die Organisation, Welt" Nr 3 ' sondern bedroht auch die Bewegung selbst. 0ie Mitglieder $es Chersoner Zentralkomitees drücken ihr besonderes Bedauern über die unserem Führer gegenüber von der 'Charkower Konferenz eingenommene Haltung aus. Den Charkower Beschlüssen wird die Anerkennung versagt und nur die Beschlüsse cjes VI. Kongresses werden als bindend betrachtet. Die willkürlich neu geschaffene Organisation ist mit allen gesetzlichen Mittelnzu bekämpfen. Die Resolution der Chersoner Zionisten ist dem Bevollmächtigten des Kreises und der „Welt'V zur Veröffentlichung mitzuteilen. Ebenso ist diese Resolution Dr. Herzl zum Beweise unerschütterlichen Vertrauens mitzuteilen. Vorsitzender J. Czertok, A. Goldstein, Dr. med. J. Arschawsky, Delegierter des VI. Kongresses lNeinsager),4>rakt. Arzt Schwarzmann, Delegierter des VI. Kongresses (Neinsager), ca.nd. jur. S. Nevelstein, M. Pines, Delegierter des VI. Kongresses (Neinsager), M. Bronfenbrener, M. Dunsky, V. Qefter, J. Beresansky, A. Weinstein. Delegierter Architekt E. Levy» Riga, schreibt in seinem Proteste, nachdem er sich der Aktion der Wiener Delegierten vollständig angeschlossen hat: „Diese dem Geiste der Demokratie widersprechende Handlung (der Charkower Herren) ist umsomehr zu rügen, als es gerade die Russen und darunter die schuldigen Rayonsvorsteher sind, die beim Köngress von demokratischen Prinzipien am meisten reden. Die Meinung der- Rayonsvorsteher ist durchaus nicht die Meinung der russischen Zionisten, welche von den ersteren als willenlose Masse behandelt und auch jetzt nicht befragt wurden" u. s. w. Aus Jeletz (Russland) schickt Dr. Max Goldberg im Namen der Zionisten von Jeletz einen Protest, der sich an die Adresse des Herrn Dr. Kohan-Bernstein richtet und auch Herrn Dr. Tschlenow nach Moskau übersendet wurde. Herrn Dr. Kohan-Bernstein werden folgende Fragen vorgelegt: „1. Sind die einzelnen Vereine verpflichtet, sich den Beschlüssen der Bevollmächtigten, welche diese auf ihrer Zusammenkunft gefasst haben, zu unterwerfen, wenn diese Zusammenkünfte stattgefunden, ohne dass vorher die einzelnen Vereine weder von der Zusammenkunft, noch von deren Programm in Kenntnis gesetzt wurden? II. Hatten die Bevollmächtigten überhaupt das Recht, solche wichtige Fragen zu lösen, Fragen, deren Entscheidung n u r auf die für die zionistische Allgemein-Organisation gesetzliche Art und Weise stattfinden kann und muss? III. Was veranlasste die Herren Bevollmächtigten zum Uebergang von dem Prinzip der Demokratie zur Oligarchie? IV. Haben nicht etwa die Herren Bevollmächtigten Veranlassung gegeben, dass ihnen nunmehr derselbe Vorwurf gemacht werden sollte, den sie selbst seinerzeit Dr. Herzl gegenüber gemacht haben?" Aus Wilna sendet Herr Estermann im Namen des Wilnaer Waad-Haagudos eine mit 13 gegen 2 Stimmen beschlossene Resolution: „Der Wilnaer Waad-Haagudos (so nennt sich die Vereinigung der Delegierten der Wilnaer zionistischen Vereine) protestiert gegen die russischen Aktionskomitee-Mitglieder, welche mit Beschlüssen hervorgetreten sind, die die zionistische Organisation untergraben. Sollten sie sich durch irgendwelche Umstände zur Beschwerdeführung gegen manche Uebertretungen von anderer Seite veranlasst fühlen, so könnten sie es auf korrektem parlamentarischem Wege durchführen." Aus Tomaszow senden die Delegierten des VI. Kongresses und des Ahavath Zion einen sehr scharfen Protest gegen die bekannten Beschlüsse und ein Vertrauensvotum für unseren Führer. Unterzeichnet ist die Kundgebung von Wilh. Landau, Adolf Dusbu (?), J. M. Steinmann und zwölf Komiteemitgliedern. Aus Kalwarya (Gouvernement Suwalki) schreibt die „Agudath B'nei Zion", dass sie die Beschlüsse als ein Attentat auf unsere Bewegung ansehe, geeignet, die Einmütigkeit zu