Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion und Administration: i mriEN , IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Preitag, Zuschriften sind: nicht an einzelne/ Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX , Türfeenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1j2\Z Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag Abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Rp7IIIlQnrßiQßa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: UGt-uyopi Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3,45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7 —, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr. 3. Wien, 15 Jänner 1904 — 27. Tebeth 5664, 8. Jahrgang. AN UNSERE P. T. LESER! Da mit Jahresschluss eine grosse Anzahl von Abonnements abgelaufen ist, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Unsere Hauptvertretung für Russland hat die Buchhandlung „HazeHra" in Warschau, Nalewki 24. Das Inhaltsverzeichnis des Jahrganges 1903 ist fertig gestellt und wird auf Wunsch kostenlos geliefert. Die Besteller von Einbanddecken (siehe Inseratenteil) erhalten das Inhaltsverzeichnis zusammen mit der Einbanddecke zugeschickt. Die Administration. Neue Brüder. In dem langen Winter ihres Missvergnügens haben die Gegner des Zionismus ungeduldig den glorreichen Sommer erwartet, der ihnen endlich goldene Frucht bringen sollte. Von Zeit zu Zeit konstatierten sie, dass ein neuer Schössling aus ihrem Erdreich spross, und ihre Hoffnung war gross. Es war aber gar kein neuer Schössling, sondern nur ein von uns ausgeschiedener. Von uns abgelegt, sei es> weil er schlechte Früchte trug, sei es, weil er kraft- und saftlos selber zur Erde sank und vom Winde verweht wurde. Seit dem letzten Kongresse aber meinen unsere Gegner Sonnenwärme zu spüren. Nach ihrem Gefühl ist es nämlich bei ihnen erst dann warm, wenn sie vermuten, dass es bei uns kalt werde, und erst dann hell, wenn sie meinen, dass es bei uns Abend werden wolle. So haben sie uns immer ihre Teilnahme gezeigt. Auf all unseren Wegen standen sie und betrachteten hoffnungsvoll die Hindernisse, die uns aufhalten sollten. Auf jedes machten sie uns in ihrer liebevollen Weise aufmerksam, schilderten uns genau seine Unüberwindliehkeit und waren sogar so liebenswürdig, selber für Hindernisse zu sorgen, wenn momentan keine da waren. Einem jeden von uns sahen sie ins Gesieht und spähten nach unseren .Geberden, ob man nicht einen Zug von Verdrossenheit bemerken könnte. Und wenn einer von uns einmal ein Wort der Ungeduld hören Hess, so waren sie so dienstbeflissen, dass sie es sogleich aller Welt weitersagten, und so bekümmert, dass der Schmerz über unsere Mühen sie hundertmal mehr hören Hess, als jemals gesagt wurde. War aber gar jemand, der vom Wege abschwenkte, so konnte er sieher sein, dass er von ihnen feierlich eingeholt wurde und überall als der zurückgekehrte reuige Sohn offene Arme fand. So hat sich die Schar, die unseren Zug umschwärmt, immer einen oder den anderen als Genossen geholt. Jeder Nachzügler fand bei ihnen wackere Freunde, die bestrebt waren, ihm den rechten Weg zu weisen. Es war nur merkwürdig, dass es nie die gerade Heerstrasse war, sondern immer irgend eine Abzweigung, die vielleicht anfangs parallel lief, dann aber sicher ganz anderswohin führte. „Es ist der kürzere Weg, der bessere Pfad," versicherten dann die ehrlichen Führer, wenn doch der eine oder der andere, der in ihre Hände gefallen war, stutzig wurde. „Und dann, wenn das Ziel auch ein anderes ist, die gute Gesellschaft, die wir haben, ist auch einer kleinen Abschwenkung wert." Und in der Tat! Wie viel alte Bekannte, die er längst verschwunden geglaubt hatte, konnte ein solcher Outsider finden! Der z. B. war jahrelang als Einsiedler berühmt. Mit philosophischer Dialektik hatte er nachgewiesen, dass er eine auf Irrwegen befindliche Masse verlassen habe. Aus seinem Winkel heraus hatte er Orakelsprüche verkündet, aus deren Dunkel nur seine eigene Persönlichkeit hell hervorstrahlte. So hatte er gewartet, bis seine Zeit komme. Und jetzt war er mit denen, die unseren Zug begleiten und nach Gefallenen suchen. Da, der andere. Ein würdiger Kämpe. - Er hatte längst herausgefunden, dass die Zionisten unpraktisch seien und war zu den Praktischen gegangen, wo es Vereine zu gründen, Stellen zu besetzen und andere praktischeDinge zu tun gab. Und der dritte! Ein sehr ehrenwerter Mann. Er hatte vergebens die Zionisten .zu überzeugen gesucht, dass von ihm die Heilslehre ausginge. So sollten die Verstockten denn ins Verderben rennen und ihn als Führer entbehren. Es war nicht seine Schuld. Er hatte alles versucht, sie vor einem solchen Unglück zu bewahren. Der vierte dort — das ist eine gewichtige Person. In. ihm sieht man den Scharfmacher einer kapitalskräftigen Gesellschaft. Das Geld hat sie zwar nicht selbst erworben, sondern hat es nur nach bestimmten Grundsätzen zu verwalten. Aber was wären das für sonderbare Normen, wenn man sie . nicht nach Belieben ändern könnte. „Es ist ein offenbares Unrecht, das zu tun/' sagt man von allen Seiten dem Manne und seinen Gefährten. „Lächerlich I Unrecht