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Die Welt · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Denn links um die Ecke rum sitzen sechs, Die stimmen vielleicht dagegen. " ' S; v'; <, ......; Und wenn die Hasser in blödem Sport : _ . -; Das Volk der Bibel beschimpf en, . . Dann werden zweifellos sofort Sechs Jnaeh die Nasen rümpfen. Dr<um schmück' dir die Locken mit Laub,^meim Kind,- Den Busen< mit duftenden Sträussen! •Sechs jüdische Volksvertreter sind .; Gewählt im Königreich Preussen." . , Von den Posener Freisinnigen geht es gleich hinüber "zu anderen Rommen Juden, und zwar nach Ostafrika, wo sicherem Vernehmen nach, unsere erste Expedition sehnsüchtig erwartet wird — nämlich von den Löwen. Die Misrachisteri, che schon dorten sind, haben wenig von diesen '-Tierchen zu 'leiden, denn — wie unser treuer Mbwapwa Jumbo mitteilt — geht es dortso friedlich und ruhig zu, wie in einem Eeformtempel am Samstag: „Man hat/- angefangen mit der Kolonisation^ von dem Land, und jöäfer" zeigte grossen Eifer für das Werk. Die Bauern haben'gesäet das Getreide und gehütet ihre Kinder, fünftausend lyrische Dichter haben gesessen Tag und Nacht und geschrieben ,poems', Handel und Wandel sind gekommen in dfe Blüte, und weil es hat gewesen zu viel Geld in Uganda,'/meinten einige Bürger, dass man muss herausgeben eine' hebräische ,ethymological Encyclopädie4' über alle Sprachen':der Erde und des Mondes. Chaskel, der Schreiber, sagt, däs: ist eine wichtige Sache für die ,KoltorjV. *) So unsere :Regierimg hat erlebt viel Freude. Wir haben nämlich ein theokratisches Regiment, was ich halte für sehr schön und lobenswert. An der Spitze stehen zwei Rabbonim, Eeb Schm&je Beinbrecher aus Wilna und Beb Awrohom Korfanfy aus Mainz." Die ersten Fürsten rOstafrikas haben aber Pech. Sie haben nämlich Christian;;Schmtil, den Berliner Reformprediger, bekanntlich in den See geworfen, statt ihn in natürlicher Weise sterben zu, lassen, indem sie ihm z. B. in Hornel einen Häringshandel einrichteten. Die treue Gemeinde Schumis schnaubt Rache. Sie borgt sich vom antisemitischen Ruderklub der Berliner Firma N. Israel ein Boot aus und schnaubt an den Rudern. Sie landet in Ostafrika und schnaubt Wut, weil' ihre Kriegserklärung <y,on den Misrachisten nicht angenommen wird. Denn letztere haben dieses Jahr keine Zeit zum' Kriegführen. LTm den Feind zu reizen, begehen die Reformer - einen Raub der IJabbinerinnen. Noch immer hat der Gegner keine Zeit, Als aber die Damen zurückgeschickt werden,!.'kommt es zu einer wütenden Schlacht. Die Reformer habenu Gewehre, die anderen eine Spritze,, die einen geben Feuery die anderen Wasser. Das Wasser löscht das Feuer immer? aus und sp geschieht dasselbe wie in der Wiener Kultusgemeinde, nämlich nichts, und der Schluss ist ein FrieT' densfest mit viel Begeisterung und Palmwein. Inzwischen verwüsten die Massai alle Aecker, und als die Köpfe wieder leer werden, sind's die Saatfelder auch. Alles ist ausser sich und ratlos. Nur Chaskel, der Schreiber, weiss eine Hilfe: „Gentlemen, was redet ihr da? Gedenkt, dass ein Volk zuerst hat nötig Bildung, Kunst und Wissenschaft; denn für ein Land sind erforderlich zwei Sachen, Freiheit und Brot; und es heisst ein alter Spruch: Bildung macht frei! und: die Kunst geht nach Brot. Mehr brauch ich, nicht zu sprechen ein Wort. Ich beantrage daher, zu gründen eine Universität für die Wissenschaft und eine Akademie für die Kunst auf dem Gipfel des Kenia. — Mit der Rede hat er alle übergezeugt." *) Unser verehrter Korrespondent meint offenbar: Kultur. rJ#bi£weit11 Tjj'v/ V; *%% Seite 13 Während die Berliner Reformgemeinde auf dem Knegspfade weilt, vertreibt sich ihr zurückgebliebener neuer Pfediger die Zeit mit Balancierkünsten. Nicht mit solcHien'^aSiif ' der Logik, wie er's gewohnt ist, sondern auf einem1 *wirMlcfe Unten ist ein Teich voll Taufwasser\;äbgebild und ein Zuschauer meint, der Mann o,ben werde noch hineinpurzeln. Lieber Zuschauer! das wäre nicht das erstemal und nicht das letztemal! -;- Viel neuartiger ist die musikalische Disharmonie, die jetzt die.deutschen Juden beschäftigt. Orgel oder nicht? ü Wir sind für die. Orgel in ~Reformtempeln. Denn wo Theater gespielt wird muss auch Musik sein. Der Schle- •i miel wirft aber eine neue Frage auf: Wer soll Organist sein? Juden oder Christen? Schlemiel findet folgenden Ausweg: „Als in der Pr.ovinzialhauptstadt D. die Orgel in der Synagoge eingeführt wurde, bewarb sich auch ein Jude um die Organistenstelle. Der Vorstand aber lehnte ihn mit grossem Bedauern ab; denn es würde das religiöse Gefühl der meisten Gemeindemitglieder verletzen, wenn ein Jude am Sabbat die Orgel spielte. „Nu schön," meinte der Bewerber, .^bei festem Engagement wäre ich nicht abgeneigt, mich taufen .zu lassen."" So lange hat sich der Schlemiel mit reformiertem und überorthodoxen - Rabbis befasst- bis er selber scheinheilig geworden ist. Und deswegen ist er gegen die Vivisektion, diese Vorschule des Ritualmordes, wie sie in den Wiener Spitälern von Juden geübt wird.' Er verteidigt mit . Knüppelversen, die nicht halb so holprig sind, wie die antisemitischen Argumente, die gequälten Tierchen; so ein Heuchler! Die Reformer viviseziert er sei ber. Aber er wird nicht lange leben. Wenn jemand" in einem Atem das „Hamburger Isr. Familienblatt", die „Allgemeine Ztg. d. Judentums" und den Oberrat der Badenser Juden angreift, so nennt man das einen Selbstmordversuch. '' Das Lesen der „Allgemeinen" soll die Schlafkrankheit in Ostafrika verursacht haben. Das „Familienblatt' soll'Dividende zahlen, weil so viele Abschreibungen darin stattfinden. End vor dem neuen Gebetbuch der Badenser wird gewarnt; es ist frisch gestrichen. Warte nur, Schlemiel, bis sich die Protesteibbiner wieder versammeln. Da wirst du genau so erschlagen wie seinerzeit der Zionismus. Ein Wort der Anerkennung verdienen auch die Mitarbeiter des Schlemiel. Es sind das die antizionist.isc.hen Redner bei' einer berühmt gewordenen Assimüanten-Versammlung in Posen. Der Schlemiel hat einen vStenographen hingeschickt und seinen Bericht vollinhaltlich gebracht. So bekam er ein paar glänzende Witze für seine Dezember-Nummer. —: Jetzt ist ungefähr. Chanuka und der hochaktuelle y\. Schlemiel lässt auch sein Licht leuchten. In Ostafrika ist# Regenzeit, wie es scheint.. Denn der Reclenuss geht in Strömen. Das Parlament tagt, wie M. Jumbo im schönsten Deutschberichtet. Die englischen Ausdrücke hat er sich so ziemlich abgewöhnt und spricht jetzt den reinen Wilnaer Dialekt. " Nach 'den Kämpfen mit den Berlinern hat sich das Land wieder erholt. Wir geben Jumbos Bericht der Parlament ssitzung: „Im letzten Slonat hat auch ,etablished' sich' der Parlament, wo ich bin a ,membel,<: vun dem konservativen Partei!" Der Präsident des Reichstags ist a gewisser Lord Rothschild, ein sehr a feiner Mann. Er hat eröffnet die ,session' mit ein Dank an die geehrten Kollegen und hat gesagt, er will leben nach'de Traditionen seines erlauchten Geschlechtes; denn er gehört zu einer Familie, sagt er, die ünermess-

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