Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 flbi$ W^lt Nr. 2 Wien. (G e s e 11 i g keits verein Jüdischer M ä d c h en „Mo ria".) Sonntag den 10 d. M. wird der Vertrag des Frl. Friedmann, über das Thema „Im jüdischen Frauenheim zu Tischnowitz" stattfinden. Beginn präzise. 3l/2 Uhr nachmittags im Kongress-Saale IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. (M ä d c h e n v er ei n »H adass au.) Ain3. Jännex Vortrag des Herrn Dr. Zweig: Ueber Judentaufen." Sehr guter Besuch. Anschliessende Diskussion. Sammlung für den Nationalfonds 4-80 K. Sonntag, den 17. kein Vortrag, sondern Besichtigung des Jüdischen Museums, Praterstrasse 23 unter Führung des Herrn Jellinek. Pünktliches Erscheinen wird erwartet. Das Museum wird um 3 Uhr geöffnet. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht der Mitglieder. Wien. (A 1 Ige mein er jüdischer Arbeiterverein, IL, Stef aniestrasseS.) Samstag, den 9. d.M., Vortrag Gesinnungsgenosse Sah Rubin st ein über „Entwicklung der Genossenschaften." Gäste willkommen. Wien. Der Mädchen-r, und Frauenverein „Bikur Chaulim" veranstaltet Sonntag den 10. Jänner im Schulzimmer der israelitischen Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 2, einen Vörtragsnachmittag, an welchem Herr Herr Dozent Dr. Josef Pollak über „Hygiene des Ohres" sprechen wird. Beginn 2/*4. Uhr. Gäste, Damen und Herren herzlichst willkommen. Berichte. Prag. Allgemeine Makkabäerfeier in Heines Grand- Hotel, N.-F. gesammelt. Riesiger Andrang im prachtvoll geschmückten Saale. Herr Dr. Leopold Kahn-Wien mit stürmischem Beifall empfangen. Begrüßungsrede vom Obmann des Volksvereines, Dr, Kohn (Beifall). Anzünden der Lichter Herr Rabbiner Dr. Deutsch. Poetischer Prolog, Herr Wertheiiner. Herr Dr. Leopold Kahn, Festrede, wiederholt von brausendem Applaus unterbrochen (Er gab ein grosses Geschichtsbild der jüdischen Vergangenheit und einen erschöpfenden Ausblick in eine nationale Zukunft. Redner wurde beglückwünscht urd musste hunderte Ansichtskarten zu Gunsten des N.-F. unterschreiben,) Volksverein viele Mitglieder gewonnen. Lebende Bilder (Arrangeur Herr Tau ssig vom deutschen Landestheater). Büffet Jüd. Frauenverein. Tanz. Dr. Kleefs Vortrag in der Krakauer B'nei-B'rith-Loge. Der Berliner „Jüdischen Rundschau" wird aus Krakau geschrieben: Wie in Ihrem geschätzten Blatte mit Recht hervorgehoben wird, mehren sich die Anzeichen dafür, dass in den Logen, des B'nei-B'rith-Ordens sich Interesse und Verständnis für die zionistische Bewegung zeigt. Von besonderem Wert ist das für uns in Galizien, wo in den Logen ein Teil der führenden Männer, der Gemeinde sitzt. Zwischen den besitzenden Schichten und der iii Amt und Würden, befindlichen Intelligenz einerseits und dem Volke andererseits1 ist leider vielfach eine Kluft entstanden. Das Volk fängt an, Selbstemanzipation zu treiben, auch im kleinsten Mann wird der Gedanke immer lebendiger, dass er sein Geschick und das - seines Volkes selbst .mitbestimmen darf und muss. Für die führenden Kreise ist das Volk aber noch immer Objekt, die alte bevormundete Wohltätigkeits.poiitik beginnt eben erst zur jüdischen Sozialpolitik sich zu entwickeln."' Ich denke u. a. an den Lemberger Kongress zur Bekämpfung des Mädchenhandels — -der Gedanke einer jüdischen Politik-, deren Träger das Volk selbst ist, ist noch zu neu. Es wäre eine hocherfreuliche Tatsache, wenn das wachsende. Verständnis für den Zionismus auf beiden Seiten ausgleichend und versöhnend wirken würde. Wir begrüsseii es deshalb, dass Herr Dr. K 1 e c bei seinem liiersein auch in unserer Krakauer Loge ..„Solidaritas" sprach und dass Vortrag und Diskussion nicht üi geschlossener Loge, sondern vor Herreu-und.Damen-.stattfand, so dass wir in. der Lage sind, über das Ergebnis zu berichten. Herr Dr. Klee sprach über dten-Werdegangder zionistischen Bewegung, ihren Stand nach dem diesjährigen Kongress und ihre Zukunftsaufgaben. Er betont nachdrücklich, dass die Brüder des Ordens, der ja, wie der .Zionismus, Juden ohne Unterschied der staatsbürgerlichen Zugehörigkeit und'.der.Stellung des Einzelnen zur Religion einen wolle im Dienste der Gesanitjudenheit," auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Orden ganz besonders die Pflicht hätten, der zionistischen Bewegung näherzutreten. Die äusserst rege Debatte, an der sich die Herren Dr. Adler, Dr. Hirsch, Dr. Steinfeld, unser. Freund Pelz, Dr. Prager, Dr. Gertler und der Logenpräsident Dr. Fischer beteiligten, war sehr interessant. Es wurden mannigfache Bedenken im einzelnen laut, allseitig wurde jedoch die hohe Bedeutung der zionistischen Bewegung anerkannt Von massgebendster Seite wurde betont, dass kein Jude, vor allem kein B'nei-B'rith eine Bewegung bekämpfen dürfe, die darauf ausgehe, Juden eine rechtlich-gesicherte Heimat zu schaffen, Der Präsident erklärte unter herzlichen Dankeswrorten an den Vortragenden, dass nach den Ereignissen des Kongresses die zionistische Frage auch für die Logen ihm so aktuell erscheine, dass er die Absicht habe, auf dem nächsten östereichischen Logentag über den Zionismus und namentiien auch über das Ostafrika-Projekt zu sprechen. Hoffentlich bringt uns die Aufrollung unserer zionistischen Frage in den österreichischen Logen, in denen sie, wenn wir recht berichtet sind, eigentlich noch nie eingehender behandelt worden ist, neue Freunde. Personalnachrtchten. Das Mitglied des grossen Aktionsr komites für Südafrika, Herr Mineningenieur Leopold Kessler hat sich mit Miss Cissie L o e b, der einzigen Tochter von Mr. und Mrs. Leon N. L o e b, Norfolk Square, London W., verlobt. — Freitag, den 26. Dezember v. J., wurden unsere Gesinnungsgenossen Frl. Sahra Muh lue und Herr Arnold Benjamin in Windau vermählt. AN UNSERE P. T. LESER! Da mit Jahresschluss eine grosse Anzahl von Abonnements abgelaufen ist, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Unsere Hauptvertretung für Russland hat die Buchhandlung „Hazefira" in Warschau, Nalewki 24. Das Inhaltsverzeichnis des Jahrganges 1903 ist fertig gestellt und wird auf Wunsch kostenlos geliefert. Die Besteller von Einbanddecken (siehe Inseratenteil) erhalten das Inhaltsverzeichnis zusammen mit der Einbanddecke zugeschickt. Die Administration. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) An die Ausschüsse unserer Organisationen! Unsere Bewegung ist gewachsen und wächst durch die Begeisterung ihrer Anhänger, und wir möchten auch ein Fünkclien davon nicht missen, Jeder reife Politiker aber weiss, dass die Begeisterung sehr nüchterne Früchte zeitigen muss, um Erfolge zu erringen. Es sind das die materiellen Mittel. Es sind ohnehin geringe Forderungen, die der Propaganda der Zionismen überlassen sind. Am leichtesten zu erfüllen sind die Forderungen des Nationalfonds, der von jedem nur ganz kleine Beträge verlangt. Dafür verlangt er aber, von jedem Zionisten als Lebensaufgabe behandelt zu werden, Das heisst, dass jede Möglichkeit zu seiner Förderung ausgenützt werden muss. Dreierlei ist zu tun: Selbst zahlen, sammeln und Sammler zu werben! Nicht so hohe Beträge als viele Beträge sollen die erforderlichen Summen bringen. Die Kardinalgelegenheit für Sammlungen sind die Veranstaltungen der Vereine, Man beachte einmal die Berichte jener Vereine, die die gute englische Politik durchgemacht haben, z. B. die in England und Südafrika. Jeder Bericht fängt an: „N.-F. K 20.—" etc. So muss jeder Vereinsbericht aussehen. Wir geben anschliessend einige Musterberichte. Wir hoffen, dass auch nicht ein einziger Verein seine Pflichten vernachlässigen wird. Eine notwendige und wichtige Person in jedem Verein ist der Kommissär des N.-F. Er versorgt die Marken, sieht auf deren Besitz bei jedem Vereinsmitglied und dirigiert die privaten und öffentlichen Sammlungen. Unsere Arbeit ist unser Sieg!