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Die Welt · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bis * Welt Nr. 2 Grunde Vernunft zu finden. Dankt man uns den Edelmut? Stärken wir nicht aus unseren Mitteln unsere eigenen Feinde? Hier zum Beweis den Fall, den wir erzählen wollen: Baron A. Rothschild spendete zum Andenken an seine verstorbene Frau mehrere Millionen für eine eigene Frauenabteilung des Wiener Elisabeth-Spitales. Es ist notorisch, dass dort kein jüdischer Arzt eine Stelle erhalten kann. Dagegen sind dort eine Menge ehemaliger, bekannt antisemitischer Studentenführer untergebracht, deren Judenhass berüchtigt war. Spricht das nicht Bände? Man kann behaupten, dass fast jeder Jude von unseren Magnaten Fälle erzählen kann, wo erklärte Antisemiten materiell besser fortkamen als es verdienten Juden gelang. Ein zionistischer Redner drückte sich darüber folgendermassen aus: Mancher Wiener jüdische Millionär gibt für christliche Kirchen so viel aus, als er durch seine Nordbahnaktien an jüdischen Auswanderern verdient. Wir haben den Fall und seine Beleuchtung nicht etwa gebracht, um gegen die reichen Juden wieder einmal aufzutreten, sondern um gegen die vielverbreitete Meinung einzuschreiten, dass es gute Juden sind, die heute die öffentliche^ Meinung machen. Und um jenen gesunden altjüdischen Verhältnissen wieder ein Stückchen Weges zu ebnen, die nicht dem reichen Juden Gefolgschaft brachten, sondern dem klugen und bewährten. —y. Werner Sombart und der Einfluss der Juden auf die deutsche Volkswirtschaft. Seit Jahrzehnten tobt in der OÖffentlichkeit der Streit darüber, ob wir Juden den Ländern unseres Aufenthaltes zum Segen oder Unsegen gereichen. Man hat uns als Schädlinge der Kultur, Blutsauger und Vernichter des wirtschaftlichen Lebens bezeichnet, und schliesslich fanden sich sogar im eigenen Lager Leute, die in das oberflächliche Gerede einstimmten. Wir haben da aber gelacht, oder uns geärgert, je nach dem Temperament. Wenn aber ein Mann von der wissenschaftlichen Bedeutung Werner Sombarts ein öffentliches Urteil über unseren Anteil am Wirtschaftsleben fällt, so hat er ein Anrecht, gehört zu werden. Seine Worte müssen umso mehr Nachdenken erwecken, als er zu dem selten gehörten Schluss kommt: „Dass wir Deutschen gerade im richtigen Veshältnis mit Juden durchsetzt sind, in solchem Verhältnis, wie es für den wirtschaftlichen Aufschwung am fördersamsten erscheint. Skandinavien, Italien, Spanien, Frankreich, ja selbst Grossbritanien sind hinter uns und den Vereinigten Staaten auch deshalb zurückgeblieben, weil sie zu wenig Juden haben." Und an den Anfang seiner Betrachtung setzt er sogar eine Variante der bekannten Worte V o Itaire s, indem er schreibt: „si le juif n'existait pas, il faudrait l'inventer"*). Es möge aber niemand glauben, dass dieser schmeichelhafte Endschluss sich aus einer liebanswürdigen Beurteilung unserer Eigenschaften und unseres Volkscharakters erzielt. Weit gefehlt. Herr Sombart sagt: „Die Zeichnung des Nationalcharakters, wie sie der eigene grosse Stammesgenonsse vornimmt (Marx), erscheint mir nicht völlig getreu, wenn er schreibt: „Welches ist der weltliche Kultus des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld." Aber ich denke doch, dass wesentliche Sorten des jüdischen Wesens, wenn auch stark stilisiert *) Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert, von Werner Sombart. Verlag von Georg B on d i, Berlin, 1903. in diesen Sätzen richtig bestimmt sind. Ich möchte in etwas anderer Fassung drei Sorten des jüdischen Nationalcharakters als besonders bedeutsam für die Rolle betrachten, die die Juden im modernen Wirtschaftsleben spielen: das Vorwalten des Willens, den Eigennutz und die Abstraktheit ihrer Geistesbeschaffenheit/ Herr Sombart begründet seine Ansicht durch den zähen Pleiss und die Entbehrungsfähigkeit in der Arbeit, die sich mit selbständiger „Geschäftsmoral" pare. Die Abstraktheit des Denkens beweist er mit angeblicher Vorliebe der Juden für das reine Geldwesen, in dem alle Qualitäten der Gebrauchsgüter ausgelöscht seien, während sie für Handwerk, Landwirtschaft und Industrie relativ interesselos sein sollen. Gerade durch diese Eigenschaften sei der Jude ein wertvoller Faktor in der kapitalistischen Entwicklung. Aus dem Wissenschaftlich-Vornehmen ins Gemein- Antisemitische würde das heissen: Die Juden sind gewissenlose Kapitalsbestien, die nur ihren Vorteil wahrnehmen. Es ist vorläufig für die Gesamtheit vorteilhaft, sie schalten und walten zu lassen, weil sie den Sauerteig io der selbstloseren, willensschwächeren germanischen Edelrasse darstellen. Werden sie zu zahlreich, so bilden sie eine mit allen Mitteln zu beseitigende Gefahr. So werden den auch Sombarts Worte wohl so ziemlich in antisemitischen Kreisen verstanden werden, obwohl er meint, die Volksbewegung solle sich nicht an die äussere Form (das Judentum) sondern an den Kern (den Kapitaiismus) halten. Sehr schön, nur wird man dem entgegenhalten, dass die Juden den Kapitalismus vorzugsweise verkörpern und man diesen deshalb in seinen Trägern fassen müsse. Sehen wir einmal ob Sombarts Worte berechtigt sind. Es soll zugegeben werden, dass der Jude im Erwerbaleben durchschnittlich „zähe* ist. Die Not des Lebens hat ihn jahrhundertelang gelehrt, seinen Willen auf den Erwerb zu richten. Er ist im allgemeigen arbeitsam und sucht es zu etwas zu bringen. Es ist dagegen kaum richtig, dass der Jude bis er etwas erreicht hat, einfacher in der Lebensführung ist, als der Christ. Man schaue nur einmal auf den rheinischen Mittelstand, dessen Spareifer berühmt ist und betrachte einmal die Lokale des kleinen Mittelstandes in unseren Grosstädten, da sitzen mindestens so viel Juden wie Christen. Wenn also der Arier nicht mit [uns standhält, so liegt das vielleicht ein wenig an unserer besseren Veranlagung aber es liegt noch an etwas ganz anderem: am Alkohol. Ganze Volkskreise in Deutschland werden durch das unsinnige Trinken, durch ihre Masslosigkeit physich und psychisch ruiniert, aufgehalten, im Willen gelähmt. Und gerade in jenen Volksschichten, die sich allmählich emporarbeiten sollten, wuchert unausrottbar die Trunksucht. Das Alkoholgift wirkt bekanntlich auf den Trinker selbst unmerklich drei und vier Tage nach. Bei einem Bierkonsum von 260 Liter pro Jahr und Kopf in Bayern wird man sich ungefähr selbst sagen können, weshalb der Jude bei der täglichen Berufsarbeit konzentrierter und zielbewusster vorgeht Der Jude verbraucht kaum weniger Geld als der Arier, aber er sorgt für eine gute Ernährung und auch das kommt ihm zu gute. Wo der Alkohol eine relativ geringe Rolle spielt, zum Beispiel in Italien, ist der Jude durchaus nicht der zähere Teil der Bevölkerung. Ueber die gewissenlose Geschäftsmoral der Juden und ihren Eigennutz ist endlos viel geschrieben worden. Die Kriminalistik bestätigt zwar Herrn Sombarts Ansicht nicht, aber es ist ein bekannter Gegengrund des Antisemiten zu sagen, dass wir geschickt in der Verhandlung auftreten und deshalb mehr Freisprüche erzielen.

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