Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „biS & W$lt Nr. 2 der Blenden lebend, euch dagegen wehrt, so sind wir durchaus nicht dazu da, um für unseren'guten Willen von euch angegriffen zu Averden. Out denn, nehmet, es auf eure Verantwortung, wenn wir das Angebot ablehnen!" Dazu hätte die Leitung gewiss einiges Recht gehabt. Wenn sie es nicht tat,--so war es neben der unbedingten Respektierung des Kongresses, der sich in seiner Majorität für eine Prüfung des Projektes ausgesprochen hatte, vor allem das Bewußtsein der Pflicht auch gegen die Tausendo armer Juden, die auf dein Kongresse nicht vertreten waren, trotzdem sie gute Zionisten sind, und. die aus ihrem Elend um Hilfe schreien. Wenn sieh für diese Annen eine Zufluchtsstätte fand, die ohne Preisgebung unseres Zieles, eventuell mit unserer Hilfe und unter unserer Kontrolle geschaffen werden konnte, dann musste das A.-C bis zürn Ende ausharren. Und das ist geschehen. Es ist uns Zionisten aber beschieden gewesen, zum Schlüsse noch ein seltsames Schauspiel zu eriehen, in Charkow wurde von Mitgliedern des A.-C. eine geheime Konferenz abgehalten, die sieh anmasste. der Leitung und damit uns anderen Zionisten besetze zu diktieren. Wir wollen auf den grossen, unausbleiblichen Schaden, den ein. solches Vorgehen unserer Bewegung bringen muss, nicht weiter hinweisen. Die Charkower Ken erenz. Das „Komitee zum Schutze der Organisation" veröffentlicht in Nr. 288 der „Hazefirah" das Resultat der Charkower Konferenz und deren Beschlüsse, die es einzeln zu widerlegen sucht. Die hauptsächlichsten Gegenstände der Konferenz waren folgende: I. Das Verhältnis zu „Wien" und besonders zu Dr, HerzL Auf Grund des Referates eines Mitgliedes, das eigens nach Wien gereist ist, und gestützt auf Informationen anderer Mitglieder erklären die Rayonsvorsteher, dass sie das Recht haben, in dem Uganda-Projekte einen Widerspruch zum Baseler Programme zu sehen, und die Arbeit Dr. Herzls als Präsidenten des A.-C. als Ueberschreitung des kollegialen Prinzipes zu betrachten, ohne welches es den Rayonsvorstehern nicht möglich ist, für den Gang der zionistischen Bewegung die Verantwortung zu tragen. Deshalb glauben sie sich berechtigt, g e g e n den Ostafrika-Plan aktiv aufzutreten und Herzls automatischen Versuch zu bekämpfen. Es wurde beschlossen: 1. Ehestens eine Delegation an Dr. Herzl abzusenden. 2. Alle Mitglieder sind verpflichtet, sich vorläufig jeder öffentlichen gegnerischen Agitation zu enthalten, bis zur Rückkehr der Delegation. 3. Die Delegation besteht aus 3 Mitgliedern. 4. Zweck der Delegation ist, Herzl ein u n a b ander- 1 i c h e s Ultimatum im Namen der Rayonsvorsteher zu überreichen. Der Delegation werden diesbezügliche Instruktionen erteilt. II Betreffs des Ostafrika - Planes. 1. Dr. Herzl muss sich schriftlich verpflichten, dass er als Führer der Zionisten niemals, weder im Leben noch auf den Kongressen, irgend einen territorialen Plan ausserhalb Palästinas und Syriens aufnehmen wird. 2. Dr. Herzl muss sich schriftlich verpflichten, das Ostafrika-Projekt von den Zionisten-Kongressen gänzlich zu entfernen. 3. Dr. Herzl muss sich schriftlich verpflichten, das Ostafrika-Projekt nicht später als auf dem VII., Kongress rückgängig zu machen. 4. Dr. Herzl muss sich schriftlich verpflichten, ^ine Versammlung des Grossen A.-C. einzuberufen vor Absendung der Expedition. 5. Dr. Herzl muss sich schriftlich verpflichten, die Expedition nicht eher zu entsenden, bevor die auf dem III. Kongresse vorgeschlagene Aenderung des Bankstarutes erfolgt ist. 6. Dr. Herzl verpflichtet sich schriftlich, in Uebereinstimmung mit dem Baseler Programm und im Rahmen der Beschlüsse des II. Kongresses, das nächste und dringlichste Arbeitsprogramm der Bewegung, die p r a k t i - sehe Kolonisation, aufzunehmen. Diese praktische Arbeit besteht in a) Badenkauf in Palästina und Syrien I. aus den Mitteln des Nationalfonds, II. des Vereines „Geulah", III. der Kolonisationsgesellschaften, IV. der anglo-palästinensischen Bank als beweglichen Kapitales. b) Auf dem gekauften Boden Kolonien zu errichten für die Juden, die in Palästina und der übrigen Türkei wohnen, besonders für Arbeiter I. aus den Mitteln der Odessaer Gesellschaft, II. der anderen Gesellschaften etc. 7. Die Art der Verhandlung mit Dr. Herzl wird der Delegation anheimgestellt, sei es in Bezug auf die Frist des Ultimatums, sei es betreffs der zu ergreifenden Massregeln für den Fall, dass Dr. Herzl ablehnen sollte. 9. Im Falle einer Ablehnung seitens Dr. Herzls hat die Delegation eine zweite Versammlung der Rayonsvorsteher nach Wien, Minsk oder Petersburg einzuberufen, um über die Massregeln zu beraten. 10. Zu diesen Massregeln gehören: a) Keine Geldmittel mehr nach Wien zu senden; b) öffentliches Auftreten aller Vorsteher; c) Versendung eigener Broschüren und Flugschriften; d) Persönliche Agitation der Delegationsmitglieder durch Reisen, sowie Verwendung anderer Agitatoren in allen Zentren der Bewegung in Europa und Amerika zum Zwecke der Organisierung einer Opposition gegen das System Dr. Herzls; f) Vereinigung aller oppositionellen Kräfte aller Länder; g) Einberufung einer Versammlung aller ,,Nein"sager des Westens vor dem VII. Kongresse; h) Einleitung einer unabhängigen zionistischen Organisation ohne Dr. Herzl; i) Anstreben, seitens der englischen Regierung die öffentliche und juridische Anerkennung dieser zionistischen Organisation — nicht bloss der Majorität von. Uganda-Freunden — auf Grund unserer Geldinstitute, der Bank und des Nationalfonds .. . HL, Betreffs der Lokalorganisation, Auf Grund eines Referates seitens des provisorischen Bureaus und einer längeren Debatte wurde beschlossen: Gründung eines ständigen Landeskomitees von 4 Mitgliedern. Diesem steht das h e s o n dere Recht (unterstrichen) zu, offiziell im Namen der Vorsteher zu verkehren mit Wien, London und allen anderen Institutionen und Körperschaften. (Umgekehrt können auch diese nur mit dem Landeskomitee verkehren.) In das Landeskomitee wurden die Herren Ussischkin, Bern stein- Conan, Jakobson und Temkin gewählt. Das finanzielle Zentrum wird nach einem anderen Orte verlegt und einem anderen Rayonsvorsteher übertragen. Der Beschluss betreffs Entsendung der Delegation ist geheimzuhalten und das Resultat der Beratungen soll nicht nach Wien mitgeteilt werden. IV. Die Geldmittel. Nach Beendigung der Verhandlungen mit Dr. Herzl kann Wien durch das Landeskomitee um Geldmittel ansuchen. Wenn das L.-K. es für ratsam hält, Geld nach Wien zu schicken, erteilt es diesbezüglich Ordre an das. Finanzzentrum. Sollte jedoch das L.-K. im Zweifel darüber sein, ob die Geldforderung zeitgemäss und berechtigt sei — so hat dasselbe auf dem Wege eines Kurrendums die Rayons Vorsteher zu befragen. Zur Bestreitung der Kosten des Landeskomitees sind 5000 Rubel bestimmt worden.