Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion und Administration: WIEN IX , Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. <r Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1l2\2 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteii wird Dienstag iber,ds geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. RpTllflQnrpicD' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, haH>jänrig Kr. 6.—, vierteljahrig Kr. 3.— . Für das Ausland: DO£IIIJO|JI CIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Ni\ 2. Wien, 8. Jänner 1904 — 20. Tebeth 5664, 8. Jahrgang. Ein Briefwechsel/) Am 18. September des Vorjahres, also ganz kurze Zeit nach dem VI. Zionistenkongressc in Basel, war es, dass unser Führer an den A7erwaltungsrat der Ica schrieb: „Wir haben auf unserem W e g e n a c Ii P a 1 ä s t i n a , d e n w i r u n v e r b r ü c h 1 i c h u n d m i t a 11 e r E n e r g i e w e i t e r verfolgen, ein Z w i s c h e nrcsul t a t erzielt. Die britische Regierung hat uns (vergl. den Brief des Sir Clement Hill vom. 14. August d. J. — nämlich 1903 — ) eine autonome Kolonie in Ostafrika angeboten." An einer anderen Stelle desselben Schreibens wird mit Berufung auf die Eröffnungsrede des VI. Kongresses betont: „Zion ist es nicht und kann es nie werden." Und über die Judenkolonisation, wie sie von der Ica einerseits und den Zionisten anderseits angestrebt wird, heisst es dort: „Sie (die Ica-Leute) sagen, freilich „irgendwo", während meine Freunde und ich „Palästina" sagen." Das war keine für die Oeffentlichkeit berechnete Kundgebung, sondern, ein vertraulicher Brief, der nur für die Herren von der Ica geschrieben war, in dem Augenblicke, als man an sie mit einer Sache herantrat, die für sie ebenso wie für die Zionisten und mehr noch als für die Zionisten hätte wichtig sein sollen. In dem Augenblicke, in dem die Ica auf das Angebot der englischen Regierung von der zionistischen Leitung aufmerksam gemacht wurde, sind nochmals mit aller Klarheit und Festigkeit die Grundprinzipien des Zionismus betont, ist dieser Körperschaft, um alle Missverständnisse von vornherein unmöglich zu machen, ausdrücklich nochmals gesagt worden: „Wenn wir auch auf unserem Wege nach Zion ein Anerbieten erhalten haben, das vielleicht Tausenden, die nicht mehr warten können, eine Zufluchtsstätte verheisst, so können wir an dieser Arbeit mit euch zusammen, die ihr ja statutengemäss die Kolonisation solcher Juden durchzuführen habet, nur dann teilnehmen, wenn dadurch keinerlei Ablenkung von unserem Wege nach Palästina bedingt wird. Wir denken nicht daran, ein Ziel aufzugeben, das wir nach unserer innersten Ueberzeugung erreichen müssen und erreichen werden. Das, was uns die Grossmut des englischen Volkes und seiner Regierung anbietet, ist sicherlich als Erfolg unserer Bewegung erfreulich; denn uns, und nicht *) Siehe „Die Welt« Nr. 1, 1904. euch oder sonst einer kapitalskräftigen Person ist das Anerbieten gemacht worden; dieses Faktum wird keinerlei Verdrehung wegeskamotieren können. Aber selbst dieser Erfolg und noch grössere Fortschritte, die nicht ausbleiben können, wenn unser Volk ernstlich und ehrlich will, werden uns nie dazu bringen, unser Ziel aus dem Auge zu. lassen; denn solche Länder mögen wohl als Zufluchtsstätten erwünscht und notwendig sein, aber Zion sind sie nicht und können sie nie werden." Freilich, auch, die zionistische Oeffentlichkeit hat diese Erklärungen mit den gleichen und anderen Worten schon <uif dem Kongresse vernehmen können. Sie hat sich aber doch in weiten Kreisen beunruhigt gefühlt. Die Politiker der Ica haben diesmal rascher und besser als viele Zionisten verstanden, dass auch in dieser Sache die Prinzipien des Zionismus gewahrt worden sind. Und sie haben in richtiger Erkenntnis dieser Tatsache als die einzige Bedingung von Wichtigkeit nur verlangt, dass die Besiedlung Ost- O o 7 O afrikas als reines Kolonisationswerk und nicht als politische Unternehmung betrieben werden solle. Wäre es der zionistischen Leitung wirklich nur auf einen Augenblickserfolg, gleichviel welchen, angekommen, wie man so gerne im feindlichen Lager behauptet, so hätte sie ruhig auf diese Bedingung eingehen können. Das hat aber unser Führer abgelehnt. Den politischen Charakter unserer Bewegung wollte er trotz des lockenden Erfolges nicht preisgebenb nicht einmal in einem unverbindlichen Briefwechsel. Unserer Leitung handelt es sich eben um die von uns Zionisten angestrebte Erlösung des Volkes und nicht um einen Humanitätsakt, der einem kleineren oder grösseren Kreise vielleicht aufzuhelfen vermag, für das grosse Volksganze aber keinerlei merkliche Hilfe bringen kann. Darum ist auch in dem Briefe an die Ica unser Wieg nach Zion wieder gezeigt, ja absichtlich hervorgehoben worden, damit man wieder ersehen könne, dass die Leitung nach wie vor auf dem Boden des Baseler Programmes stehe. Die Arbeit unserer Leitung wurde dadurch noch erschwert, dass eine leidenschaftliche Agitation gegen den Ostafrika-Plan einsetzte. Unsere Leitung hätte ja den Erregten ruhig erklären können: „Nicht für uns, für die ärmsten der Brüder, die sich in alle Welt zerstreuen müssen, weil sie im Lande ihrer Not nicht mehr leben können, haben wir uns gefreut, als wir das Anerbieten Englands erhielten. Wenn ihr seihst, mitten, in dieser Masse