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Die Welt · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „bi* & Weit11 Nr. 1 Der dritte Revisionsgrund ist die f ä 1 s c h 1 i c h e V o rdatierung eines Beweisstückes, um Dreyfus in Rennes zu belasten. Es handelt sich um die Aufzeichnungen der Vorlesungen in der Kriegsschule, welche als wertvolles Material der fremden Botschaft ein Jahr, nachdemDreyfus bereits verurteilt war, geliefert wurden. Um die Militärrichter von der Schuld des Kapitäns Dreyfus zu überzeugen, hat man diese Aufzeichnungen Dreyfus zugeschrieben und dieselben u m ein Jahr zurückdatiert. Damit sind die Revisionsgründe nicht erschöpft. In der Aussage Gribelins, des reuigen Archivars, spielt die gefälschte Depesche des italienischen Militärattaches Panizzardi eine Rolle. Diese Depesche wurde durch Fälschung in ihr Gegenteil verändert. Ferner ist festgestellt, dass der ehemalige spanische Militärattache V a 1 C a r 1 o s, auf welchen sich Oberst Henry vor dem ersten Kriegsgericht berufen, und dessen Zeugenschaft er mit besonderer Feierlichkeit betont hatte, einen monatlichen Gehalt von dem Generalstabsbureau aus dem geheimen Fonds erhielt. V a 1 Carlos war direkt als Zeuge nicht vernommen worden, wenn auch in Rennes viel von ihm die Rede gewesen ist. Paris, 24. Dezember. Bis zu später Abendstunde setzte die Kommission, welche über die Revision des Dreyfus-Prozesses zu entscheiden hat, die Besprechung der einzelnen, im Berichte M e r c i e r s hervorgehobenen Revisionsgründe fort. Die Beratung der Kommission verlängerte sich dadurch, dass Hauptmann T a r g e, welchem die Prüfung des Dossiers Dreyfus im Kriegsministerium im Auftrag des Generals Andre oblag, von der Kommission berufen wurde, die Dokumente persönlich zu erläutern. Da Hauptmann Targe die Resultate seiner Untersuchung genau darlegte und sich über die gefälschten, veränderten und unterschobenen Aktenstücke sehr ausführlich aussprach, um ihre Bedeutung für die einzuleitende Revision zu kennzeichnen, nahm sein Expose mehrere Stunden in Anspruch. An die Ausführungen Targes knüpft sich eine Debatte, in welcher sich alle Mitglieder der Kommission, mit Ausnahme des Rates am Kassationshof Durand, welcher den Vorsitz führte, zu Gunsten der Einleitung des Revisionsverfahrens aussprachen, indem sie .betonten, dass nach dem vorgelegten Aktenmaterial die Annullierung desUrteiles desKriegsgerichtes von Rennes und die Wiederaufnahm e des Strafverfahrens juristisch begründet sei. Paris, 24. Dezember. Die Revisionskommission entschied zu Gunsten der Revision des Prozesses Dreyfus und empfiehlt dieselbe dem Justizminister. Die Einleitung des Revisionsverfahrens vor dem Kassationshofe wird in der nächsten Woche angeordnet werden. Paris, 28. Dezember. Wie bereits gemeldet, befinden sich in dem Akt Dreyfus falsche Dokumente, insbesondere solche, welche durch Vordatierung auf Dreyfus bezogen sind. Den Richtern von Rennes wurde ein Telegramm in die Hände gespielt, in welchem der Beweis dafür enthalten war, dass Dreyfus ausser den im Borderau verzeichneten Aktenstücken auch andere wichtige Staatsgeheimnisse an den fremden Militärattache, besonders solche ausgeliefert hätte, welche sich auf den Transport der Truppen auf den Eisenbahnen im Falle der Mobilisierung bezogen. Ein solches durch Vördatierung gefälschtes Telegramm ist ein Telegramm des deutschen Militärattaches Schwartzk oppen an den italienischen Militärattache P a n i z z a r d i. In dieser Depesche zeigte Schwartz- .koppen seinem italienischen Kollegen an, dass er hoffe, von dem Agenten, welcher ihn mit Nachrichten versorgte, baldigst interessante Informationen in Bezug auf den Transport der Truppen "mit der Eisenbahn zu erhalten. Das Datum dieses Telegramms hatte einganz besonderes Interesse und wurde von Oberst Henry und seinen Vorgesetzten auf März 1894 angesetzt. Die Anklage behauptete, dass Dreyfus in dieser Zeit im Generalstabe alle Nachrichten in Bezug auf die Eisenbahntransporte der Truppen gesammelt habe. Mit dem falschen Datum bildete das Telegramm Schwartzkoppens in Rennes einen entscheidend belastenden Beweis gegen Dreyfus. In der Untersuchung im Kriegsministerium hat es sich jetzt herausgestellt, dass das wirkliche Datum, unter welchem dieses Telegramm geschrieben wurde, und der Zeitpunkt, an welchem'es saisiert in Henrys Hände gelangte, in den Monat April 1895 fällt, also in eine Zeit, da Dreyfus bereits verurteilt war und im Kerker sass. Der absolute Beweis für diese Fälschung befindet sich in den Akten. Y. Reise durch Rumänien. Geschichtsphilosophisch würde man wohl diese eigentümliche Vorliebe der Juden für den abhängigen, gewissermassen p arasitären Zustand aus dem lang andauernden Abhängigkeitsverhältnis von Israel erMären. Es ist übrigens höchst bemerkenswert, dass die Juden nicht erst auf das Exil (noch weniger auf die sogenannte Zerstreuung) warteten, um ihre Vorliebe für dieses Leben zu betätigen .... Man lasse uns doch endlich einmal in Ruhe mit dem Ammenmärchen, die Juden seien „von Natur" Ackerbauer und nur im Laufe des Mittelalters, weil jede andere Beschäftigung ihnen abgeschnitten war, ä leur coeur defendant Geld Verleiher geworden; man lese doch die Propheten etwas fleissiger, die immer über den Geldwucher klagen...... (H. St. Chamberlain : Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts I. Bd. S. 430). III. Das ist eine sehr verbreitete Meinung, diese oben wiedergegebene. Herr Chamberlain macht ja gewöhnlich nichts anderes als dass er alte, festwurzelnde Anschauungen, neu geschmückt, „wissenschaftlich" verkleidet und oft un petit peu verschärft, von neuem in die neualte Welt sendet. Die Geschichte und vieles andere sollen das beweisen, meint Herr H. St. Chamberlain und was beweist die Geschichte nicht — wenn man sie selbst schön zurechtstutzt und seinen Bedürfnissen anpasst? Herr Chamberlain kennt Rumänien, er kennt es so gut, dass er sich erlaubt, den Rumänen in der Judenfrage Ratschläge zu erteilen. (Siehe Nova Revista Romana). Er, der in seinen wissenschaftlichen „Grundlagen" nicht müde wird, immer zu wiederholen, dass man seine Aeusserungen nicht absolut nehmen soll — aber, wie soll man den oben zitierten Satz nicht absolut nehmen? — tritt an einen fremden Staat mit aller Dezidiertheit gegen die Gleichberechtigung des „parasitären" Volkes der Juden heran. Nun sind in Rumänien die Juden diejenigen, die Industrie und Handel in Rumänien geschaffen und erhalten haben. Sie bildeten noch vor ganz kurzer [Zeit die überwiegende Majorität der Handwerker und sind heute noch, trotz aller chikanierenden und bedrängenden Massregeln, den rumänischen Handwerkern an Zahl und Kunstfertigkeit überlegen. Rumänien liegt in allernächster Nähe Oesterreichs und die rumänische Geschichte ist nicht in Keilschrift geschrieben; warum weiss also Herr Chamberlain nichts von der Geschichte Rumäniens? Wir wollen uns die „Parasiten" in Rumänien näher anschauen. Nicht zur Belehrung des Philosophen Chamberlain, denn er weiss alles, alles besser und lässt sich überhaupt nicht von Juden belehren —- eine Art intelektuelle Satisfaktionsverweigerung—; sondern für viele unserer Stammesgenossen und sonstiger einfacher Sterblichen. Es ist im völkerpsychologischen Sinne interessant, die Ansteckung der sogenannten besseren Juden, (die reichen Juden) die angenehm leben und sich die Verfolgung der anderen armen Juden, als durch deren Charakterdefekte etc. berechtigt erklären, mit der antisemitischen Denkungsart zu betrachten. Nur allzu Menschliches treibt den armen dummen

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