Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr/!' „&k & weit" Seite 5 teilnehmen wollen. Diese Vorarbeiten werden, wie immer die politische Entscheidung sieh gestalte, für eine Notstandshilfe im grossen Massstabe keinesfalls werllos sein. Die verschiedenen Fonds unserer Organisation dürfen zu den Kosten dieser Expedition nicht herangezogen werden, da es sich nicht um ein palästinensisches Gebiet handelt. Das Aktions-Komitee hat daher die Aufgabe, diese Kosten auf andere Weise aufzubringen. Unsere El-Arisch-Expediliori hat zirka 4000 (£ gekostet; da es sich hier um ein von der Zivilisation noch entfernteres Gebiet handelt und da unter Ausnutzung der beiden Trockenzeiten, wahrscheinlich zwei Expeditionen auszuschicken sein wrerden — zuerst eine vorwiegend wissenschaftliche, dann eine vorwiegend praktische -— so dürften sich die Kosten wesentlich höher stellen. Eine Societe d'Etudes zu begründen, wie man pflegt, wenn man geschäftliche Zwecke im Auge hat, halte ich bei dem vorgeschilderten Stande der Dinge nicht für angemessen. Andererseits hat es auch etwas Missliches, Spenden für ein Werk anzunehmen, das später durch seine Grösse einen geschäftlichen Charakter bekommen muss. Den Spendern, die unmittelbar nach dem Kongresse sich meldeten, werden wir zu gegebener Zeit entweder ihre Beiträge zurückerstatten, oder sie dem Nationalfonds widmen. Den Beitrag der Jewish- Colonization-Association, den ich etwa mit 8000 j£ prälirniniere, denke ich mir daher als eine Anzahlung auf das separate Konto der ostafrikani>chen Expedition bei der Jüdischen Kolonialbank in London. Sollte später zur Einr chtu ig einer Jüdischen Ostafrikanischen Company geschritten werden — zu deren Gründung dann auch die Jewish Golonization Association mit eingeladen werden wird, — so werden die Aufwendungen für die Expedition von der Company zurückgezahlt werden. Sollte es zu dieser Einrichtung nicht kommen, so hat die Jewish Colonization Association ihren Beitrag als verloren anzusehen, wird aber in den Ergebnissen der Expedition vermutlich eine genügende Entschädigung finden, weil für eine wohltätige Kolonisation durch die Zusicherung der englischen Regierung in jedem Falle eine grosse Basis geschaffen ist. Wenn die Jewish Colonization Association in der vorstehend skizzierten Weise zu den Kosten der Expedition beiträgt, werden Sie einen detaillierten Rechnun(usausvveis und die Expeditionsberichte erhalten. Ich sende diesen streng vertraulichen Brief in gleichlautender Abschrift allen Mitgliedern des Verwaltungsrates zu, um die Erledigung zu beschleunigen. Mit vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebener Ii e r z 1. II. Antwort des Herrn N. Leven, Präsidenten der I. C. A. (Uebersetzung aus dem Französischen.) Paris, den 25. September 1903. Mein Herr! Nach Lesung Ihres vertraulichen Briefes haben mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates der Jewish Golonization Association,, die in Paris vereint waren, es bei einer Besprechung für nützlich erachtet, die folgenden Bemerkungen zu formulieren, die als Grundlage für die Erörterung in der nächsten Sitzung am 1. November dienen sollen. Es wäre gut, wenn Sie bis dahin, sich über diesen Gegenstand mit der Direktion der I. C. A. in Verbindung setzen wollten. 1. Die L C. A. hält es für Ihre Pflicht, an der Untersuchung eines von der englischen Regierung gemachten grossmütigen Anerbietens teilzunehmen; aber sie macht schon jetzt ihre ausdrücklichsten Vorbehalte gegen die Möglichkeit, dass man ein Kolonisatienswerk in der angegebenen Gegend zum Gelingen bringen könnte; 2. Wir werden unsere Mithilfe zur Untersuchung von Uganda nur dann gewähren können, wenn das Projekt, dessen Vorläuferin diese Untersuchung sein soll, nichts als ein Kolonisationswerk im eigentlichen Sinne, vorstellt und keine politische Unternehmung. Es ist für uns uneriässlieh, in dieser Beziehung klipp und klar unterrichtet zu sein; 3. Wir verlangen, dass die Untersuchungs-Kommission gebildet werde aus sechs Mitgliedern, wovon drei durch die zionistische Gesellschaft und drei durch die I. C. A. ernannt werden. Sowohl die zionistische Gesellschaft wie die I. G. A, sind berechtigt, die von der anderen Seite vorgeschlagenen Mitglieder abzulehnen; 4. Die I. C. A. wird an den Kosten der Untersuchungs-Kommission nur zur Hälfte der für notwendig erachteten Summe beitragen können. Genehmigen Sie, mein Herr, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung N. Leven. Herrn Dr. Theodor H e r z 1, IX., Türkenstrasse 9, Wien. III. (Rückantwort an Herrn Leven.) Sehr geehrter Her r, Ihre Antwort vom 25. September auf mein Rundschreiben an die Herren vom Verwaltungsrate der I. C. A. kann ich zu meinem Bedauern nur als eine Ablehnung meines Vorschlages auffassen. In Punkt 2 machen Sie Ihre Mitwirkung davon abhängig, dass die Sache keinen politischen Charakter habe. Es ist seit. Jahren bekannt, dass unsere Bewegung einen politischen Charakter hat. Sie stellen also eine unmögliche Bedingung. Es ist in der Unternehmung, wenn wir sie schliesslich ausführen — darüber wird unser nächster Kongress entscheiden — allerdings auch eine grosse Notstandshilfe enthalten, eine vielmals grössere als alle bisherigen vereinigt.. Ich. eröffnete Ihnen die Gelegenheit, sich daran zu beteiligen, ohne Ihnen eine Bedingung aufzuerlegen, die mit Ihren bisherigen Grundsätzen im Widerspruch gewesen wäre. Sic wollen uns eine solche Bedingung auferlegen. Das heisst: Sie lehnen ab. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Th« Herzl. Wien, den 27. Oktober 1903. Dieser Briefwechsel sagt über die J.-C.-A. mehr als ein weitläufig angelegtes, mit Detaildaten versehenes Buch» Es ist zweifellos, übrigens von der J.-C.-A. im Briefe ihres Präsidenten auch zugegeben, dass es Pflicht der J.-C.-A. gewesen wäre, sich an einem so grossen, für Juden bestimmten kolonisatorischen Unternehmen zu beteiligen. Um ihr Uebelwollen, ihren Widerstand gegen alles, was eine Zerstreuung und zur Ohnmacht führende Zersplitterung der Juden zu verhindern im stände wäre, bemänteln zu können, zog sich die J.-C.-A. auf einen Standpunkt zurück, der, wie sie sehr gut wusste, für die Leitung der zionistischen Bewegung unter keinen Umständen akzeptabel war. Dieses Vorgehen der J.-C.-A. das der schlimmsten politischen Heuchelei nicht entbehrt, soll hier einfach