Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bis & weit11 Nr.,1 Wange leicht verbrannt worden sei. Den weiteren Verlauf kennen Sie ja," schloss Dr. Nordau seine Aussage. Nun werden auch die anderen Zeugen, die dem Ballfeste beigewohnt haben, vor allem Dr. AlexanderMarmorek als Tatzeugen einvernommen werden. Eine Erklärung Di\ Max Nordaus. Hochgeehrter Herr Redakteur, Gestatten Sie mir, an dieser Stelle folgende Erklärung abzugeben: In den letzten acht Tagen sind in Pariser Blättern Dutzende von Interviews mit mir veröffentlicht worden, die wörtlich oder auszugsweise auch in Hunderten von auswärtigen Zeitungen Eingang gefunden haben. Ich stelle nun ausdrücklich fest, dass die meisten dieser angeblichen Interviews vollkommen frei erfunden sind und ihre Verfasser mich weder gesehen noch mit mir gesprochen haben; dass die anderen meine Worte, sei es aus Verständnislosigkeit, sei es, was viel häufiger der Fall sein dürfte, aus Bosheit, schwer entstellt, oft in ihr Gegenteil verwandelt, mit mannigfaltigen Zutaten versehen wiedergaben und class selbst die beiden einzigen, die in gutem Glauben geschrieben sein dürften, die des „Temps" und des „Matin", mir Dinge in den Mund legen, die ich nie gesagt habe. Ich erwarte, dass kein anständiger Mensch mich für Aeuss rurigen verantwortlich machen wird, die ich überhaupt nicht oder nicht so g» tan habe. Den Unrichtigkeiten und absichtlichen Lügen mit EiriZelbeiirhiigungcri nachzugehen ist mir physich unmöglich. Meine Zeit und Kraft reichen dazu nicht entfernt aus. Wollte ich mich aber erst auf Berichtigungen einlassen, müsste ich notwendig alles berichtigen, denn was ich dann unberichtigt liesse, wäre ^evvissermassen von mir stillschweigend als richtig anerkannt. Ich suche mich nicht darüber wegautauschen, dass von den niederträchtigen Verleumdungen, womit ich j-tzt in antisemitischen, und selbst in anderen Zeitungen besudelt werde, etwas haften bleiben wird. Dagegen kann ich mich ebensowenig schützen wie gegen Revolverkugeln gestörter Fanatiker. Ich muss es eben tragen. Für die Veröffentlichung dieser Zeilen im voraus dankend, bin ich Ihr hochachtungsvoll ergebener Dr. Max Nordau. Paris, 28. Dezember 1903. Mit dem Hute in der Hand. Dr. Gast er, der wieder einmal das unwiderstehliche Bedürfnis empfunden hat, sein Licht leuchten zu lassen, hat in einer Versammlung gesagt, Doktor Herzl sei mit dem Hute in der Hand zur „Ica* (Jewish Golonisation Association) gekommen. Das heisst mit anderen Worten : Dr. Herzl sei als Bettier, in würdeloser Weise an die „Ica" herangetreten, um von ihr die Teilnahme an den Kosten der projektierten Expedition nach Ostafrika zu erbitten. Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Di\ Herzl und der „Ica". Es kann daraus jeder ersehen, dass unser Führer weder seiner Würde, noch der Würde der Bewegung etwas vergeben hat. Es sind in letzter Zeit von mancher Seite Anstrengungen gemacht worden, unseren Führer herabzusetzen, mit dem offenbaren Wunsc-iir, di^ Zionisten von ihm abzudrängen. Dass dieses Vorhaben nicht nur im Zionismus eine Spaltung hervorrufen, sondern auch einige Leute der »Ica" als brauchbare Mittler empfehlen soll, ist uns nicht minder bekannt. Ob die „Ica" diese Spekulation ratifizieren und dem oder jenem mit ihrem' Gelde zur Verwirklichung . seiner Spezialpläne verhelfen wi.nl, ist allerdings eine sehr schwer zu entscheidende Fragp. Die Herren werden da noch vielleicht eine arge Enttäuschung erleben. Was nun Dr. Gast er betrifft, so hat er entweder gewusst, was in den Briefen steht, dann hat er eine bewusste Unwahrheit vorgebracht, oder er hat es nicht gewusst, dann hat er eine Behauptung mit unglaublicher Leichtfertigkeit in die Massen geschleudert. Beides ist schlimm für einen so frommen Mann. Er soll sich schämen! Briefwechsel mit der J.-C-A i. Brief des Or. Herzl an den Verwaltung! rat. Streng vertraulich.*) Wien, den 18. September 1903. S e h r geehrter FI e r r! Vielleicht darf ich annehmen, dass Sie den Verhandlungen des Zionisten-Kongresses in Basel gefolgt sind, jedenfalls ubersende ich Ihnen in der Beilage einen Auszug, der Sie über einige wichtigere Vorkommnisse unterrichtet. Wir haben auf unserem Wege nach Palästina, den wir unverbrüchlich und mit aller Energie weiter verfolgen, ein Zwischenresullaf erzielt. Diebritische Regierung hat uns (vergh den Brief des Sir Clement Hill vom 14. August d. J.) eine autonome Kolonie in Ost-Afrika angeboten. Dieses wahrhaft grossmütige Anerbieten wurde vom Kongresse einhellig mit tiefstem Danke zur Kenntnis genommen m,d mit Stimmenmehrheit wurde beschlossen, zunächst eine Expedit on zur Erforschung des angebotenen Ti-riitoriums auszusenden. Ein besonders einzuberufender Kongress wird nach erhaltenem Berichte über die Besiediungsfrage entscheiden. So viel steht indessen schon heute aus der Li eratur und aus den Rrgierungsberichten fest, dass dieses Territorium fruchtbar und zur Amiedking von Europäern wohl geeignet ist. Es kann daher angenommen werden, dass der lang gesuchte Zufluchtsort für die materiell notleidenden und heimatlos umherirrenden Unglücklichsten unserer Stammt sg(-nos?en gefunden ist, obwohl d es — wie ich es in meiner Eröffnungsrede bemerkte — „Zion nicht ist und auch nie werden kann.*4 Nun hatte ich bei Gelegenheit des leider gescheiterten Sinai-El Arisch-Projf-ktes das Vergnügen, mit der Mehrzahl der Milglieder Ihr s Verwaltungsrates zu sprechen und, wenn ich nicht irre, ist Urnen allen der Gedanke, einen solchen Zufluchtsort zu schaffen, sympathisch, da es ja Aufgabe der Jewish-Golonization- Association ist, Juden zu kolonisieren. Sie sagen freilich „irgendwo", während meine Freunde und ich „Palästina* sagen. Wie nun die Dinge liegen und ohne der politischen Entscheidung unseres nächsten Kongresses irgendwie vorzugreifen, glaube ich im Sinne des rein wohltätigen Zweckes zu handeln, dem Sie dienen, wenn ich Sie frage, ob ^ie an der Aufbringung der Expeditionskosten *) Ungeachtet dieses. Wrm«M kos erschien auf eine . bisher anaufgeklärte Weise der Inhalt dieses Schreibens in mehreren jüdischen Blättern. Anmerkung der Redaktioti.