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Die Welt · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1 „bis & weit" Seite 3' die in Charkow gefassten Beschlüsse nicht auszuführen; das willkürlich ins Leben gerufene Landes-Komitee als nicht existierend zu betrachten und mit demselben in'keinerlei Verkehr zu treten; keine Zirkulare entgegenzunehmen; den Beschluss wegen Uebertragung des Finanz-Zentrums als nichtig zu erklären, da die Aufstellung und Lösung solcher Fragen nur den Konferenzen der russischen Zionisten oder den Konferenzen der russischen Delegierten auf den Kongressen zusteht, und die Absendung der Delegation nach Wien mit ihren illegalen Forderungen, die für unseren Führer nach Form und Inhalt in höchstem Grade beleidigend sind, nicht anzuerkennen. Schon der Beschluss, eine solche Delegation zu entsenden, ist eine Tatsache, die geeignet ist, die russischen Zionisten zu schädigen. Die Verwirklichung dieser Delegation würde jedoch zu einem unliebsamen Bruch zwischen einem grossen Teile der russischen Zionisten und ihren Bevollmächtigten führen, abgesehen davon, dass sie unausführbar ist, da der Präsident des Kongresses und des A.-C. nicht berechtigt ist, solche Delegationen zu empfangen. 2. Im Falle die Bevollmächtigten im Laufe von acht Tagen unsere Bitten nicht in einer günstigen Weise erledigen und ihre illegale Tätigkeit hartnäckig fortsetzen sollten, werden wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln den schärfsten Kampf aufnehmen und werden vor allem an alle Vereine und Kreise einen Aufruf versenden, in welchem wir auf den ungeheueren Schaden hinweisen wollen, der dem Zionismus im allgemeinen durch diese willkürliche Tätigkeit der Bevollmächtigten zugefügt wird. Wir werden vorschlagen, alle von Zionisten gesammelten Gelder direkt nach Wien zur ausschliesslichen Verfügung des A.-C. zu senden, das illegal gegründete L.-C. nicht anzuerkennen und den Präsidenten des A.-C. zu bitten, mit keinen von wo immer kommenden Delegationen in Verbindung zu treten, die von den Bevollmächtigten entsendet werden, und den Inhalt dieses Aufrufes zugleich mit dessen Veröffentlichung dem A.-C. in Wien bekannt zu geben. Die Versammlung erachtet es als notwendig zu bemerken, dass unter den Beteiligten sowohl Jaals Neinsager zugegen waren und überhaupt Zionisten von verschiedenen Richtungen, die Anhänger der sofortigen realen Tätigkeit in Palästina nicht ausgeschlossen. Die Antwort ist an Herrn I. W. Jasinowsky, Warschau, Medowaja 15, zu adressieren. * Löbliche Redaktion! Lemberg, 27. Dezember. Schon lange hat mich das Treiben und die Mache einiger russischer Rädelsführer mit Bangen erfüllt. Ich sah die so schwer geschaffene Parteiorganisation gefährdet und von Leuten bedroht, von denen man mehr Liebe zu ihrem Volke voraussetzen und denen man, infolge ihrer höheren Intelligenz, mehr Sinn für Parteidisziplin zutrauen musste. Nun scheinen jene Herren Sonderzwecke zu verfolgen und wollen dem Gesetze der Majorität Hohn sprechen. Was ihnen am Kongresse nicht gelang, das wollen sie durch Konventikel erreichen und in unserem allverehrten Führer die Kongressmehrheit erniedrigen. Ich begrüsse daher den in den Spalten Ihres gesch. Blattes erschienenen Aufruf an die Delegierten des VI. Kongresses mit Vergnügen und stimme demselben aus vollstem Herzen bei. J a c. S. Philipp. Das Attentat auf Dr. Max Nördau. Am 22. Dezember wurde von dem Richter M. d e V a 11 e s das Verhör des Attentäters wieder aufgenommen. Als Dolmetsch fungierte Herr Kaplan. Der Beschuldigte war bei diesem Verhöre weniger aufgeregt als bei dem ersten und beantwortete alle Fragen mit ziemlicher Ruhe. Manchmal allerdings ging sein Temperament mit ihm durch, dann erhob er seine Stimme und gestikulierte lebhaft, aber ein beruhigendes . Wort des Untersuchungsrichters genügte, um ihn wieder zu besänftigen. Das Verhör begann um 2 Uhr nachmittags und dauerte fünf Stunden. Auf die Fragen des Herrn v. Valles erzählte Luban seinen ganzen Lebenslauf. Nach seiner Versicherung war es ein Leben voll harter Arbeit und voll schwerer Enttäuschungen. Er verweilte selten längere Zeit an einem Orte. Ein widriges Schicksal trieb ihn immer wieder fort. In der letzten Zeit war er als Zuhörer beim Baseler Zionistenkongress anwesend. Einige Tage später begab er sich nach Frankreich, um sich mit Gleichgesinnten in Verbindung zu setzen. Luban sprach lange Zeit von sich, seinen Schicksalen, seinen Arbeiten, seinen Versuchen, seine Position zu verbessern. Da trat Dr. No rdau in das Zimmer des Richters. Luban erbleichte, als er ihn so unvermutet eintreten sah. Das Verhör wurde sofort abgebrochen und die Konfrontation Lubans und Dr. Nordaus begann. Sie war anfangs ziemlich interesselos, bis die Rede auf Zion kam. Was sich dann vor dem Untersuchungsrichter abspielte, war eher eine Konferenz als eine richterliche Einvernahme zu nennen. Herr von Valles stellte folgende. Frage: „Palästina ist ja in der Gewalt der Türkei, wie können Sie daran denken, dahin zurückzukehren? Denken Sie Gewalt anzuwenden?" „Aber keineswegs," protestierte Luban sehr lebhaft, „das jüdische Volk ist ein sehr friedliches!" „Nun also, wie denken Sie sich die Sache?" „Das jüdische Volk ist sehr arbeitsam. Jetzt ist es daran, grosse Geldsummen zu sammeln, um das Land seiner Väter zurückzukaufen." Herr Merle wendet sich nach dieser Erklärung Lubans an ihn (Merle ist Lubans Verteidiger) mit der Frage, was für eine Staatsform nach Lubans Meinung gelten werde, wenn die Juden bereits das Ziel ihrer Wünsche erreicht hätten. „Soll es ein. Kaiserreich oder eine Republik sein?" „Nein," antwortete Luban, „es wird, wie ich meine, eine absolute Monarchie sein und derjenige von uns wird den Thron besteigen, der seine Abkunft von König David nachweisen kann." Alle diese Erklärungen gab Luban mit ruhiger Stimme ab. Dr. Nordau folgte von seinem Fauteuil aus den Ausführungen Lubans mit Aufmerksamkeit. Luban wendete sich hierauf an ihn und brachte seine Entschuldigungen wegen des Attentates vor. Er erklärte, er habe Nordau nicht töten wollen. Nordau antwortete, er müsse der Wahrheit getreu angeben, dass Luban nach ihm gezielt habe, und dass er es nur der glücklichen Intervention eines seiner Freunde zu danken habe, dass er nicht getroffen worden sei. Er bittet aber Herrn v. Valles, die:, weitestgehende Milde gegen Luban walten zu lassen. Hierauf erzählt Nordau die hervorragendsten Geschehnisse des VI. Zionistenkongresses in Basel. „Ich bin, wie Sie ja wissen werden," sagte Nordau zu Luban, indem er sich an ihn wendete, „ein Verteidiger der gerechten Wünsche der jüdischen Rasse, der wir beide angehören." „Ich glaubte nicht," fuhr Nordau zum Untersuchungsrichter gewendet fort, „den Zorn meiner Brüder gegen mich zu entfesseln, indem ich ihnen als Mittel, ihre Leiden abzukürzen, die Ansiedlung in Ostafrika vorschlug." „Niemals," rief Luban heftig aus, „niemals! Es gibt für uns nur eines und das ist Palästina!" „Ich fuhr von Basel," setzte Dr. Nordau seine Mitteilung für den Untersuchungsrichter fort, „mit gewissen Vorahnungen weg, und als ich bei der Makkabäerfeier Luban in den Saal treten sah, da wusste ich, dass er mich suche. Ich war unschlüssig, was ich tun solle, ob ich ihn herankommen oder entfernen lassen solle. Plötzlich befand er sich bei mir. Ich hatte kaum Zeit zu bemerken, dass ein Revolverlauf auf mich gerichtet sei. Darauf fielen zwei Schüsse. Ich sah keinen aus meiner Umgebung fallen, was mich sehr beruhigte. Ich selbst blieb unverletzt. Dann sah ich, dass Herr Ossowetzky am Schenkel verwundet und dass Herrn Dr. Marmorek durch die Flamme der unmittelbar neben ihm abgegebenen Schüsse die

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