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Die Welt · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bit # Welt Nr.;l Malkontenten sind nicht gewillt, diese Handlungsweise zu entschuldigen. Es ist sogar zu befürchten, dass die Erregung der Gemüter, welche durch das Attentatauf Nord au und andere unerwartete Geschehnisse ohnedies schwer gereizt wurden, sich in einer Weise Luft mache, die nicht nur für die Charkower Konferenzler sondern für unsere ganze Bewegung ernste Folgen haben könnte. Darum ergeht an unsere Gesinnungsgenossen die ernste, e i n d r in g Ii c h e Mahnung seitens der Leitung, die Herren wohl nicht im Zweifel darüber zu lassen, wie man ihren Angriff auf unsere- Organisation auffasse, sich aber eines jeden anderen Einschreitens zu enthalten. Wenn die Leitung annehmen will, dass es sich nur um einen nicht sorgfältig genug überlegten Schritt der Charkower Herren handle, so wird das unseren Gesinnungsgenossen vorläufig genügen. Allerdings, unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die politische Klugkeit dieser Konferenzteilnehmer ist schwer erschüttert. Es wird jetzt ihre Sache sein nachzuweisen, dass sie nicht nur keinen Schaden für unsere Organisation sondern auch keinerlei Ablenkung des politischen Zionismus selbst beabsichtigten. Wenn es sich bewahrheiten sollte, dass sie sich im grossen und ganzen auf das Programm der alten „Chowewe Zion" zurückgezogen haben, dann müssen sie sich selber fragen, ob es ihr Gewissen ihren Wählern gegenüber zulässt. das ihnen anvertraute Ehrenamt weiter zu bekleiden. Es scheint uns aber nicht glaublich, dass sich diese Männer von unserer Organisation bereits so weit losgelöst haben, dass sie sich in direkten Widerspruch mit dem oft und deutlich ausgesprochenen Willen des Kongresses setzen wollten. Täten sie es, dann gäbe es allerdings für sie in unseren Reihen keinen Platz mehr. Unsere Organisation muss eine einheitliche, unzerstörbare sein. Dazu bedarf es der vollen Hingebung und Unterordnung der Einzelnen unter den Gesamtwillen. Wer sich gegen diesen auflehnt, wer es nach dem Beispiele so mancher Parlamente für zulässig hält, dass eine Minorität eine Majorität terrorisiere, der ist — und mag er sich bisher die grössten Verdienste erworben haben — nicht mehr unser Freund sondern unser Gegner. Er mag auf anderen Gebieten und in anderen Kreisen, die seinen Wünschen und Absichten besser entsprechen, für das jüdische Volk Arbeit leisten, für uns ist er unbrauchbar, denn er vernichtet unsere Stärke, unsere Organisation, und ist, bewusst oder unbewusst, Förderer des schlimmsten Schadens einer jeden Bewegung — der Desorganisation. W. Zur Charkower Konferenz. Protokoll (Kopie.) der am 2. Dezember 1903 in Odessa in Anwesenheit von 25 Personen und unter Vorsitz des Herrn Dr. D o r f m a n n stattgefundenen vertraulichen Konferenz. In Anbetracht der Charkower Konferenz russischer Vertrauensmänner, bezw. der von dieser Konferenz gefassten Beschlüsse, die in zionistischen Kreisen verschiedene Gerüchte und Erregungen hervorgerufen haben, versammelten wir unterfertigten Vertreter zionistischer Vereine verschiedener Richtungen uns zur heutigen vertraulichen Konferenz behufs Erörterung der gegenwärtigen Sachlage. Nachdem wir in die Kopie der von der Charkower Vertrauensmänner-Konferenz gefassten Beschlüsse Einsicht genommen und einige ergänzende Mitteilungen bezüglich des Vorgehens der Vertrauensmänner vernommen hatten, welches Vorgehen als Resultat der obenerwähnten Beschlüsse.;erscheint, fasste die Konferenz nach genauer Erwägung einstimmig folgende Beschlüsse: 1. Indem wir die Beschlüsse der Charkower Konferenz russischer. Vertrauensmänner als einen Verrat an der ganzen zionistischen Sache betrachten, wenden wir uns an jeden der Vertrauensmänner mit der Forderung, von der Ausführung der erwähnten Beschlüsse abzusehen. Und zwar fordert die Versammlung: a) von dem Beschlüsse abzusehen: nach Wien eine Delegation zu entsenden mit Forderungen, die sowohl für unseren Führer als auch für unsere gesamte Bewegung höchst herabsetzend erscheinen, da diese Delegation eine usurpatorische ist, und die Stimmung nicht der russischen Organisation, sondern nur einzelner Personen zum Ausdruck bringt. b) Das Finanz-Zentrum ist in Kiew weiter zu belassen, da dessen Verlegung nur von einer allgemeinen Konferenz russischer Delegierter beschlossen werden kann. c) Das neukreierte Landes-Komitee ist aufzulösen, da eine ähnliche Institution von einer aligemeinen Konferenz russischer Delegierten sanktioniert werden muss und nicht eigenmächtig eingesetzt werden kann. 2. Herrn Dr. H e r z 1 sind sowohl die Beschlüsse der Charkower Konferenz als auch die EntSchliessungen dieser Versammlung mitzuteilen. 3. Herrn Dr. Mandelstamm als Leiter des Finanz- Zentrums ist mitzuteilen, er möge die Kasse nicht übergeben, auch den Assignierungen des Landes-Komitees keine Rechnung tragen. 4. Es sollen womöglich überall sowohl die Beschlüsse der Charkower Konferenz als auch dieses Protokoll veröffentlicht werden. 5. Da die Versammlung die Charkower Konferenz als eine gesetzwidrige und den Beschlüssen, beziehungsweis den Prinzipien der zionistischen Organisation widersprechende erachtet, so darf keinerlei Ausgabe für die Veranstaltung dieser Konferenz von der Organisation getragen werden. (Folgen die Unterschriften.) Für die Richtigkeit der Abschrift: (gez.) Dr. F i L Awinowitzky. * (Vertraulich.) Protokoll der Vertrauensmänner-Beratungen, die am 23. November (6. Dezember) 1903 in Warschau stattgefunden haben. Anwesend waren folgende Herren: I. W. Jasinowsky, Dr. Jelsky, N. Sokolow, Dr. Hindes, M. Feldstein, Dr. Silberstrom, A. Podlischewsky, H. Vogelsohn, Dr. Byehowsky, Ch. Chasan, Dr. Rosenblatt, M. N. Syrkin, Dr. N. Dawidsohn, Rechtsanwalt J. Kohn, N. Finkelstein. Die Gerüchte, welche sich über die Charkower Konferenz verbreitet haben, deren Beschlüsse unter den Zionisten eine grosse Bewegung hervorriefen, haben uns veranlasst, eine Vertrauensmänner-Versammlung einzuberufen, an welcher die oherwähnten Warschauer und Lodzer Zionisten mit den Rayonsbevollmächtigten teilgenommen haben. Nachdem wir uns über die Charkower Beschlüsse näher informiert hatten, sind wir zu dem einstimmigen Beschlüsse gelangt, dass schon das Faktum der Erörterung der in Rede stehenden Fragen auf der Charkower Konferenz als eine Illegalität zu bezeichnen ist, die die Autorität des Kongresses und unseres Führers untergräbt, und dies Personen zu Gefallen, die gehofft haben, sich durch einen Bruch der Partei, welche bis nun felsenfest war, vordrängen zu können. Infolge dessen beschliesst die Versammlung folgendes: 1. Um die Institution der russischen Bevollmächtigten auf der Höhe zu erhalten, auf welcher sie sich bis jetzt befunden hat, sich an jeden Bevollmächtigten zu wenden mit der Bitte,.

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