Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration : WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. TWphon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripts nicht zurückgesendet. * Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—\\2 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag iber.ds geschlossen Einzelne Nummern 30 Heiler. Ro7!lfienrQieo' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Du£UljO|Jl t/lau. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6,85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbiei-, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.— , halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40. halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.80. Nr l. Wien, I. Jänner 1904 — 13. Tebeth 5664, 8. Jahrgang. Organisation oder Desorganisation? In unserer Zeit, in der die Frage ernstlich erwogen wird, ob der übliche Parlamentarismus den Völkern mehr Vorteil oder Nachteil bringe, haben wir Zionisten es versucht, eine Art parlamentarischer Körperschaft in unserem Kongresse zu bilden. Der Versuch ist als gelungen anzusehen, denn unsere gewählte Vertretung hat bisher in mustergiltiger Weise ihre Aufgaben erledigt. Wir haben es nach dem Beispiel unserer Ahnen immer vermieden, eine Minorität, und wäre sie auch noch so klein gewesen, durch die Majorität vergewaltigen zu lassen und haben einzelnen Leuten, über deren Uebelwollen kein Zweifel möglich war, sogar die von unserer Leitung mit vieler Mühe und harter Arbeit geschaffene Tribüne ruhig überlassen dürfen, da wir genau wussten, dass der weitaus grösste Teil der Kongressdelegierten aus erprobten, besonnenen Zionisten bestehe, die auch durch die geschicktesten Wortmacher nicht leicht zu irgend welchen unüberlegten, dem Zionismus schädlichen Beschlüssen verleitet werden könnten. Eine glänzende Rechtfertigung dieser unserer Ueberzeugung brachte auch der letzte Kongress. Trotz aller Leidenschaftlichkeit der Diskussion, trotz mancher nicht ungeschickter Versuche, die Erregung der Delegierten zu einem wohlvorbereiteten Angriffe auf die Leitung auszunützen, ja trotz prinzipieller Differenzen unter den Kongressteilnehmern kam es — von einer bald wieder gutgemachten Demonstration der Gegner des Ostafrikaplanes abgesehen — zu keiner verbitternden Gegensätzlichkeit Der Kongress, die wohlgefügte Kuppel des Baues, den wir mit unserer Organisation errichtet hatten, ruht auf zu festen Pfeilern, als, dass eine gefährliche Erschütterung möglich gewesen wäre. So hatten wir alle Ursache, mit dieser Organisation zufrieden zu sein und ihren Ausbau mit aller Kraft zu fördern. Man sollte nun denken, dass die Wichtigkeit einer starken, von keinerlei persönlicher Gunst oder Missgunst abhängigen Organisation auch den schlichtesten Männern in unseren Reihen vollkommen klar sei. Die Sache ist ja so einfach. Nur das Bewusstsein, eine festgefügte, unter allen Umständen verlässliche« Organisation hinter sich zu haben, kann die Leitung ermutigen, die so schwierige Arbeit unserer Bewegung auf sich zu nehmen. Der Ernst, die Pflichtfreudigkeit, die Aufopferungsfähigkeit und Festigkeit unserer Gesinnungsgenossen, sie müssen unserer Leitung die unverrückbare Basis geben, auf der sie ihr mühsames Werk errichten kann» Diese unerschütterliche Organisation allein ist aber auch imstande, allen denen, die uns zu unserem Ziele helfen wollen, die Gewähr zu geben, dass sie es nicht mit einer unruhigen Masse mit unklaren Tendenzen zu tun haben, sondern mit dem Kern eines Volkes, um den sich immer reichere Schichten legen, bis das ganze Volk im Vollbewusstsein seines Wollens und seines Könnens dem einen unverrückbaren Ziele zustrebt. Das alles, so sollte man meinen, ist so klar, dass es niemandem einfallen könnte, es zu bestreiten. Und doch scheint dem nicht so zu sein. In Charkow wurden von Mitgliedern des grossen A.-G. Beschlüsse gefasst, die — ganz gleichgiltig, ob sie zur Ausführung kommen oder nicht — den Bau unserer Organisation zu unterminieren geeignet sind. In aller Heimlichkeit sollte da der Widerstand gegen unsere Leitung organisiert und eine Pression ausgeübt werden, um den Willen der Teilnehmer an dieser Konferenz zur Geltung zu bringen. Wir haben immer unseren Stolz darein gesetzt, dass weder unsere Ziele noch unsere Wege jemandes Auge zu scheuen hätten. Nun haben sich Männer unter uns gefunden, und noch dazu solche, die durch das Vertrauen unserer Gesinnungsgenossen auf einen wichtigen Posten gestellt wurden, welche heimlich Pläne schmiedeten, um den anderen ihre Meinung aufzuzwingen. Diese Männer sind nicht, wie es loyal und nach unseren Einrichtungen nötig gewesen wäre, vor den Kongress getreten, haben nicht dort ihre Ansicht vertreten und erklärt, dass sie nur unter den von ihnen formulierten Bedingungen weiter an unserer Arbeit teilnehmen wollen, sondern haben ein Konventikel abgehalten und beschlossen, einen Bruch hervorzurufen, wenn sich die Leitung und mit ihr unsere Bewegung ihrem Diktum nicht unterwerfe. Die Empörung unserer Gesinnungsgenossen in Russland ist nach den uns vorliegenden Kundgebungen eine ungeheure. Selbst die persönlichen Freunde dieser