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Die Welt · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Article
Die Ansiedlung eines Volkes
Date
1903-12-25
Page
9 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 52 „bi? & weit11 Seite 9 Kessel Am schlimmsten ging ßs in der Grafschaft Cläre und das schlimmste Gut in Cläre war Rahaline. Def Besitzer war ein vornehmer Engländer, Vandeleur, der schön seit Jahren von seinen aufständischen Pächtern keinen Helier Pacht bezogen hatte — im Jahre 1829 hatten sie den Administrator Hastings in den Armen seiner jungen Frau erschossen. — Man konnte nie herausbekommen, wer der Mörder gewesen und das Gut schien verloren. Vandeleur hatte kein Vertrauen zur Polizei und zum stehenden Heere, sondern er entschloss sich zu einer sonderbaren Tat. Er schloss mit diesen ftäubern und Mördern einen Vertrag, er verpachtete ihnen sein Gut und das Inventar. Sie einigten sich auf einen komplizierten Vertrag, eine grosse Menge von Regeln wurde aufgestellt und Vandeleur bedang sich eine grosse Pacht aus. Die Organisation war die der landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaft. Von dem Augenblicke an hörten die Leute auf zu saufen, sie hörten auf in Versammlungen zu gehen, obwohl rings um sie herum der berühmte Agitator O'Connell predigte. Alle politischen Interessen waren in diesen „Unglücklichen" erloschen. Sie besserten ich und kehrten in ihre Häuser zurück, sie schickten ihre Kinder in die Schu e, liessen sie ein Handwerk lernen, hörten auf, ihre Weiber zu schlagen, sie arbeiteten wie Männer, die für sich arbeiten* Sie machten unter anderem ein Stück Acker, auf dem der Sandstein zutage trat, zum besten Weizenfelde des Gutes* Als das Jahr zu Ende war, legten sie ihrem Gutsherrn die Pacht baar auf den Tisch und hatten noch 800 Pfund Sterling erübrigt. Im zweiten Jahr war der Erfolg noch wunderbarer und im dritten war er noch grösser. Da geschah ein Unglück. Vandeleur, der selbst in den Regeln der Kolonie die Regel aufgestellt hatte, dass jedes Spiel verboten sei, spielte in Dublin, verlor sein ganzes Vermögen und flüchtete* Die Gläubiger belegten das Gut mit Beschlag. Der schriftliche Vertrag wurde von den Gerichten nicht anerkannt. Alles, was die Leute in den paar Jahren in das Gut hineingelegt hatten, fiel den Gläubigem zu und Rahaline versank in die alte Nacht. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist mir vorgekommen, dass man mir gesagt hat: „Ist das Ding also doch auch kaput gegangen!" Das ist gedankenlos, so zu sprechen. Die industriellen Produktivgenossenschaften sind an einer inneren Krankheit zusammengebrochen, diese aber an einem äusseren Unglück, an dem sie keine Schuld trugen. Ebenso gut kann man von einem Erschlagenen sagen, er sei an Lebensschwäche zugrunde gegangen. Aber mag man diesen Versuch auch nicht für durchschlagend halten, so gibt es doch viele so ähnliche Versuche, die beweisen, dass überall das Prinzip durchdringt In meinem schon genannten Werke sind über (SO Fälle gesammelt, wo ein fabelhaftes Gedeihen zu konstatieren war. Es handelte sich nicht nur um fabelhafte wirtschaftliche, sondern um ebenso grossartige moralische Erfolge, überall ein Fleiss, eine Sittlichkeit, eine Ordnung, ein Emporstreben zu höheren Lebenswerten, dem man in kaum einem anderen Bezirke jemals begegnet sein wird. Ein charakteristischer Beweis ist folgender: Ungefähr eine landwirtschaftliche Arbeiter- Produktivgenossenschaft, mindestens in ihrer entscheidenden Grundlage, war eine Stadtgründung in Nordamerika, Vineland, in der nach 10 Jahren ungefähr 11.000 Menschen hausten. Wer Land wollte, der bekam es. In dieser Stadt betrugen die Armen- und Polizeikosten 5Va Gent per Kopf, während sie in der Nachbarschaft 2 Dollar per Kopf ausmachten. Mit dieser Form, denke ich also, muss man mindestens den Anfang machen. Wir werden mit den Kapitalien, die wir besitzen, grössere Grundstücke, die sich eignen, erwerben, werden den Bebauungsplan aufstellen, die nötige Zahl von Familien importieren oder dem Lande selbst entnehmen. Wir werden die nötigen Wirtschaftsgebäude aufrichten und an der Peripherie des Gutes eine Anzahl von Häusern auf kleinen Ackerstücken entrichten, die dem Privatfleiss überlassen werden sollen. Der ganze andere Komplex wird zunächst in extensivem Betriebe bebaut werden unter der Aufsicht von Fachmännern. Den Arbeitern wird man von vorneherein sagen : Ihr bekommt euem üblichen Lohn; man wird euch einen Konsumverein einrichten und ausserdem erhält ihr alles, was über eine bestimmte Verzinsung überschiesst. Je weniger ihr am Inventar zerstört, je fleissiger ihr seid, umso grösser wird euer Reinertrag sein. Wenn ihr ein bestimmtes Kapital erspart haben werdet, wird man euch das ganze Gut käuflich überlassen. Also Erwerbung des vollen Interesses seitens der Bebauer. Nun wird man neue Arbeitskräfte aufnehmen, man wird stufenweise zu immer höherer Intensität übergehen, man wird Rieselbewässerung einführen und schliesslich eine ausserordentlich dichte Bevölkerung ansiedeln. Man kann hier auf glänzend geglückte Versuche in Galifornien hinweisen; dort leben die Obstbauern auf 5—10 Acres im vollen Wohlstand, haben ihre eigene Versandtgenossenschaft und verschicken ihre Edelprodukte über die ganze Welt. Dies schwebt mir als letztes erreichbares Ziel vor. Auf diese Weise kann man allmählich eine sehr dichte Bevölkerung auf kleinem Gesamtlande ansiedeln. Diese Unternehmung wird, wie ich hoffe, den besten Erfolg haben. Die Geldmittel, die uns zur Verfügung stehen, werden natürlich nur für die ersten Versuche ausreichen. Es ist kaum zu erwarten, dass die grossen Mittel, die die Volkskolonisation beanspruchen wird, nur aus unseren Quellen zuströmen werden. Wenn es sich aber herausstellen wird, (was ich erhoffe), dass es eine sehr sichere Kapitalsanlage ist, Gelder in solche Genossenschaften einzulegen, so wird man gegen anständigen Zins immer das Geld bekommen können, welches man braucht. Dann wird der Kapitalszuschuss, der jetzt ein dünner Faden ist, zum Bach, zum Fluss und schliesslich zum Strome anschwellen. Dann wird das Kapital strömen — was jetzt noch einen dünnen Faden bildete, wird zum Bach, zum Fluss, zum Strom anschwellen — und das Werk befruchten. Es ist nicht allzuschwer, in der Kulturwelt ein wirtschaftlich vernünftiges Ding durchzusetzen. Nun, ich habe bis jetzt immer nur von Ackerbau gesprochen, wenn wir aber erst ein klein wenig von der Stelle gekommen sein werden, dann werden wir, lange bevor dieses letzte Ziel der Verteilung des ganzen Grundes und Bodens in kleine Farmen erreicht ist, eine starke Zahl von Handwerkern und Händlern ernähren können. Dann kommt die Zeit für die, welche nicht mehr Bauern werden können. Denn, wo Bauern sitzen, da ist der Handwerker nötig. Der Bauer braucht ihn nicht aus Mitleid zu ernähren. Er braucht ihn wie den Bissen Brod, den Schmied, den Schneider, Schuster, Glaser, Ofensetzer, den Arzt, den Geistlichen, den Lehrer u. s. w. In den preussischen Landstädten kommen auf ca. 40 Bauern, ca. 60 Nicht- Ackerb auer n. Es wird also möglich sein, eine starke Bevölkerung von Nicht-Ackerbauern zwischen diesen Bauern

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