Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 43 (23.10.1903)
- Article
- Mr. Greenberg über das Ostafrikaprojekt
- Date
- 1903-10-23
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 43 iiWe # weit" Seite 7 müsse, denn das ist 3ie in der f at< Wir sind Zionisten, weil wir Nationalisten sind; ich hoffe, nietnand von uns igt Nationalist* bloss weil er Zionist ist. Und wenn ich gesagt habe, dass dieses Angebet der britischen Regierung ein grosser Schritt nach Palästina ist, §ö war es, weil es die Anerkennung des nationalen Prinzipeg, für das wir immer gekämpft haben, bedeutet. Hätte die britische Regierung Palästina, so würden wir mit ihr wegen dieses Landes verhandeln. Die britische Regierung hat sehr praktisch unsere Forderung, eine Nation 2ü sein, anerkannt, indem sie Uns sagte: „Wir werden euch ein Landstück geben, welches* jüdisch sein wird und eine Kolonie, die von einer lokalen jii iischen Behörde regiert sein wird." Nun haben viele Zionisten und andere über Ostafrika gesprochen und geschrieben und manche Süchten Dn Herzi für seine Aufmerksamkeit dem britisches Anerbieten gegenüber zu entschuldigen. Sie sagen, das Angebot wäre gemacht worden und Dr. Herzl hätte es nicht ohne weiteres ablehnen können, ohne es wenig»-tens dem Kongresse vorgelebt zti haben. Ich bin mit dieser Ansicht nicht im mindesten ein Verstanden. Ich bin überzeugt, dacs wenn Dr. Herzl geglaubt hätte* dass das Angebot nicht im Interesse des jüdischen Volkes sei, oder wenn er der Meinung wäre, das wäre ein Schritt zurück, dann könnte, möchte und wurde er die britische Regierung um Entschuldigung bitten, dieses ihr Angebot nicht beachten s6ü können. Ich für meine Person kann sagen, dass wenn ich nicht eingesehen hättp, dieses Pnj»kt wäre eines, das uns vorwärts, demZiele Unserer Hoffnui gen naher bringt, ich n cht Dr. Herzl gedrängt hätte, es zu beachten und dem Kongress zu unterbreiten. Ich habe nie den Ausspruch gemacht, ein Parteimann zu sein, der verbohrt und verstockt an der eirzigen Idee von Palästina festhält und alles andere ausserhalb des zionistischen Zieles verwirft. Ich war immer bttttüht, alles zu tun, was ich konnte und unsere Bewegung für alles, was für unser Volk gut ist, zu verwenden. Und als ich nun sah, dass sich hier eine Möglichkeit darbietet, den Druck, unter dem unser Volk leidet, ein wenig zu erleichtern, da drängte ich Dr. Herzi, die britische Offerte sehr ernst zu erwägen. Ich teile mit ihm die Ansicht, dass der Ostafrikaplan ein guter Plan ist. Lassen sie mich einige Gründe, weshalb er für ur-s einen Wert hat, namhaft machen. In erster Reihe kann er einen grossen politischen Vorteil haben, weil er, wie ich bereits gesagt habe, die Anerkennung unseres Volkes als einer Nation sein wird. Von diesem Punkte muss die ganze Zukunft unseres Volkes ausgehen : Zum ersten Male nach 1800 Jahren hat eine Nation mit dem jüdischen Volke unterhandelt. Es gab zwar auch früher Unterhandlungen, aber immer war das Gesicht des Juden abgewendet von dem, mit welchem er unterbandelte. Die britische Regierung ist mit den Juden in Unterhandlungen getreten, um unter vielem anderen die Zahl der Juden in ihren Gebieten zu vergrössern und das allein schon halte ich für einen grossen Triumph Dr. Herzls und der zionistischen Bewegung. Nehmen wir an, dass die Kolonie schon da ist und wir eine Landslrecke kolonisiert haben, die schliesslich eine Million oder eine halbe Million Menschen ernähren kann. Sie werden sagen, es sei keine zu hohe Ziffer im Vergleich mit der ganzen Zahl der Juden, aber eben diese Zahl würde die Lage in Osteuropa beträchtlich erleichtern. Wir würden schliesslich einen Teil der beweglichen Masse der Judenschaft, die uns in nächster Zukunft gewiss viel Schwierigkeiten bereiten wird, los werden. Hier in England haben wir eine immer wachsende grosse Zahl von Ankömmlingen, was zweifelsohne eine Quelle der Unruhe sein wird, infolge der Vorurteile mancher Leute oder ihrer blöden Unfähigkeit, die Juden zu ^öWetf wjej sief*sind. Die Einsetzung der Fremdenkommission und der von ihr erstattete Bericht beweisen, dass England ein wenig an Mangel der Verdauung der Juden leidet. Wir mögen darüber lachen, aber wir müssen mit den Tatsachen rechnen, und ich sage, es sei viel besser» dass die Wanderung in eine jüdische Kolonie gelenkt werde und fort von den Schmutzlöchern von Leeds, London oder New-York. Wir müssen die Tatsachen nehmen, wie sie sind. Und wenn wir sehen, dass im Laufe von 20 oder 25 Jahren ungefähr eine Million Juden Osteuropa verlassen hat, um sich in den schlechtesten Vierteln der Städte von England und Amerika niederzulassen, so wäre es besser, denjenigen, die noch nicht ausgewandert sind, die Möglichkeit einer Koloaie in Ostafrika zu geben, wo die klimatischen Verhältnisse günstig, die Entwicklungsaussichten gut sein würden, und wo sie als Juden und nicht als Fiemde leben könnten. Man vergisst leicht, wenn man schreit „Palästina oder nicht»", dass wir heutzutage eine d^r furchtbarsten Alternativen haben. Heute gibt es : Palästina, «»ine Hoffnung o ier das Elendland, eine Gewissheit; und wenn wir eine dritte Alternative in Ostafrika schaffen können, so werden sicherlich viele von unserem Volke mit Freude Ostafrika annehmen. Dann sehe ich voraus, dass die jüdische Siwdiung eine Vorschule und eine Drillanstalt für das jüdiselnalionale Leben sein wird. In der Tat, man sagt immer, wir zanken uns immer herum. Wir haben bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt, der Welt zu zeigen, dass wir als Vo k uns selbst regieren, können. Ich weiss nicht, ob wir es auf unserem Kongress bewiesen haben, aber in der jüdischen Kolonie, wie sie geplant ist, werden wir der Welt beweisen können, dass wir ein uns selbst regierendes Volk sein können* Diese Art Kritik wurde nicht nur von anderen Völkern geübt. Es gibt Judenmännlein, die da sagen: „Wozu verbuchen Sie es Palästina zu erlangen? Wenn Sie hinkommen, werden Sie einander beständig in den Haaren liegen, Juden werden nie untereinander handeln und sich eine Existenz schaffen können." Wollen wir in Ostafrika zeigen, dass alles dies Pamphlete sind, wollen wir der Welt beweisen, dass wir uns ebensogut regieren können, wie die Belgier oder die Schweizer. Ich zweifle gar nicht, dass wenn die Welt zur Einsicht kommen wird, dass die Juden eine selbstständige jüdische Kolonie bilden können, dass wir uns selbst regieren können und fähig sind, wie Menschen zu leben und nicht wie Tiere behandelt zu werden, die Welt dann kommen und sagen wird: „Jetzt können wir ihnen Palästina anvertrauen.* Wenn wir deshalb zeigen können, dass die Juden sich selbst verwalten können, werden wir einen der stärksten Einwände gegen unsere Bückkehr nach Palästina beseitigen. Und ich will nun ein wenig weiter voraus sehen. Ich glaube im Grunde meines Herzens, dass die Juden früher oder später Palästina bekommen werden, und dass an einem schönen Tag das Volk Gottes im Lande Gottes sein wird. Ich sage nicht, dass es in unseren Tagen, oJer sogar in denen des jüngsten unter uns hier geschehen wird, aber ich bin überzeugt, das dieses Land für das jüdische Volk vorbehalten ist. Wenn dem so ist, warum sollten wir uns nicht mittlerweile weiter umschauen? Die Entwicklung Aegyptens, Südafrikas und anderer Teile des Kontinents deuten an, dass in der Zukunft Ostafrika die grösste Bedeutung erlangen wird. Es ist leicht vorauszusehen, dass wir durch die Kolonie in Ostafrika eine Gemeinschaft von Juden in diesem Kontinent haben werden, die mit ihrem Mutterlande in Berührung sein wird und dass sie deshalb eine immense Fühlung haben wird, wenn wir Palästina bekommen werden. Wollen wir uns selbst fragen: Was werden die, welche nach uns kommen, von uns sagen, wenn wir bloss aus sentimentalen Gründen die Qfferte nicht annehmen? Sie werden öägen: »Unseren