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Die Welt · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Article
Mr. Greenberg über das Ostafrikaprojekt
Date
1903-10-23
Page
8 (sequence 4)
Language
German
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Seite 8 „bieweit Nr. 43 Vätern war von der britischen Regierung die Einrichtung einer Kolonie, die prachtvoll sein könnte, angetragen, und sie haben das in wahnwitziger und blöder Weise abgewiesen!K Nun, wir haben heute etwas gehört von der Notwendigkeit einer Organisation und Disziplin. Und ich möchte ferner fragen : Ist schon der Einüuss unseres Führers gar nicht in Betracht zu ziehen? Viele sprechen, als ob er nichts getan hätte, um die Stellung des Zionismus in der Welt zu rechtfertigen, und als ob seine Ansichten über das Projekt eine quantite negligeable wären. Ich persönlich meine, dass sein Blick weiter reicht, als der vieler seiner Gegner und wenn er, nachdem er alle Gegengründe gehört hat, sich dafür entschloss, so ist es sicher unsere Sache, ihn in dieser Arbeit zu unterstützen. Wenn er unser Führer ist, so muss er uns führen, and wir müssen iolgen. Und hier muss ich ein Wort über einen Vorgang auf dem Kongress sagen. Die Kongressmitglieder setzten ein« Kommission ein, um die Offerte zu prüfen, aber sie umzäunten sie mit einer der aufregendsten Bedingungen. Sie sagten: „Nehmt sie hin, euere Kommission, aber wir werden keinen Heller dafür zahlen; das Geld muss irgendwo anders aufgetrieben werden!" Was den Nationalfonds betrifft, so gebeich zu, dass Geld, welches für Palästina gespendet ist, nur diesem Zwecke geweiht ist. Aber mit dem Schekelfonds steht es anders. Jeder, der einen Schekel gibt, weis?, dass man eine Kommission nach Ostafrika entsendet. Warum könnte dann das Schekelgeld nicht dazu gebraucht werden? Es ist auch lächerlich, der Bank zu verbieten, ihre Mittel zu diesem Zwecke zu verwenden.Ich sage nicht, dass die Bank jetzt das Geld in Ostafrika verwenden solle; wenn die Kommission aber das Projekt gutheisst, wäre es absurd zu sagen, dass dasKapitalder Bankvon der Vervrendungfür die Kolonie ausgeschlossen sein muss. Wie will man denn eine Kommission entsenden, wenn sie finanziell gebunden ist? Ich fürchte, wir werden ausserhalb unserer Reihen um Geld bitten müssen. Ich bin nicht stolz, aber ich fürchte, dass, wenn wir einmal die Hilfe anderer benötigen werdeD, jene uns auch Bedingungen auferlegen werden, die den nationalen Charakter unserer Bewegung — das Wichtigste an der Sache — schmälern werden. Es gibt manche Juden, die nichts gegen die Kolonisation haben, aber es nicht gerne sehen, dass unser Volk sich von den übrigen unterscheidet. So Mr. Lucien Wolf, der in der „T i ni e s" meinte, wir hätten keine anderen Sitten, als die schmutzigen Gewohnheiten von Russland und Polen. Ich sage, der Kongress hat einen schlechten Schritt getan, als er Dr. Her zl die für die Ausführung des Projektes nötigen Fonds vei weigerte, weil das ihn zu denen lenken könnte, für die Mr. Wolf spricht Der Kongress hat für die Kommission gestimmt, und wenn er es schon getan hat, hätte er für die Ausführungsmittel stimmen müssen . . . Mr. Green b er g schlösse mit den Worten: „Ich hoffe, dass diejenigen, die dem Projekt feindlich sind, sich es noch ernstlich überlegen werden und es möglich finden werden, mit uns zu gehen. Sie können schliesslich nicht taub sein dem Schreien ihrer Brüder gegenüber. Eben, weil ich an das Projekt glaube, und weil ich glaube, dass diese Kolonie unserem Volke eine unschätzbare Hilfe leisten wird, stimme ich dafür/*) * Wie sich die öffentliche Meinung in Britisch-Ostafrika, insoferne es eine solche gibt, dem Ostafrikaprojekte gegenüber verhält, darüber belehren uns Nachrichten, die wir teils den ostafrikanischen Blättern selbst, teils dem „ Jew. Chron.tf entnehmen: Der „African Standard", der in Mombasa erscheint, veröffentlichte am 29. August einen Leitartikel, der *) Anm. der Redaktion: Diese Ausführungen decken sich durchaus nicht mit den Anschauungea des Aktions- Komitees. " ' dieser Frage gewidmet ist. Schon der Titel des Artikels zeigt seine Tendenz zur Genüge an. „Die Beute des Ausbeuters" heisst der Artikel. Unter anderem sagt er folgendes: Zum allgemeinen Unbehagen wurde es bekannt, dass der beste Teil des Schutzgebietes den Anführern der zionistischen Bewegung vom Staatesekretär ohne weiteres angeboten worden ist. Man trug gar kein Bedenken, man zog keineswegs die Wünsche der schon angesessenen Siedler in Betracht. Niemand hatte die leiseste Ahnung von den Unterhandlungen. Der Handel wurde in der DowLing-Slreet — oder vielleicht gar in der Lombard-Street — (gemeint ist die Firma Rothschild. Die Red.) abgeschlossen, und erst nachträglich wurde es dem britischen Siedler in Britisch-Ostafrika gestattet zu erfahren, dass seine einzige kostbare Landflache den Zionisten übergeben wurde. Als ein Protektorat ist Britisch- Oitafrik;a weder Fisch noch Fleisch. Der Kolonialsekretäi mag es als einen „unentwickelten Staat* betrachten, das Foreign Office möchte sicherlich wissen, was er eigentlich meint. In den Augen des Foreign Office ist Britisch-Ostafrika keine Kolonie und hat nicht einmal die Möglichkeit, je eine zu werden. Es ist ein Sport der hochmögend^n Herren in den Stunden der nachmittäglichen Pnilantropie. Zwischen Nairobi und Mau E«carpment ist, wie «s uns bekannt ist, einer der besten Weidegründe der Welt gelegen. Es wird kanm eine Uebertreibung sein, wenn wir behaupten, dass 75 Akres von Hundert in diesem Gebiete fünf Schaff auf einem Akre ernähren können. Es ist. des Weissen Land. Es ist eben das einzige Gebiet im Protektorate, welches dem Kapital und der Mühe des Siedlers sofort Entgelt bringt. Hier haben auch, bescheiden wie sie , waren, die Kolonisationsversuche der Weissen in Britisch-Ostafrika begonnen. Streichen sie dieses Gebiet von der Kart* und eines der besten Anziehungsstücke für den englischpn oder südafrikanischen Farmer ist dhmit verschwundep. Lord L a n d s d o w n e verwandelte dieses ganze Gebiet in einen Spielraum für Philantropen. Wir wollen nicht missverstanden werden. Wir haben nichts gegen die Anwesenheit der Juden in der Kolonie — denn eine solche existiert nicht bloss dem Namen nach. Wir widei setzen uns aber entschieden gegen die ihren rechtmässigen Eignern zugedachte Entäu serung des besten Teils der Kolonie. Das Ufergebiet (das heisst, der ungesundeste und für Europäer unhewohnbare Landstrich. Die Red.) bietet mehr als eine Gelogptiheit für die Zionisten und ihre Schützlinge. Das Hochland ab^r ist für ganz andere Personen und Zwecke nötig. E* n uss ein Stützpunkt für die britische Siedlung werden — und dazu braucht man Menschen mit Muskeln, Nerven und Kenntnissen. Es liefen eine Zeit lang Gerüchte herum, dass ein grosser Kolonisationsplan im Zuge sei, und zwar die Einführung von Menschen and Geld aus Südafrika. Und nur nach der Gegend, die zwischen Nairobi und Mau liegt, können sie gebracht werden. — Dies ist somit die Tragweite des fürstlichen Geschenks des Lord Landsdowne auf Unkosten der britischen Steuerzahler und der britischen Siedler." Diesem Artikel folgten noch andere und schärfere. Auch die massgebenden Persönlichkeiten . dieses Landes sind dem Projekte feindlich. So fand eine zu Protestzwecken einberufene Volksversammlung in Nairobi am °29. August in dem Uganda Railway-Institute statt, Den Vorsitz führte Dr. Atkinson. Alle Redner waren gegen das Projekt, und keine Stimme erhob sich, um es zu befürworten. Die dort geführten Reden waren direkt antisfmitisch. So z. B. sagte Dr. Atkinson, dass die Juden sich überall als Schädlinge erwiesen und rlass si» auch für Ostafrika unheilbringend sein werden. Mr. T. A. Wood meinte, die Juden seien die niedrigststehenden unter allen Weissen, und konnte nicht begreifen, wie das „Foreigne Office" auf den Gedanken kommen konnte, ihnen dieses Anerbieten zu machen. Wenn es schon unbedingt nötig fei, eine jüdische Kolonie hier zu gründen, wäre es nicht besser, ihnen irgend einen Felsen, sagen wir in der Penditigoßrend oder im Norden von Kenia zu geben? Es sei eine Pflicht Her Bevölkerung, den Einzug der Juden zu verhindern. Noch antisemitischer sprach Mr. Mc. L eil an und Wilson. Dieser sagte sogar, die Juden würden von den Negern, den Eingebornen des Landes, sofort als eine von den Europäern' verschiedene Rasse erkannt und verachtet werden, was auch zu dauernden und blutigen Unruhen führen würde. Schliesslich wurde von Mr. Wood folgen dB Resolution[vorgeschlagen r < n <h ^h<>:

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