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Die Welt · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Article
Die Rede Zangwills
Date
1903-09-11
Page
7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 „bie & w*it" Seite 7 derschaft Israels ihre Zusammenfügung empfangen wird! Blut ist dicker als die Tinte eines Roman - Schriftstellers. Das Schlimmste an dem Umstand, dass Mr. Wolf diese tote Erinnerung wachgerufen hat, ist, dass dieser naive alte Plan in. der Presse bereits als eine jüdische Kolonie figuriert, so dass man uns sogar schon diesen Misserfolg aufgebürdet hat! Die Arbeit ist auch ohnedies nicht leicht. Wenn auch der Tag, an dem wir Britisch-Ostafrika erlangen werden, nicht so schrecklich sein wird, wie der, an dem wir Palästina bekommen werden, wird er noch schrecklich genug sein. Er ist ja wahr, es werden uns viele religiöse Schwierigkeiten mit den mohammedanischen und christlichen Sekten, viele politische Schwierigkeiten mit den eifersüchtigen Nationen, erspart werden, ohne von der verhältnismässigen Oede Palästinas zu sprechen; aber immerhin, auch in fruchtbaren Gegenden ist Kolonisation keine leichte Aufgabe. Mr. Arnold. White prophezeit Misserfolg. Er erinnert uns, dass wir keinen Absatzmarkt für unsere Erzeugnisse haben werden. Ich bin froh, dass man uns auf jegliche Schwierigkeit aufmerksam macht. Wir dürfen nicht die Fehler des Baron Hirsch wiederholen. Bis die Kommission nicht zurückkehren, einen günstigen Bericht bringen, alle Mittel zur Ueberwindung der Schwierigkeiten angeben wird, wird ja aber weder ein Versuch gemacht, noch wird überhaupt die Sache früher dem Kongress vorgelegt werden. Nur die Anfänge der Kolonisation sind schwer. Das grosse venetianische Reich begann mit einigen Hütten von Flüchtlingen in einem Morast. Wie Mr. Herbert Samuel bemerkt hat, ist es erst die Frage, wie die Kolonisten beschaffen sind. Wenn anfangs nur die richtige M.enschenkla.sse nach Jüdisch-Ostafrika gehen wird, werden die übrigen von selbst nachkommen. Nicht Geld, sondern Menschen. Kolonien werden nicht gemacht; wie Bäume^wachsen sie aus einem kleinen Samen hervor. Diese einfache Wahrheit hat die Ica nie begriffen. Nun. ist aber der Ica die Möglichkeit geboten, sich zu bewähren. Die Ica hat immer vorgeschützt, dass wenn sie auch nicht gedeihende Kolonien aufzuweisen hat, sie doch Schulen und Farmen zur Heranbildung von Kolonisten geschaffen hat. Ihre Methode war eigentlich ein Umweg, da ja die meisten ihrer Zöglinge nie emigrierten; aber der Standpunkt der Ica war einmal der, dass, wenn sie auswandern sollten, sie gute Kolonisten werden könnten. Dieser Standpunkt erinnert lebhaft an die famose Mrs. Brown, die einmal eine Kupferplatte, worauf der Name Simpson eingraviert war, gekauft hat. Auf die Frage, wozu sie Geld auf unnütze Dinge verschwende, erwiderte sie, dass Herr Brown sterben und sie einen Mann mit dem Namen Simpson heiraten könnte, so dass dann die Kupferplatte gerade passen würde. Nun öffnet sich die projektierte jüdische Kolonie diesen Kolonisten und wir müssen von der Ica fordern, sie zu zeigen und zu beweisen, dass sie wirklich existieren. Ich würde schon nicht mehr Geld von der Ica verlangen, sondern Menschen. Ich lasse ihr ihre Millionen — uns gebe sie ihre geschulten Arbeiter. Es war auch einer der schwachen Punkte der Ica, dass es unmöglich ist, im allgemeinen Kolonisten zu erziehen., da die Bedingungen jeder einzelnen Kolonie variieren. Aber wenn schon einmal erkannt worden ist, was für spezielle Art der Arbeit uns nötig ist, so könnten die Schulen der Ica das russische Material zur Ausfuhr für unsere Zwecke vorbereiten. So wäre eine Verbindung zwischen den Schulen und der Kolonisation eingetreten, meine Kritik wäre zu Ende und Friede und Glückseligkeit wäre überall. Mit der Hilfe von ganz Judäa, mit einem tüchtigen jüdischen Gouverneur an der Spitze, wie es z. B. Sir Henry Matthew Nathan ist, der an der entgegengesetzten Küste Afrikas England so grossen Nutzen bringt, könnten wir eine Kolonie gründen, die nicht nur für Israel ein. Quell, von Stärke sein würde, sondern, auch für das Britische Reich, eine Kolonie, die loyal der britischen Flagge anhänglich wäre wie keine zweite, eine Kolonie, die an der Ausbreitung der Zivilisation von Kairo bis zum Kap mitwirken würde und. die auch im Falle, dass Palästina von unserem Volke wieder bewohnt werden wird, eines der leuchtendsten Juwele der britischen Krone bleiben wird. Denn da die Briten, als ein alttestamentarisches Volk, dieselben politischen und moralischen Ideale wie Moses haben, kann zwischen den Institutionen, die wir einrichten wollen, und denen der britischen Regierung kein Gegensatz entstehen. Zwei Zentren jüdischer Kraft. Auch würde die Schaffung einer solchen Kolonie keine so grosse Diversion der zionistischen Arbeitskraft sein, wie man dem ersten Anscheine nach meint; denn wir würden die Mithilfe der Millionen der nichtzionistischen Juden gewinnen, während die älteren Zionisten für Palästina weiter arbeiten werden. Die älteren Zionisten müssen aber noch bedenken, dass Palästina sämtliche Juden nicht fassen kann und es deshalb für zwei Zentren der jüdischen Kraft Raum gibt, obwohl mehr als zwei unsere Kraft zersplittern würden. Wenn man an das rapide Wachsen von Südafrika denkt, kann man vernunftgemäss auch erwarten, dass eine Generation einen grossen Umschwung in. Ostafrika machen wird, und dass in sehr kurzer Zeit die zionistische Energie, nachdem sie einmal das Problem der Zufluchtsstätte für die Bedrückten gelöst hat, sich wieder frei auf Palästina konzentrieren wird. Und nicht nur frei wird sie sein, sondern auch gestärkt durch die Kolonie, die sie geschaffen, und die Erfahrung, die sie gewonnen hat. Das Wesen des Baseler Programmes. Man hat aber gesagt, und ich komme zum letzten Einwand, dass die Schaffung eines jüdischen Kraftzentrums in Ostafrika gegen das Basler Programm ist. Das ist aber nicht der Fall. Wenn dem aber auch so wäre, so könnte es für mich persönlich nur von geringem Belang sein. Ich bin ein Anhänger des Basler Programms, nicht weil es das Basler Programm ist, sondern wreil es das beste Programm ist. Und was besagt das Programm? Gut, Ihr könnt seinen Hauptpunkt jede Woche auf dem Titelblatte der „Welt", des Organes des Zionismus, nachlesen. Sagt er, dass der Zionismus die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina ist? Nein. Er sagt, der Zionismus sei das Strebe n zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Und. wird, noch jemand es wagen, mir zu sagen, dass unser letzter Plan nicht ein Streben, zu diesem Ziele ist? Wird, jemand behaupten, dass die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk irgendwo nicht bereits ein halber Weg zur Erfüllung des Basler Programms ist? Ostafrika auf dem Wege nach Zion. In der Tat, die Tatsachen zeigen, schon, das Gegenteil; denn um zu schl.iessen, wie ich begonnen habe, hat uns nichts Palästina so nahe gebracht wie dieser Plan. Alle Bileanis, wie Sir Harry J o h n s t o n und Mr. Arn o l d White die Jüdisch-Ostafrika fluchen wollten, haben Palästina gesegnet und. sagten der Welt, dass es die einzige Lösung sowohl der Judenfrage als auch des dornenvollen politischen Problems bezüglich der Zukunft Palästinas ist, wenn rikri unseren« Volke sein altes Land, zurückgebe. Und auch das Ansehen der Zionisten wurde erhöht. Unter dem Stimulus der ostafrikanischen Kommission wurde am Kongress der Wunsch nach einer wissenschaftlichen Erforschung des heiligen Landes der Realisierung nähergebracht, zum erstenmal skizzierte eine Autorität in Kolonisationsiragen Dr. Franz Oppenheimer, einen praktischen Plan der Kolonisation Palästinas; subsidierte der Kongress die Jerusalemer Bibliothek und. beschloss er, dass jeder zionistische Verein, jährlich wenigstens 3 R. beisteuere. Und das letzte Bild, das ich vom Kongress behalten habe, war das Herabsinken der Sabbatruhe nach den Stürmen der Woche und zwei schöne kleine Mädchen in roten Kleidern, die vor einer entzückten Versammlung hebräische Lieder sangen.

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