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Die Welt · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Article
Generalversammlung der Aktionäre der jüdischen Kolonialbank in Basel
Date
1903-09-04
Page
4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „bi* & weit Nr. 36 Hr. CI1 a s s. Er teilt mit, dass es seiner Ansicht nach nicht günstig ist, dass 2 Prozent Dividenden verteilt werden, wenn mehr als die Hälfte auf Spesen aufgeht. Er bitte die Herren, gute und viele Geschäfte zu machen. (Heiterkeit.) Dr. W orts m ann: Ich habe ein paar Fragen an das Direktorium. Schon mehreremale wurden Stimmen vernommen, dass es für unsere Bank von grosser Wichtigkeit wäre im East-End von London, in Whiteehapel, wo 100 000 Juden wohnen, eine kleine Filiale zu errichten. Ich war voriges Jahr 3 Monate in London. Da sagte man mir, dass es der Wunsch und das Bedürfnis von Tausenden von Juden wäre; denn von Whiteehapel zur Bank ist es 40 Minuten zu gehen. Ich kann das beweisen. Ein früherer Sekretär unserer Bank, James Loewe, hat sich von einer jüdischen Bank, der Internationalen Bank, engagieren lassen und in Whiteehapel eine Filiale eröffnet. Diese Bank hat in sämtlichen. Zeitungen annonciert und ein zionistisches Blatt, der „Jehudi", hat es gewagt, sie im Text zur Unterstützung zu empfehlen. Ich frage also: Gedenkt das Direktorium in der nächsten Zukunft dort eine Filiale zu gründen? Eine kleine Office, mit 1 oder 2 Angestellten, wäre genug für die erste Zeit. Die zweite Frage ist, ob es dem Direktorium bekannt ist, dass in der jüdischen Kolonialbank antizionistische Beamte angestellt sind. (Unruhe.) Ich will damit nicht sagen, dass man unbedingt nur Zionisten anstellt; wir müssen selbstverständlich Leute haben, die ihre Sache verstehen. Aber wir haben in der antizionistischen Presse viele Verleumdungen über die Bank hören müssen; vielleicht stammen diese Verleumdungen von den antizionistischen Angestellten unserer Bank. Noch etwas anderes. Als ich in London war, haben mir Hunderte von schlechter Behandlung seitens der Bankbeamten gesprochen. Wenn ein einfacher Jude kommt, lässt man ihn eine halbe Stunde, 40 Minuten sitzen und dann sagt man ihm: „Was du willst, können wir überhaupt nicht." Das kann nur daher stammen, dass vermutlich antizionistische Beamte angestellt sind. Präsident Wo 1 f f s o h n: Ich bitte Sie : Wir sind in einer General- und nicht in einer Volksversammlung. Tratsch und Klatsch tragen wir hier nicht vor. Haben Sie das persönlich gesehen oder nur von anderer Seite gehört? Wir haben keine antizionistischen Beamten. Dr. W orts m a n n: Sie haben alle gehört, dass ich gesagt habe : So und so viel Juden erzählen das. Wenn Hr. Wolffsohn das als Klatsch betrachtet, ist es seine Sache. Ich frage, ob es wahr ist. Das Direktorium kann morgen, wenn es nach London kommt, die Sache untersuchen. Was ich persönlich erlebt habe — ich war selbst in der Bank, um (leschäfte zu machen, ganz kleine Geschäfte natürlich — ist, dass mich die Beamten an den Schaltern die erste Zeit, bevor sie wussten, dass ich mit Herrn Lewontin bekannt war, ganz anders behandelten als nachher. Es wird von 4 Delegierten ein Antrag auf Schluss der Debatte gestellt und von einem der Antragsteller mit Rücksicht auf die immer kürzer werdende Beratungsfrist des Kongresses zur Annahme empfohlen: Wir hatten gestern eine Nachtsitzung anberaumt, um alle jene Fragen der Bank und des Nationalfonds zu erledigen. Die Diskussion über die Bankfrage wurde eröffnet, aber niemand wollte darüber sprechen. Das heisst, die Kompetenz des Kongresses antasten. (Widerspruch.) Dr. Kosen bäum ist gegen die Annahme: Wenn wir im Kongresse über die Bank sprechen, sagt man uns, das ist Sache der Generalversammlung. Wir werden darauf bestehen, dass der Kongress noch verlängert wird. Wir müssen uns doch aussprechen. Der Antrag wird abgelehnt. K o 11 j a r wünscht, dass die Berichte über die Bilanz der Bank nicht nur in den Zeitungen, sondern inBroschürenform veröffentlicht werden und dass die Bank Diskontokassen einrichtet, wo auf die Aktie 3—4 Rubel gegeben werden. Vogelsohn: Sie beklagen sich über die Tätigkeit der Bank in London. Das ist kein Wunder. Denn unsere Direktoren, die bei sich zu Hause die grössten Geschäfte führen, wären in London durch Kautschukstempel zu ersetzen. Wir müssen einen Direktor haben, der für die Bank dieselben Opfer bringt, wie unser Führer für die Sache. Unser Präsident soll einfür alleniale wissen, dass wir an ihn appellieren, er solle seine Geschäfte aufgeben und sich mit unserer Bank bisfassen. Ich rate zur grössten Vorsicht bei der Eröffnung" einer Filiale in Amerika. Wur dürfen nicht vergessen, dass wir dort schon eine Institution haben, die Karmelgesellschaft. Diese hat, während die Karmelgesellschaft von Warschau 12 Prozent Dividende gibt, 20 Prozent von ihrem Grundkapital verloren. (Unruhe.) Die Bank sollte aber eine Filiale in London eröffnen, dort, wo wir mit so kleinen Mitteln arbeiten, wo wir die Grossen sein können. Aber wir sehen, wie sehr wir den Londoner Beamten auf die Finger sehen müssen: Unser früherer Vertrauter hat eine eigene Bank errichtet mit einem Bankschild in jüdischen Lettern. Er kauft unsere Aktien und verkauft sie wieder zu niedrigeren Preisen. Es wird der Antrag gestellt, die Redezeit auf 3 Minuten zu beschränken. Dr. Eosenbaum bittet ihn abzulehnen. Der Antrag wird angenommen. S c h a p i r a, London, bemerkt, dass die Ausgaben der Bank, 3276 Lst., im Verhältnis zu den Geschäften zu gross sind. Er tadelt das Gebaren James Loewes und empfiehlt die Gründung einer Filiale im jüdischen Viertel Londons. Scheinkin (Jargon) : Wir wollen nicht die Sache der Bank mit der von Ostafrika verbinden. Wir sollen keine Filiale in Ostafrika eröffnen. Dr. H e r z 1 will weder von Anleihen noch einer andern Form etwas wissen. Wir sind doch nicht gewohnt, Umwege zu machen. Wenn wir das sagen, so ist verstanden weder Anleihe noch Aufwendung in irgend einer Form. Präsident Wolffsohn: In der ganzen Zeit haben wir noch nicht einen Pfennig Verlust. Mehr kann ich nicht sagen. Dr. Herzl: Ich halte das für die wichtigste Erklärung der Generalversammlung, dass die Bank noch nicht einen Pfennig verloren hat. Nosinsky (Jargon) ist nicht zufrieden mit der Agitation der Kolonialtrust. Als der Redner auf Einzelheiten eingeht, ruft der Präsident Wolffsohn : Das gehört nicht daher. Ruf: Das ist aber wichtig zu hören! Präsident Wolffsohn: Ich mache den Redner darauf aufmerksam, dass die Zeit abläuft. Er soll sich einrichten. Redner spricht weiter, ist aber unverständlich. Boiukanski: Ich möchte das Direktorium um Einiges fragen. Das autorisiserte Aktienkapital soll zwei Millionen Rubel betragen. Jetzt sehen wir, dass wir nur 241 113 Lst. besitzen. Ich möchte das Direktorium fragen, was es tun will, um das Kapital zu bekommen. Im ganzen Bericht habe ich kein Wort gehört, was das Direktorium zu tun gedenkt. Man kann sagen, dass es nicht eine Sache des

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