Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 36 (4.9.1903)
- Article
- Generalversammlung der Aktionäre der jüdischen Kolonialbank in Basel
- Date
- 1903-09-04
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 36 „bit'jec.wtit" Seite 3 torium die Bitte richten, zu berücksichtigen, unter welchen Bedingungen in Johannesburg eine Filiale errichtet werden könnte. Ich habe schon vor zwei Jahren geäussert: In Südafrika liegen die Verhältnisse sehr günstig und ich bin überzeugt, dass man einen grossen Teil des Kapitals in Südafrika selbst aufbringen würde. Präsident Wolf f söhn : Es kommt an die Reihe der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Dr. Herzl : Zur Frage der Filiale will ich Ihnen mitteilen, dass ich mich bemüht habe, den Wünschen unserer Organisationen, soweit sie zu meiner Kenntnis gekommen sind, zu entsprechen. Selbstverständlich geht mich die geschäftliche Einrichtung und die geschäftliehe Verwaltung der Sache nichts an; dazu haben Sie Ihr Direktorium. Bei meiner Anwesenheit in Petersburg, wo ich das Vergnügen hatte, den sachverständigen Eat und die Unterstützung unseres verehrten Freundes, des Direktors Katzenelsolm, an meiner Seite zu haben, habe ich im Vereine mit ihm die Erlangung einer Aussicht für die Wiederzulassung des Verkaufes der Shares in Kussland und Errichtung einer Filiale in Kusslanderhalten. Die Sache ist noch nicht zum Abschluss gekommen, ist aber auf gutem W<ege und wird vielleicht in kurzer Zeit eine wirkliche sein, wenn das alles zutrifft, was mir von kompetenter Stelle in Aussicht gestellt worden ist. Ein zweiter Wunsch ist schon seit mehreren Jahren in einer unserer Organisationen, die, glaube ich, eine grosse Zukunft hat, wenn wir sie pflegen, nämlich in Amerika, laut geworden, und besonders trat dieser Wunsch hervor auf der letzten Konvention in Pittsburg. Da hat die amerikanische Föderation den von einzelnen Vereinsgruppen geäusserten Wunsch, dass eine Filiale im East-End von New-York, wo 600 000 Juden leben, errichtet werde, in Berücksichtigung gezogen, und ich glaube, dass die Erfüllung dieses Wunsches verspricht, die Bank zu stärken. Der Aufsiehtsrat hat gestern auch beschlossen, diese Filiale nach Massgabe der Möglichkeit zu errichten. (Beifall.) Ich glaube, Sie werden diese Mitteilungen nicht ungern hören. Hr. Dr. Farbstein : Die letzte Generalversammlung hat zum Bericht der Auditors zwei Revisoren gewählt, der eine, Herr Jakob Herz, hat die üebernahme abgelehnt. Ich habe die Sache geprüft und teile Ihnen meinen Befund mit. Abgesehen von diesem Berichte habe ich dem Aufsichtsrat noch einen speziellen Bericht gegeben. Meine Vorschläge, resümiert, sind: 1. Bei der mikroskopisch geringen Zahl demjenigen Aktionäre, von denen § 99 spricht, wäre es unbedingt nicht notwendig, dass der § 99 des Statuts stehen bleibt; denn wenn wir Filialen gründen wollen in Amerika, Kussland, Palästina, so glaube ich, dass es nicht in Betracht kommen kann, ob diejenigen, welche an der Spitze stehen, 500 Aktien haben oder nicht, sondern ob sie zu ihrem Amte fällig sind. 2. Ich würde es dem Direktorium empfehlen, zu prüfen, einen Ausschuss aufzustellen, der während einiger Wochen in London sein soll. Man sollte diejenigen, welche gewählt sind, öfters nach London schicken, denn aus den Berichten, die man am grünen Tische empfängt, kann man nicht genug ersehen. Vielleicht kann der Posten „Reisespesen" etwas höher genommen werden. Meines Erachtens ist der Posten „Saläre" etwas zu hoch. Es kommt da in Betracht, dass die Bank am Samstag und Sonntag geschlossen ist und somit ein Fünftel der Arbeitszeit verloren geht. Man soll eventuell die Frage in Betracht ziehen, ob nicht die Bank am Sonntag arbeiten soll; dann könnte man ein Fünftel der Angestellten entlassen. Das Direktorium empfiehlt einen Gewinn von o Penees per Aktie; nach meiner Ansicht ist es kein Unglück, wenn im ersten Geschäftsjahre von der Ausrichtung einer Dividende Umgang genommen wird. 3. Die Mitglieder des Direktoriums sollten nach einer festzusetzenden Zeit mindestens einmal jährlich in London sein, dann werden sie einen Einblick in den Geschäftsgang bekommen und endlich, dass dem Direktorium für das Jahr 1902 eine Entschädigung für Zeitverlust im Gesamtbeträge von 600 Pfd. St. ausgerichtet werde. Als letzter Antrag: dass Sie dem Direktoriuni unter bester Anerkennung der geleisteten Dienste Decharge erteilen. Ich habe geschlossen. (Beifall.) Präsident W o 1 f f s o h n : Es sind jetzt mehrere Anträge eingelaufen: auf Schluss der Kednerliste, auf Schluss der Debatte usw. Ich mache Sie aufmerksam^ dass noch 30 Kedner zum Worte gemeldet sind und möchte darüber die Generalversammlung selbst entscheiden lassen, ob wir die Kednerliste, respektive die Debatte schliessen sollen. (Kuf aus der Versammlung: .Nach dem Referate von Dr. Farbstein ist eine neue Frage da, über die gesprochen werden muss. Ich beantrage, dass man Generalredner wählt.) Der Antrag auf Schluss der Debatte wird abgelehnt. Präsident W. o 1 f £ s o h n : Hr. Koschäzky hat einen Antrag gestellt, der muss zur Abstimmimg gebracht werden. Dann werde ich über den Antrag auf Schliessung der Kednerliste abstimmen lassen. Wer dafür ist, dass die Kednerliste geschlossen wird, erhebe die Hand. (Geschieht.) Der Antrag ist angenommen. Das Wort hat Hr. Dr. Wahrhaftig. Hr. Dr. Wahrhaftig: Es sind vom letzten Kongresse Beschlüsse gefasst worden, weiche teilweise dem Aufsiehtsrate zur Erledigung überlassen wurden und über welche wir weder vom Direktorium, noch sonst, Auf schluss erhalten haben. Das geht nicht an. Da ist z. B. ein wichtiger Antrag von Mozkin, der damals sagte: „Ohne Rücksicht auf die Anzahl der von ihm besessenen Aktien soll jeder Aktionär bei der Generalversammlung nur eine Stimme haben können." Es scheint, dass dies nicht der Fall ist, und es ist doch ein Antrag, über den viel gesprochen wurde. jSam haben wir nicht gehört, ob dieser Antrag vom Aufsiehtsrat verhandelt wurde. Nach langer Debatte wurde damals auch gesagt: „Es ist Beschluss des Kongresses, im Protokoll des letztern möge vermerkt werden, dass lebenslängliche Shares niemals abgegeben werden"; diesbezüglich möge das Statut so geändert werden. Das ist aber nicht geschehen, sondern nur die lebenslänglichen Shares wurden von nun an abgeschafft. Oft werden jedoch nur solche verlangt und auf unsere Mitteilung hin, dass sie nicht mehr existieren, wird einfach auf die Statuten hingewiesen. Deswegen müssen wir darauf beharren, dass die Statuten umgeändert werden dürfen und sollen. Es kommt ein Punkt, der noch wichtiger ist. Sie wissen, dass am 5. Kongress beschlossen worden ist: das A.-C. hat sich mit dem Direktorium der Jüdischen Kolonialbank dahin zu verständigen, dass aus den verfallenen Anzahlungsgeldern ein Teilbetrag dem A.-C. zur Verfügung zu halten ist. Es hat lange Zeit gekostet, bis man zu dieser Erschliessung gekommen ist, und nun. hat man uns nicht gesagt, wie viele Gelder auf diesem Wege gefallen sind, wie viel dem A.-C. zur Verfügung gestellt werden soll; denn es heisst weiter: „Vorbehalten der Genehmigung durch die Generalversammlung." Jetzt wollen wir Schritte machen, die Gelder sind notwendig und wir beantragen, dass sie dem A.-C. zur Verfügung gestellt werden sollen. Ich vermisse hierauf die Antwort des Direktoriums und bitte um Aufklärung.