Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 36 (4.9.1903)
- Article
- Generalversammlung der Aktionäre der jüdischen Kolonialbank in Basel
- Date
- 1903-09-04
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „bi* # Welt11 Nr. 36 Der Direktor verliest den Bericht des Direktoriums (.siehe letzte Nummier unserer Separatausgabe) und eröffnet hierauf die Diskussion hierüber. Dr. Arschawski: (Präsident: Dr. Farbstein ist von der vorigen Generalversammlung zum Revisor ernannt worden und er könnte sofort seinen Bericht geben. Aber da er nicht liier ist, sprechen Sie.) (spricht russisch) meint, dass er von Finanzen nichts verstelle. Er erlaube sich daher über deren Wesen kein Urteil, wohl aber über die Art und Weise, wie die Sache gefördert worden ist. Die Bank habe gut angefangen, aber die entsprechenden Sehritte nicht getan, um sich möglichst populär zu machen. Jahrelang wartete man. Es gab keine Dividende. Man müsste wenigstens alle Halbjahre dem Volke mitteilen, wie die Sache steht. Er meint, das Verbot der Einfuhr habe nicht den geringsten Einfluss auf die Verbreitung der Aktien gehabt. Denn man hat sie vor dem Verbot nicht mehr gekauft. Man konnte die traurige Erscheinung wahrnehmen, dass eine Aktie für 5 Rubel verkauft wurde. Um dem abzuhelfen, müsse man gerade jetzt eine Dividende, wenn auch eine noch so kleine, dem Volke geben. Er ist davon überzeugt, dass ein grosser Teil der Aktionäre davon nicht den geringsten Gebrauch machen werde. Aber gegeben muss sie denselben werden. L. P i n e s äussert sich im Sinne des Vorredners. Ginzburger - Riga stellt den Antrag, dass man die Dividende dieses Jahres dem Nationalfoiids zuweisen soll (Widerspruch), nicht als Obligatorium, aber um den nichtanwesenden Aktionären ein Beispiel zu geben. Aschkenasi befürwortet die Auszahlung einer Dividende aus finanziellen Motiven. Es gibt in Russland ein Gesetz, das ausländische Bankaktien, wenn sie drei Jahre lang keine Dividende geben, verbietet. Das soll im Interesse der Verbreitung der Aktien verhütet werden. K a r r fragt das Direktorium, warum es einen Besch luss der Generalversammlung der Aktionäre verändert hat und den Aktionären, welche bloss eine Rate bezahlt haben, nicht mehr das Recht gibt, später die rückständigen Raten zu bezahlen. Sodann teilt er mit, dass in Rumänien, wo sich 30 000 Aktien befinden, die jüdische Kolonialbank verdächtig geworden sei, weil in keiner rumänischen Zeitung je ein Bericht über ihre finanzielle Situation erschienen sei. Auch sei im vorigen Jahre, im Oktober, bei der Versammlung des grossen Aktionskomitees, daselbst angegeben worden, die Jüdische Kolonialbank zahle eine Dividende von 3 Prozent. Auch in der „Welt" habe etwas darüber gestanden. Daraufhin habe man in der Hoffnung, wenn man im. Oktober von Dividenden spreche, würden sie im Jänner nach Beendigung des ersten Aktivitätsjahres der Bank kommen, zu agitieren angefangen, dass man diese Dividende für den jüdischen Nationalfonds spenden solle. Er bitte das Direktorium, nicht mehr zu kommen und eine Dividende zu versprechen, die erst 10 Monate später beschlossen werde. Das bringe Verdächtigung hervor und habe bewirkt, dass die Bank seit zwei Jahren nicht mehr als ein paar Tausend Shares verkauft hat. Er beantrage, dass die Jüdische Kolonialbank wenigstens alle sechs Monate eine ausführliche Bilanz über ihre finanzielle Situation in allen Zeitungen der Länder, wo viele Shares verschlissen worden sind, in russischen, hebräischen, rumänischen, auch englischen usw. Zeitungen veröffentliche. Präsident Hr. W o 1 f f s o h n: Das Direktorium hat Lis jetzt noch keine Nachzahlung zurückgewiesen. Speziell aus Rumänien sind an uns Anfragen gelangt, ob wir die Zahlung in späteren Jahren vielleicht annehmen würden. Daraufhin haben wir jeweils einem bestimmten Termin gestellt. Sodann, wenn es Ihr Wunsch ist,-werden regelmässig die Finanzen öffentlich ausgewiesen werden. Ich glaube aber, es ist unmöglich für uns, in sämtlichen Zeitungen der Welt diese Sache zu annoncieren. Es ist genügend, wenn dies in der „Welt" geschieht. Jeder Zionist kennt diese Zeitung; die anderen Zeitungen, die daran ein Interesse haben, können diese Annonce abdrucken. Ein Antrag Rosenbaums auf Beschränkung der Bedezeit auf 5 Minuten wird angenommen. L. We i z mann : Ich muss die Bemerkungen meiner Vorredner aufrechterhalten; denn das Prestige der Jüdischen Kolonialbank ist gefallen. Die Antwort, die der Vorsitzende gegeben hat, halte ich für unzureichend. In der „Welt" hat man wohl von Zeit zu Zeit eine kurze Bilanz gesehen; Aber in unserem Falle, wo die Aktionäre nicht immer Bankiers sind, sollte eine motivierte Bilanz unterbreitet werden. Ein Herr hat vorgeschlagen, wir sollten auf die Dividende verzichten. Ich glaube, dass auf einer Versammlung von Aktionären nicht anders als geschäftlich gesprochen werden sollte. Man wirft uns überall vor, dass unsere Aktien keine Wertpapiere sind. Wir müssen Dividenden verlangen und annehmen: das wird das Prestige erhöhen. Dann möchte ich noch Bescheid über einige Fragen. In der Bilanz wird bemerkt, dass von 32 516 Aktien, die nicht eingelöst sind, der Bank 33 000 Pfd. St. zugefallen sind, Weiter finde ich vor, dass als Reserve noch 4277 Pfd. St. vorhanden sind. Ich bitte Sie, mir zu erklären, wo' wir in der Bilanz diese 28 000 Pfd. St. finden. Ich nehme an, dass ein Teil dieses Geldes zur Deckung der Gründungsspesen der Bank verwendet worden ist. Aber soviel ich mich entsinne, haben die Gelder bedeutend weniger ausgemacht, umsomehr als seinerzeit — auf der Generalversammlung von* 1899 — bekanntgegeben worden war, dass auch grössere Beträge von verschiedenen Herren Aktionären dazu gespendet wurden. Folglich ist nur noch ein Teil der Spesen geblieben, der von diesen 28 000 Pfd. St. gedeckt werden sollte. Wo also ist der Eest? Ich möchte auch wissen, ob die „Vorschüsse von Bankiers und andere Vorschüsse" im Betrage von 26 500 in den Passiven der Bilanz gegen Zinsen geliehen worden sind oder unentgeltlich. Demi wenn die Bank für diese Vorschüsse Zinsen zahlt, begreife ich nicht, weshalb dies geschieht. Wozu diese Vorschüsse? Hir. Dr. Farbstein: Sie haben mit grosser Befriedigung das günstige Resultat des Betriebes der Bank entgegengenommen. Es ist so günstig, dass uns sogar vorgeschlagen wird, eine Dividende zu verteilen. Einer der Herren sagte: Als Aktionäre müssen wir verlangen, dass die Dividende verteilt wird. Ich sage: Als nüchterne Geschäftsleute müssen wir verlangen, dass diese Dividende dem Reservefonds gegeben wird. Er ist nicht gross und wir wissen nicht, was für Ereignisse eintreten können in diesem oder im folgenden Jahre. Der Vorschlag, dass die Dividende dem Nationalfonds übergeben wrerde, ist gesetzlich gar nicht durchführbar. Kein Beschluss einer Aktiengesellschaft kann mich zwingen, meine Dividende wegzugeben. Es ist ferner darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Bilanz der Bank einigemale jährlich veröffentlicht werden sollte. Da wir soviel Mchtgeschäftsleute unter den Aktionären haben, so bin ich überzeugt, dass eine derartige Veröffentlichung noch viel grössere Enttäuschungen verursachen würde als eine Veröffentlichung einmal im Jahre. Eine Bilanz ist nichts Effektives. Konsols usw. können in einem Monat mehr, in einem anderen weniger gelten. Solehe Veröffentlichungen können ein falsches Bild hervorrufen. Ich möchte jetzt noch einmal im Auftrage meiner Wähler, der südafrikanischen Föderation; an das Direk-