Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (29.8.1903)
- Article
- Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
- Date
- 1903-08-29
- Page
- 13 (sequence 9)
- Language
- German
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No. 6 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 13 werden das gerne tun; ob die Reichen, ist fraglich. Dann wurde vorgeschlagen, die Gemeinden heranzuziehen. Aber mit denen ist schlecht zu rechnen. Hr. Jacob Marein hat Nationalfondbüchsen vorgeschlagen. Ich möchte diesen Vorschlag in anderer Weise einbringen. Ich beantrage, eine freiwillige National fondsteuer einzuführen in der Art, dass jeder Schekelzahler eine Nationalfondbüchse erhalten soll von seiner Ortsgruppe. Wenn jemand innerhalb eines Jahres 10 Lst. in seine Büchse gesammelt hat, soll er die Berechtigung haben, ins goldene Buch eingetragen zu werden. (Beifall). Rabbiner Rabin owitsch spricht Jargon : Wer in Russland gewesen sei, wisse, dass das Aufstellen von Büchsen für den Nationalfond mehr schaden als nützen werde, da diejenigen, die in den Gemeinden sonst noch Büchsensammlungen machen, dadurch geschädigt und gegen den Nationalfonds erbittert würden. Wenn man dagegen grössere Markenwerte einführe, würden wir schneller und leichter grössere Summen zusammenbekommen. Dr. Freudenberg spricht russisch, wünscht unter anderm, dass der Ausdruck »Nachbarländer« näher bezeichnet werden soll, und ist für eine Kommission von 11 Personen. Frau Dr. Kritschew ski fragt die Kommission an; warum sie zwei Jahre gearbeitet und keine Legalisierungsformel gefunden habe und wundert sich, dass noch lang über Zweck und Zeitpunkt der Tätigkeit des Nationalfonds gesprochen werde. Sie macht auf die Mitteilung von Hrn. Diesenhof aufmerksam, dass nämlich in Palästina das Land nicht anders als durch Privatpersonen gekauft werden könne. Also bleibe uns müder dritte Antrag der Kommission. (Beifall). Rabbiner Reines- Lida spricht erst Jargon, dann Hebräisch. Er empfiehlt nicht zu warten, bis 200,000 Lst. beisammen seien, sondern gleich zu kaufen. (Wiederholter Beifall). Präs. Dr. Nord au: Wer für Aufhebung des Beschlusses ist, der die Redezeit auf 5 Minuten beschränkt, soll die Hand erheben. (Niemand stimmt dafür). Es liegen wieder drei Anträge vor. Die italienischen Delegierten und die Herren Farbstein und Klee, beantragen von neuem Schluss der Debatte ohne Anhörung der Redner. (Abstimmung: Schluss der Debatte angenommen.) Im Laufe der Erörterung ist eine Reihe von Anträgen schriftlich eingebracht worden. Ich werde sie der Reihe nach verlesen lassen, mache Ihnen aber auch den Vorschlag, sämtliche Anträge dem ohnehin zu bestellenden Ausschuss für den Nationalfonds zu weiterer Behandlung zuweisen zu wollen. Anträge Dr. Gh. Wortsmann. 1. Sollte der N. F. eine Stiftung werden, so soll man den Zweck derselben so beschliessen, dass man denselben nie ändern kann, nicht einmal die Stifter. 2. Sollte der N. F. eine Genossenschaft wTerden, so soll der Zweck nur dann geändert werden können, wenn alle Genossen dies verlangen. Motivierung: Wir haben bereits gestern gesehen, dass die Mehrheit eines Zionisten-Kongresses für Ostafrika gestimmt hat etc. 3. Das »goldene Buch« soll den Namen »Sefer Hasikoren« jVOTn 1SD bekommen. Anderer Antrag: Im Sinne der Nationalisierung des Bodens beantrage ich, den Antrag 2, Zeile 2 und 3 die Wörter »oder zu verkaufen« zu streichen. Antrag: Die Unterzeichneten beantragen folgenden Beschluss: Zu Gunsten des Nationalfonds soll ein einfaches, in künsterischer Form hergestelltes Blatt verkauft werden, das für Begrüssungs-, Glückwunsch-Telegramme etc. dienen soll. (Folgen die Unterschriften.) Antrag: Der sechste Zionistenkongress wolle beschliessen, durch Vermittlung der einzelnen Landsmannschaften einen Aufruf an sämtliche jüdische Gemeinden und Vereine der Welt zu erlassen, dass dieselben 2ü/0 ihres Jahresbudgets an den jüdischen Nationalfonds abführen. Antrag: Der Kongress beschliesst, es soll mit den Geldern des Nationalfonds Land in Palästina und den Nachbarländern angekauft werden. Schloposchnikoff beantragt, anstatt des Wortes »Nachbarländer« einzutragen »in Palästina und den Nebenländern«. Präs. Dr. N o r d a u. Ich schlage Ihnen vor, alle diese Anträge dem Nationalfonds-Ausschuss zur Beratung und der Beschlussfassung zu überweisen. (Dieser Vorschlag wird von den Geschäftsführern in die verschiedenen Sprachen übersetzt) Die Abstimmung ergiebt, dass der Antrag abgelehnt ist. Es werden die einzelnen Anträge zur Abstimmung gebracht. Antrag Zlatopolski: Sollte der Nationalfonds eine Stiftung werden, so soll der Zweck desselben für ewige Zeiten angenommen werden, sodass die Stifter selbst nichts ändern können. Präs. Dr. Boden heim er: Sie sind im Begriffe etwas Unmögliches zu beschliessen. Sie haben eine Nationalfonds-Kommission gewünscht; diese Kommission hat über das Statut beraten. Das Statut kann heute auf den Wunsch der russischen Mitglieder der Nationalfonds-Kommission nicht verwirklicht werden* weil die Herren eine Verschiebung wünschen. Nachdem das Statut noch nicht angenommen worden ist, so können wir unmöglich hier Dinge beschliessen, die davon abhängig sind, in welcher Form, in welchem Land der Nationalfonds gebildet wird. Wenn der Kongress beschliesst, dass, falls eine Stiftung geschaffen wird, in die Zwecksbestimmung und in die Statuten eine Bestimmung aufgenommen werden soll, dass dieser Zweck auf ewige Zeiten nicht geändert werden soll, dann stehen ihm die verschiedensten Gesetze in verschiedenen Ländern entgegen. Die Folge davon wäre, dass die Kommission erklären wird, sie könne kein Statut machen, und dann werden wir bis zum nächsten Kongress ohne Statut sein. Die Nationalfonds-Kommission besteht aus den Männern Ihres Vertrauens; Sie werden sie wählen, Ihre Instruktionen und Wünsche geben, und Sie können ihr das Vertrauen schenken, dass sie das richtige finden und beschliessen wird. Gegen Ihren Antrag muss ich mich wenden \ denn er wird der Nationalfonds-Kommission ihre Arbeit unmöglich machen. (Diese Ausführungen werden übersetzt.) Präs. Dr. Nordau. Der Antrag des Herrn Dr. Bodenheimer ist erstattet. Es handelt sich darum, jeden einzelnen Antrag dem zu wählenden Nationalfonds- Ausschuss zuzuweisen und die Erklärung desselben abzuwarten: ob keine juristischen Bedenken vorliegen, die die Ausführung unmöglich machen würde, und erst dann definitiv die Beschlüsse anzunehmen. (Es erfolgt die Abstimmung. Der Antrag Bodenheimer wird angenommen. Beifall). Präs. Dr. Nordau. Es wird Ihnen vorgeschlagen, einen Ausschuss von 9 Mitgliedern zu wählen, der sich mit allen den Nationalfond betreffenden Anträgen zu beschäftigen haben wird und dass diese Wahl morgen nach Beratung des Permanenz-Ausschusses vorgenommen wird.