Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (29.8.1903)
- Article
- Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
- Date
- 1903-08-29
- Page
- 14 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316026-3336617--37623-3336645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 6 (Der Vorschlag wird übersetzt und darüber abgestimmt. Er wird angenommen.) Präsident Dr. Nordau: Es wäre also morgen ein neuer Ausschuss für den Nationalfonds zu wählen. Dieser Ausschuss wird über alle ihm zuzuweisenden Anträge schlüssig werden. Dr. Bodenheiraer: Die Herren der Nationalfond- Kommission wünschen, dass der Kongress Beschlüsse fassen möge. Nachdem aber viele Anträge der Kommission überwiesen worden sind und unter diesen sich auch solche Anträge befinden, die eine Abänderung des Antrags der Kommission zur Folge haben, ist es unmöglich, dass der Kongress jetzt diese Anträge annimmt, denn sonst kann der Kongress die Anträge, die aus dem Plenum an ihn gelangt sind, nicht mehr prüfen und ich wünsche, dass die Nationalfond-Kommission volle Freiheit zur Prüfung der aus dem Plenum eingegangenen Anträge habe. Vorsitzender Dr. Max Nordau: Dr. Rosenbaum hat mich um eine Versicherung gebeten, dass die Kommission noch vor Schluss" des Kongresses die Beschlüsse zur Abstimmung bringe. Eine Versicherung kann das Präsidium nicht geben, denn es hat es nicht in der Hand, den Redestrom einzudämmen und die Ruhe so herzustellen, dass eine glatte Behandlung der Geschäfte möglich ist. Es hängt von Ihnen ab, ob Sie in den wenigen Stunden, die bleiben, noch so viel Arbeit fortbringen, dass wir Zeit genug haben, um den noch morgen zu erstattenden Bericht der Nationalfond-Kommission zu beraten und darüber zu beschliessen. Dr. J. Marmorek: Mir scheint, dass die Versammlung am meisten die Frage interessiere, wann eigentlich mit dem Landankauf begonnen werden soll. Es sind schon manche Anträge eingelaufen, die sich auf diesen Gegenstand beziehen und erlaube ich mir einen Vermittlungsantrag einzubringen, der folgendermassen lautet: Die Nationalfondkotnmission hat morgen darüber Bericht zu erstatten, wann mit dem Ankauf von Land begonnen werden soll. Dr. Max Nordau: Dieser Antrag ist im Prinzip unannehmbar. Tschlenoff schlägt vor, eine Zeit zu bestimmen, In der der Kongress .den Bericht der morgen zu wählenden Kommission vornehmen und geschäftsmässig erledigen will. Dr. J. Marmorek: Der Nationalfond als Person, die kaufen kann, existiert nicht. Wir müssen abwarten bis wir den Auftrag erfüllen, dass wir den ganzen Nationalfond legalisieren können. Dr. Nordau, Präsident: Der Antrag geht dahin, dass dem zu wählenden Ausschuss bloss der eine Auftrag erteilt wird, über die Frage, wann der Landankauf in Palästina und den angrenzenden Ländern beginnen soll, noch morgen Bericht zu erstatten. (Mehrere Delegierte bringen Modifikationen vor.) Dr. Max Nordau: Ich wiederhole, dass Herr Tschlenoff beantragt, dass die Anträge, die hier aus dem Plenum eingelaufen sind, dem schon jetzt bestehenden Nationalfond-Ausschuss, den unser letzter Kongress gewählt hat, noch heute Abend in Beratung zu geben und dass er seinen Bericht morgen früh, bei Beginn der Sitzung, erstatte und dass wir dann über diejenigen Anträge, die jetzt schon als zulässig oder annehmbar erklärt werden; beschliessen. Ich bringe diesen Antrag zur Abstimmung. Er wird fast einstimmig angenommen. Dr. Pasmanik stellt folgenden Antrag: Damit noch andere Geschäftsordnungspunkte behandelt und erledigt werden können wird beantragt, dass die Bankfrage in der morgigen Generalversammlung behandelt wird, da alle Konpressmitglieder auch Aktionäre sind und sich zweifellos in o o diese Generalversammlung begeben werden. Dieser Antrag wird abgelehnt. Kremenetzki. Die Vereine Nordamerikas telegraphieren uns, dass sie 3500 Franken schicken für den Nationalfond. Für den gleichen Zweck spendete Slatopolski aus Kiew zehn Pfund. Dr. Bode 11 heimer. Herr Ehrenpreis hat die Liebenswürdigkeit gehabt, bei uns eine kleine Liste zirkulieren zu lassen, zum Zwecke der Eintragung der Mutter unseres hochverehrten Führers, Dr. Herzl, ins »goldene Buch«. Diese kleine Sammlung hat Fr. IOOO erzielt, mit welchem Betrage der Kongress die Mutter unseres verehrten Führers ins »goldene Buch« eintragen wird. (Tosender Beifall.) D r, J. Marmorek. Von den Anträgen zum Nationalfond konnte nur derjenige des Herrn Lichtenstein acceptiert werden. Die Anträge der andern Herren werden möglichst bei der endgültigen Redaktion des Artikels berücksichtigt werden. Ich bitte die Herren unsern Kommissionsantrag, wie wir ihn ihnen unterbreitet haben, mit Akklamation anzunehmen. Dr.Eodenheimer;: Vorsitzender. Diese Anträge der Nationalfonds-Kommission liegen seit heute Morgen gedruckt vor und hat sie jeder Einzelne in der Hand, sie müssen daher allgemein bekannt sein. Es wird gewünscht, dass die Abstimmung nicht sofort stattfinde, sondern vorher eine Pause eintrete, in der die Landsmannschaften die Sache noch besprechen können. Bevor ich diese Pause eintreten lasse, möchte ich Ihnen noch folgendes mitteilen : Ich habe mich mit Herrn Tschlenoff verständigt und wir sind der Meinung, dass der Kongress beschliessen möge, nur den ersten, dritten und vierten Absatz des Antrages, nicht aber den zweiten anzunehmen, weil zu diesem zweiten Absatz noch Anträge vorliegen, die der Kommission überwiesen sind und weil dieser Absatz noch abhängt von der Form und dem Sitz der Stiftung. I d e 1 s o h n. Ich habe heute dem Vorsitzenden Max Nordau einen Antrag mit zirka 25 Unterschriften übergeben, der die Verlängerung des Kongresses um einen Tag verlangte. Ich möchte das Schicksal meines Antrages wissen. Dr. Bodenheimer, Vorsitzender Die meisten Mitglieder des Präsidiums sind verhindert, länger als bis morgen Abend in Basel zu bleiben und werden Sie verstehen, dass unter solchen Umständen der Kongress nicht länger tagen kann. Ich frage den Kongress an, ob er den Wunsch hat eine Nachtsitzung anzuberaumen? Die Nachtsitzung wird beschlossen und auf halb elf Uhr anberaumt. Ein Brief Dr. Gasters. Dr. M. Gaster sendet uns folgenden Brief, den er, nachdem er ihn bereits früher in englischen Zeitungen veröffentlicht hat, in der »Welt« zu publizieren bittet. „Um Zions Willen will ich nicht Ruhe bewahren". Mein Herr! Angesichts der jüngsten Evolutionen des Zionismus erachte ich es als meine Pflicht, das fundamentale Prinzip des Zionismus wieder zu konstatieren: „die Erwerbung einer gesetzlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk". Weder mehr noch weniger. Das ist der erste Artikel und zugleich die unveränderliche Basis des Programmes, welches durch die Zionisten in Basel formuliert und angenommen wurde. Wir wünschen in die alte Heimat unseres Volkes zurückzukehren und das alte nationale Leben in dem durch die Tradition geheiligten und durch Jahrhunderte altes Martyrium verherrlichten Landes wieder herzustellen. Der Zionismus ist nicht dazu da, um temporäre Erleichterungsmittel zu schaffen. Unsere Lösung des jüdischen Problems