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Die Welt · 1903-08-29 · 6 (29.8.1903) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (29.8.1903)
Article
Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
Date
1903-08-29
Page
11 (sequence 7)
Language
German
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No. 6 Separai-Ausgabe. „Die Welt« Seite 11 Ich bitte Sie, dieser wichtigsten praktischen Aufgabe, die wir haben, alle Kräfte zu widmen. Den Beschluss des Minsker Delegiertentages kann ich nur unterstützen. Das Volk versteht die guten Reden, es versteht aber auch die guten Taten und was wir tun müssen ist: den Ankauf des Bodens zu beschleunigen. Nur ist zur Herbeiführung des diesbezügl. Beschlusses eine Majorität von 3/d zu viel und sollte eine einfache Majorität genügen. Man sollte den Landankauf so betreiben, dass man die disponiblen Mittel bis auf ein Fünftel dazu verwendet. Es ist mir auch von einigen meiner Freunde die Frage gestellt worden, ob man ruhig dem Nationalfond weitere Gelder beitragen könne, ohne fürchten zu müssen, dass dieselben für Ostafrika verwendet werden könnten. Ich halte es für meine Pflicht, meine Brüder in dieser Hinsicht zu beruhigen, denn alles Geld wird nur für Palästina verwendet werden. (Bravorufe.) Rabbiner Scheinkin spricht jüdisch und sagt, dass man Palästina für weit halte und sich damit weniger beschäftige (Starker Widerspruch und Beifall). Wenn sodann mein Rayon nicht so viel zum Nationalfond beigetragen hat, so muss man bedenken, dass es ein armes Land ist. Bender und Podolien haben jedoch dazu so viel gegeben wie Rumänien und Oesterreich zusammen trotz deren fruchtbarer Arbeit. Vom Nationalfond solle man nichts nehmen bis die 2 Millionen Rubel voll beisammen sind. Der politische Zionismus muss grosse Ideale haben, aber auch grosse finanzielle Kräfte. Der Fond der jüdischen Nation darf nicht mit 200000 L. Sterling abgegrenzt werden, sondern er muss Millionen haben, und je mehr er haben wird, desto mehr wird er arbeiten können. Da seine Redezeit abgelaufen ist, kann er die Vorschläge, die er machen wollte, nicht mehr vorbringen. Belkowsky, Petersburg: Ich möchte zu den Anträgen über den Nationalfoncl Stellung nehmen, die uns heute unterbreitet wurden. Es ist noch unmöglich, uns über die Form des Nationalfoncl zu äussern, denn es ist noch zweifelhaft, ob man eine Genossenschaft oder eine A. G. oder eine Stiftung schaffen soll. Ich möchte diesen Punkt der Nationalfond-Kommission unterstützen, der dahin geht, dass man die Ausarbeitung eines definitiven Statuts einer auf diesem Kongresse zu wählenden Kommission unterbreiten soll, die die endgültigen Statuten der nächsten Jahreskonferenz zur Beschlussfassung zu unterbreiten hat. Sodann ist es wohl notwendig über grössere Kapitalien zu verfügen, wir müssen aber unserm A. C. so viel Zutrauen schenken, dass wir es ihm überlassen in den verschiedenen Fällen nach Ermessen zu verfahren, wenn es den baldigen Ankauf von Land wünschenswert findet. Dr. Kahn spricht hebräisch, dann deutsch: Es kommt ein Punkt vor im Statut, der bestimmt, dass der Nationalfoncl auch berechtigt sein soll, gekaufte Territorien wieder zu verkaufen. Dem gegenüber stelle ich mich mit voller Kraft. Was einmal der Nationalfond gekauft hat kann und darf er nicht verkaufen, sondern nur verpachten (Lebhafte Beistimmung). Ich hätte daher einen Antrag eingebracht, der eine Aenderung durch den Kongress gebracht haben würde, aber nachdem ich diesbezüglich beruhigt worden bin, dass der Beschluss wegen der Legalisierung nicht mehr auf diesem Kongresse folge, so haben wir auch Zeit, dazwischen nocn eine notwendige Aenderung vorzunehmen und ich bitte sie zu berücksichtigen, dass in § 2 noch Aenderungen und Stilisierungen aufgenommen werden sollen und hoffen wir auf einem nächsten Kongresse mit einem viel abgerundeteren und dem Zwecke besser entsprechenden Statut zu erscheinen. Dr. Schlaposchnikoff spricht russisch gegen die Fassung „Palästina und Nachbarländer" die Tätigkeit solle auf Palästinien und Syrien beschränkt bleiben. Dr. Wortsmann: Dr. Tschlenoff hat gesagt, dass wir nicht befürchten sollen, dass das Geld des jüdischen Nationalfond nicht voll für Palästina, sondern für andere Länder verwendet werden könnte. Ich halte aber eine solche Erklärung nicht für . genügend und finde es für unbedingt notwendig, irgendwelche Massregeln vorzunehmen, damit der jüdische Nationalfond anerkannt zu dem Zwecke gebraucht werde, zu welchem wir ihn geschaffen haben und solche Massregeln möchte ich Ihnen vorschlagen. Ich weiss nicht, welche Form für den jüdischen Nationalfond besser ist, ob eine Genossenschaft oder eine Stiftung, aber es gibt immerhin sog. organistische Statuten, d. h. wenn eine Stiftung gegründet wird, so haben die Gründer der Stiftung das Recht, den Zweck so zu bestimmen, dass Jahrhunderte und Jahrtausende vergehen können und kein Mensch denselben ändern kann. Ich bitte Sie daher zu bestimmen, dass der Nationalfond auf ewige Zeiten für Palästina und die angrenzenden Gebiete bestimmt sei. Der Zweck solle nur einstimmig geändert werden können, denn wir haben gestern gesehen, was eine Majorität ausmachen kann. Ich will damit nicht sagen, dass die Majorität gestern etwas unzionistisches geschaffen habe, aber ich will nur sagen, dass gestern eine Majorität war für eine so schwere Sache und von Leuten gestimmt wurde, die zum ersten Male gestimmt haben (laute Gegenrufe und Rufe : lächerlich), sodass die von mir vorgeschlagene Massregel nötig scheint. Vorsitzender: Dr. N o r d a u, Sie haben nicht das Recht, die Personen und Delegierten, welche die Mehrheit bilden, persönlich zu kritisieren, das überschreitet weit Ihr Recht eines Redners (Beifallrufe). Dr. W o r t s m a im : Wenn ich jemand beleidigt habe, so bitte ich um Entschuldigung. Ich möchte Ihnen noch einen kleinen Vorschlag machen. Wir haben ein „goldenes Buch" und ich will nicht gegen das „goldene Buch" stimmen, denn es ist nötig, dass wir Geld bekommen. Wir sollten ihm aber einen andern Namen geben. Dr. Fink; Unser Präsident hat in seiner Eröffnungsrede gesagt, er sei in Petersburg gewesen nicht bloss als Zionist, sondern als Vertreter des ganzen Judentums. Noch mehr hat die gestrige Abstimmung gezeigt, dass wur tatsächlich im Interesse des gesammten Judentums handeln (wir reden vom Nationalfoncl! Nationalfond!). Man fordert von verschiedenen Seiten, der Nationalfond solle so schnell als möglich in Funktion treten, übersieht aber, dass sich derselbe wenig ergiebig erwiesen hat. Dass wir das System der indirekten Besteuerung gewählt haben, hat ein grosses Loch. Wir sind nicht in der Lage, den steuerfähigen Moment so zu fassen, dass er uns nicht ausweichen kann. Es wird daher unsere Fürsorge sein müssen, dem Nationalfoncl neue und ergiebige Quellen zu erschliessen. Zu diesem Zwecke mache ich Ihnen folgenden Vorschlag: Ich glaube, wir sollen einen Aufruf erlassen an sämmtliche jüdische Gemeinden und jüdischen Vereine der gesamten Welt, 2% ihres Jahres budgets an den Nationalfond abzuführen (Beifall). Es ist nicht zu leugnen, der Nationalfoncl ist diejenige Institution, die sich der grössten Popularität innerhalb der gesamten Judenheit erfreut. Hier wird im Gegensatz zur gewöhnlichen Erfahrung die neue Steuer mit Jubel begrüsst werden. Ausserdem ist der Satz von 2% so geringfügig, dass jeder Verein

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