Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (29.8.1903)
- Article
- Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
- Date
- 1903-08-29
- Page
- 8 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 8 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 6 lag nicht an den Kommissionsmitgliedern, sondern darin, dass eine solche Kommission nicht budgetiert gewesen ist. Wir schlagen Ihnen diesmal eine Kommission vor, die Palästina erforschen soll, was von absoluter Wichtigkeit ist. Wir kennen in Palästina nicht einmal die klimatischen Bedingungen. Wir wissen nicht einmal, wie viel Regen im Lande fällt. Bei den ersten Bodenkäufen wurden topographische Fehler begangen, wie der Ankauf von Sumpflänclern. Der Boden war nicht bekannt, man kaufte nicht dort, wo man sollte. So hätte man nicht in Juda Sandboden kaufen, sondern nach Galilea, das Ackerboden besitzt, gehen sollen. Zu all' diesen Zwecken müssen wir unbedingt eine wissenschaftliche Kommission wählen, die uns das Land erforschen soll, welches wir in Zukunft kolonisieren, und wenn wir nach unserm Organisationsstatut nicht kolonisieren dürfen, so müssen wir doch erforschen, wo wir nächstens kolonisieren wollen. Wir müssen eine Auskunftstelle schaffen, die uns Mitteilungen über Boden-Qualität und -Preise liefern soll, ebenso über die wichtigsten Industrie Verhältnisse des Landes. Unser Antrag, den die deutsche Landsmannschaft aufgenommen hat, lautet: Es wird die Wahl einer Palästina-Kommission beantragt. Zweck der Kommission ist: 1. Die wissenschaftliche Erforschung Palästinas und der umliegenden in Betracht kommenden Länder in wirtschaftlicher, rechtlicher und geographischer Beziehung. 2. Die Errichtung einer Versuchsstation. 3. Die Errichtung eines landwirtschaftlichen und technischen Bureaus für Auskünfte über Bodenpreise, Qualität, Erwerbsbarkeit und Tndustrieverhältnisse. 4. Die Errichtung einer Versuchsstation bezweckend die Untersuchung ansteckender Krankheiten. 5. Die Herausgabe einer Zeitschrift für Palästinakunde. Das sind die Anträge der deutschen Landsmannschaft. Dr. Hantke: Die deutsche Landsmannschaft legt auf die Einsetzung dieser Kommission einen grossen Wert. Diese Kommission soll anders operieren als die übrigen Palästina-Kommissionen, die wir bis jetzt eingesetzt haben. Sie soll dem A. C. regelmässig Bericht erstatten, aber einen selbständigen Charakterhaben. Aus diesem Grunde soll die Palästina-Kommission bei den Jahreskonferenzen mit beratender Stimme zugezogen werden, sobald es sich um Angelegenheiten der Palästina-Kommission handelt. Die Zusammensetzung der Palästina-Kommission denken wir uns so, dass drei Sachverständige als ordentliche Mitglieder vom Kongress gewählt werden und diesen das Recht der Kooptation von drei weiteren Mitgliedern zusteht, welche gewissermassen den geschäftsführenden Ausschuss der Kommission bilden und am gleichen Orte wohnen müssen. Selbstverständlich haben bei Beratungen des A. C. und der Jahres-Konferenzen nur die vom Kongress gewählten drei Mitglieder beratende Stimme, die cooptierten werden nicht zugezogen. Die Kommission kann nur erspriesslich arbeiten, wenn ihr Geldmittel zur Verfügung stehen. Wir schlagen Ihnen vor, der Kommission für die nächsten zwei Jahre jährlich 15,000 Franken zu bewilligen. Selbstverständlich bedarf das A. C. hierbei eines Passus, der da sagt, dass die unentbehrlich laufenden Ausgaben der Partei in erster Reihe erledigt werden müssen. Diese 15,000 Franken sind natürlich nicht ausreichend, um alle Pläne auszuführen, welche die Palästina-Kommission ausführen muss, aber sie bilden den Grundstock, welcher der Kommission überhaupt eine Arbeit ermöglicht und welcher zeigt, dass der Kongress und die zionistische Partei diese Kommission als eine Notwendigkeit empfiehlt. Dann werden ihr auch aus den verschiedensten Kreisen Gelder zufliessen. Um aber die Ansicht zu vermeiden, dass wir uns etwa einreden, mit 15,000 Franken alles mögliche und unmögliche machen zu können, bemerke ich ausdrücklich, dass die landwirtschaftliche Versuchsstation und medizinische Untersuchsstation vorderhand nichts machen können, sondern dass hiezu die Kommission die nötigen Fonds wird aufbringen zu suchen müssen. Ueber die Organisation der Kommission bemerke ich folgendes: 1. Die Kominission führt die Aufgaben selbständig durch und hat Ordre, Berichte zu erstatten. 2. Die Kommission besteht aus drei Sachverständigen, denen das Recht der Cooptation zusteht. 3. Bei Beratungen und Beschlussfassung über die Palästina-Kommission im A. C. und auf Jahreskonferenzen sind die gewählten drei Mitglieder der Kommission mit beratender Stimme zuzuziehen. 4. Die Kommission erhält für 2 Jahre ein Budget von jährlich mindestens 15,000 Franken. Ich bitte Sie, diese Anträge, die eine praktische Arbeit für die Erreichung des Charters in Palästina bedeuten, möglichst einstimmig anzunehmen (langandauernder Beifall). Rosenthal (Jargon) beantragt vor allem die Debatte über den weit wichtigeren Punkt „Nationalfonds", da derselbe mit Rücksicht auf den vorgerückten Zeitpunkt sonst schliesslich durchgepeitscht werden müsste. Präsident Dr. Herzl: Ich erfahre soeben, dass das Direktorium der Bank eben jetzt zu einer Sitzung zurückgezogen hat. Es könnte also jetzt jedenfalls nicht über die Bank gesprochen werden. Ich benütze deshalb diese Zeit, wenn kein Widerspruch ist, für den Nationalfonds. Dr. L o e w e : Es liegt Ihnen der Antrag von Dr. Pasmanik vor, die Diskussion über den Nationalfonds mit dem Antrag der deutschen Landsmannschaft zu verbinden. Ich bitte den Herrn Präsidenten, dies zu berücksichtigen. Präsident Dr. Herzl: Ich glaube nicht, dass dies möglich ist, denn der Antrag der deutschen Landsmannschaft bezieht sich auf etwas ganz anderes. Aus dem Nationalfonds können keine Gelder genommen werden für solche Zwecke. Er hat seine Bestimmungen, von denen nicht abgekommen werden kann, Dr. L o e w e : Dann bitte ich darum, dass über die Palästina-Kommission abgestimmt wird und die Diskussion über die Palästina - Kommission vorangeht. (Beifall.) Rechtsanwalt Rosenbauni: Der Antrag der deutschen Landsmannschaft ist klar. Eine Debatte darüber wäre ein Zeitverlust. Deshalb beantrage ich Abstimmung ohne Debatte. Präsident Dr. Herzl: Ich bemerke, dass das A. C. den Antrag der deutschen Landsmannschaft annimmt. Dr. Loewe: Dann beantrage ich Abstimmung ohne Diskussion, Präsident Dr. Herzl nimmt die Abstimmung vor. Schluss der Debatte wird angenommen. Wir treten jetzt in die Debatte über den Nationalfonds ein. Ich glaube, dass diese Debatte am besten eingeleitet wird durch eine Quittung, dass H* Rawikowitsch und Söhne zur Eintragung dieser .Firma unc^ des Person^ ins goldene Buch JY 417.— gezeichnet, haben.