Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (29.8.1903)
- Article
- Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
- Date
- 1903-08-29
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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No. 6 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 7 und jüdische, hebräisch geschriebene Encyklopädie ist gegründet worden. (Beifall.) Eine einzelne Person hat das enorme Kapital, welches es zu diesem Unternehmen notwendig ist, deponiert. Ich übernehme die ganze Verantwortlichkeit und bin in den Stand gesetzt worden, die Arbeit zu beginnen. Die Encyklopädie soll geschrieben werden, die Gründung ist vollständig gesichert. Der Name dieser Person ist Herr Tworok aus Capetown. (Beifall.) Ich habe mir die Freiheit genommen, von dieser Tribüne diese Tatsache zu proklamieren aus drei Gründen: 1. weil ich von dieser Tribüne aus vor zwei Jahren das Projekt einer hebräischen Encyklopädie ausgesprochen habe; 2. weil der Gründer der Encyklopädie als Zionist und unter der Anregung des Zionismus vom Kongresse angeregt, das Geld dazu gegeben hat; 3. weil die Einkünfte der Encyklopädie zionistischen Zwecken gewidmet worden sind. (Lebhafter Beifall.) Dr. K ahn : Was soeben mitgeteilt wurde ist eine schöne nationale Tat. Wir haben allen Grund von Kongress wegen dem hochherzigen Spender zu danken für das Opfer, das er dem Zionismus gebracht hat. Wir dürfen aber nicht darüber hinweggehen, gleichzeitig unsern Dank dem in Amerika zustande gebrachten neuen Unternehmen auszudrücken. Dieser Antrag wurde mit Acclamation angenommen. Vorsitz ender Dr. Herzl: Ich habe die Genugtuung, dem Kongresse eine kleine Mitteilung zu machen. Es hat sich gezeigt, dass die Beunruhigung, die gestern in folge verschiedener missverständlicher Auffassungen Platz gegriffen hat, bereits einer beruhigenderen Stimmung Platz gemacht hat. Das geht auch hervor aus der Spende, die einer aus der Opposition, also ein Nein-Stimmer, Herr Segalowitz gemacht hat, indem er Fr. 250.— fürs „goldene Buch" und Fr. 350.— für die Expedition nach Ostafrika spendete (Lebhafter Beifall). Ich verlese nunmehr den Antrag der gestrigen Minorität: Der erste Teil lautet: „Die Zusammensetzung und Ausrüstung der Expedition nach Ostafrika wird dem grossen A.-C., das speziell zu diesem Zwecke vorher einberufen werden muss, überlassen." Diesen Passus nehmen wir — die Majorität — an. Die zweite Alinea lautet: „Auch zur Entgegennahme des Berichtes der obgenannten Expedition über das Gebiet über Ostafrika, wie auch zur Beschlussfassung betreffend Neueinberufung eines Kongresses, muss das grosse A.-C. zusammentreten." Dazu bemerke ich folgendes: Wir, die Majorität, sind damit einverstanden, das grosse A.-C. zu versammeln, sobald der Bericht der abzusendenden Expedition vorliegt, damit das grosse A.-C. diesen Bericht entgegennehmen könne, aber es scheint mir überflüssig, beizufügen, dass eine Beschlussfassung betreffend Einberufung eines neuen Kongresses erfolgen soll, denn ich kann, mir nicht vorstellen, dass eine Angelegenheit, für die gestern in der Abstimmung 295 Delegierte gestimmt haben, einfach, vom grossen A.-C. erledigt werden kann. Ich glaube nicht, dass es angängig ist, darüber anders zu entscheiden, als durch Vorlegung der Sache vor den Kongress. Nachdem ich Ihnen erkläre, dass der nächste Kongress nur nach Befragen des grossen A.-0. einberufen werden kann, nehme ich an, die Vertreter der 178 Delegierten seien einverstanden diesen überflüssigen Passus wegzulassen, (Zustimmung.) Mit Beifallsrufen wurde dieser Kompromissantrag einstimmig angenommen. Dr. Herzl, Vorsitzender. Ich frage den Kongress, ob er wünscht, jetzt in die Debatte über den Nationalfond oder über die jüdische Kolonialbank einzutreten. Mir scheint, dass diese beiden Gegenstände zunächst in Betracht kommen. Es sind dann noch fortzusetzen die Debatten über die Ansiedelung und über die Referate Oppenheimer, Zangwill und Sokolow. Ich versuche mit der kurzen Zeit, die noch zur Verfügung steht, zu wirtschaften so gut es geht. Selbstverständlich kann auch die Diskussion über den Punkt Organisation und Agitation fortgesetzt werden, falls die Referenten nicht darauf verzichten. Architekt Marmorek: Ich beantrage, dass der Kongress nicht auseinandergehe, bevor über den Punkt Organisation und Agitation diskutiert ist. Die Erfahrungen, die in den letzten zwei Jahren gemacht wurden, sollen besprochen werden. Ich beantrage zuerst diesen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen und eingehend erst wenn Zeit übrig bleibt, sollen die andern Punkte besprochen werden. Morgen ist Generalversammlung der Kolonialbank und da die meisten Delegierten Aktien haben und dieser Punkt dann genügend besprochen wird, ist es unnötig die Sache zweimal des langen zur Diskussion zu bringen. Dr. Pasmanik: Schon vor längerer Zeit haben wir einen Antrag wegen Einsetzung einer Kommission zur Erforschung Palästinas gestellt." Diese Kommission hat nie nennenswertes geleistet. Ich bin heute mit Dr. Hantke über einen Kompromissaritrag übereingekommen und wir werden darauf bestehen, dass man diesen Antrag zur Diskussion bringen wird, umsomehr, als derselbe nicht viel Zeit in Anspruch nehmen wird, da er mit der Nationalfondfrage behandelt werden kann. Ich mache den Vorschlag, uns vor allem mit der Nationalfondfrage zu beschäftigen und im Zusammenhang damit besprechen wir den Antrag zur Einsetzung einer Kommission zur Erforschung Palästinas. Vorsitzender Dr. Herzl: Ich möchte den Kongress darauf aufmerksam machen, dass morgen Abend 7*7 Uhr geschlossen sein muss. Ich bitte Sie daher, bei Ihren Anträgen und Reden darauf Rücksicht zu nehmen. Die Landsmannschaften müssen bald schlüssig werden über ihre Kandidaten für die verschiedenen Komitees, denn es wird notwendig sein, dass wir die Wahlen heute vornehmen. Ich glaube, es wird eine Nachtsitzung daraus werden. Dr. Marmorek schlägt den Landsmannschaften vor, die Kandidaten für die Komitees heute Abend zu bestimmen. Vorsitzender Dr. Herzl: Ich habe ja eben gesagt, dass die Wahlen in der heutigen Nachtsitzung vorgenommen werden müssen. W o r t s m a n n: Wir sprechen auf jedem Kongresse über Organisation und Agitation und wenn es die Zeit erlaubt, so werden wir auch jetzt wieder darüber sprechen. Aber über den Nationalfond haben wir noch nie sprechen können. . Wenn Sie aber den Antrag von Dr. Pasmanik annehmen, so wird es eine so lange Diskussion gebeiij dass nicht mehr über den Nationalfond gesprochen werden kann. Vorsitzender Dr. Herzl: Ich bitte den Organisationsausschuss, .sich jetzt hier im Zimmer hinter der Tribüne zu versammeln. Dr. S o s k i n: Es handelt sich um die Einsetzung einer Palästina-Forschungs-Kommission. Auf jedem Kongress setzten wir eine Palästina-Kommission ein, und nie hat^die Kommission nennenswertes geleistet. Der Grund