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Die Welt · 1903-08-29 · 6 (29.8.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (29.8.1903)
Article
Donnerstag-Nachmittags-Sitzung
Date
1903-08-29
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die Welt« Separat-Ausgabe. No. 6 der jüdischen Bevölkerung aber ist arm, bringt sich als Hausierer und Makler fort, wobei die teuern Lebensverhältnisse sehr drückend empfunden werden. Die liberalen Berufe sind sehr schwach vertreten. Das geistige Leben betreffend, hat die zionistische Bewegung nach dieser Richtung hin eine Umwälzung hervorgebracht: Während früher die Juden mit ihrem Judentum zurückhielten und Assimilation im schlechtesten Sinne trieben, sind sie jetzt der überwiegenden Majorität nach begeisterte Nationaljuden [und verfolgen mit grösster Spannung die Fortschritte der zionistischen Bewegung, die ihnen den Boden ihrer Väter erschliessen soll und hoffentlich recht bald erschliessen wird. Wir bringen diesen interessanten Bericht ausführlicher in einer der nächsten Nummern der „Welt". Präsident Dr. Herz 1. Ich werde jetzt, um mit den Berichten fertig zu werden, den Bericht über die jüdische Kolonialbank verlesen lassen und gebe das Wort Herrn Wolffsohn. Wolffsohn. Die jüdische Kolonialbank hat ihre Geschäftstätigkeit erst zu Anfang des vorigen Jahres begonnen. Ueber die Einzelheiten des Abschlusses wird der Bericht des Direktoriums in der morgen stattfindenden Generalversammlung ausführliche Mitteilungen bringen. Ich beschränke mich daher jetzt auf einige Mitteilungen allgemeiner Natur. Die jüdische Kolonialbank ist von uns nicht zum ausschliesslichen Geldgewinn gegründet worden, sonst wären nicht wir die Gründer. Sie ist vielmehr von uns ins Leben gerufen, um bei der Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina Beihilfe zu leisten. (Lebhafter Beifall.) Dementsprechend hat die jüdische Kolonialbank ohne jede Rücksicht auf die Höhe des Gewinns Geld stets flüssig und für den gegebenen Moment in Bereitschaft zu halten. Sie darf daher nur solche Geschäfte unternehmen, die eine sofortige Abwicklung zulassen; wir machen keinerlei Spekulationsgeschäfte; wir gehen im Geschäftsbetrieb mit der grössten Vorsicht zu Werke, lassen uns nur auf die sichersten Geschäfte ein, die naturgemäss nur geringen Gewinn abwerfen. Auch ist es selbstverständlich, dass die jüdische Kolonialbank am Samstag und den jüdischen Feiertagen streng geschlossen ist (Beifall), wodurch ljb der gewöhnlichen Arbeitszeit, zirka 60 Tage im Jahre verloren gehen und ausserdem noch manche Geschäfte, die dadurch in London überhaupt unmöglich werden. Entsprechend dem Domizil unserer Aktionäre, das beinahe die ganze Welt umfasst, sind auch die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Direktoriums zusammengesetzt. Sie haben ihren Wohnsitz in den grössten Entfernungen von London, wodurch die Geschäftsleitung erschwert ist. Alles dieses zusammengenommen und unter Berücksichtigung, dass wir uns erst am Anfang befinden, können wir mit dem Anfang zufrieden sein. Das, was wir den Aktionären versprochen haben, haben wir gehalten. Das Kapital ist sicher angelegt und ein Gewinn von ca. 6000 Pfund ist in diesem Jahre erzielt worden. Wir haben bis jetzt keinerlei Verluste erlitten und hoffen, auch ferner vor Verlusten bewahrt zu bleiben, da wir unsere Aufmerksamkeit auf die sichere Anlegung des uns anvertrauten Kapitals verwenden. Wir schreiten zwar langsam, aber desto sicherer vor. Wir zweifeln nicht, dass auch die Rentabilität sich erhöhen wird. Wir sammeln immer mehr Erfahrungen und Kenntnisse; unsere Bekanntschaft mit der Geschäftswelt erweitert sich, und wenn die zionistische Bewegung für ihre Zwecke wiederum eine Gesellschaft auf finanzieller Basis wird schaffen müssen, wird sie es besser haben als die Gründer der Kolonialbank. Wir werden uns auf die jüdische Kolonialbank, auf unsere Bank verlassen können. Diese wichtige Eolle hat übrigens unsere Bank schon jetzt bei Begründung des Nationalfonds gehabt; denn ohne unser Bureau in London wäre die Gründung, das Inslebentreten des Nationalfonds unmöglich gewesen. Einen weiteren grossen Fortschritt hat die Kolonialbank gemacht, indem sie den Beschluss des vorigen Kongresses, eine Filiale in Palästina zu gründen, ausgeführt hat. Allerdings haben wir keine Filiale unserer Bank in Palästina errichtet, aber die Anglo Palestine Cy., dort gegründet, mit einem Kapital von 50,000 Pfand, hat ihren Sitz in London; die Geschäftsleitung befindet sich aber schon in Jaffa. Zum Geschäftsführer haben wir Herrn L e wo n tin bestellt und hat derselbe bereits in Jaffa seine Tätigkeit mit gutem Erfolge begonnen. Noch lässt sich über das neue Unternehmen nicht viel sagen. Der Zweck der Anglo Palestine Cy. ist ein rein kommerzieller. Wir wollen Landwirtschaft und Industrie dort heben und beleben, Import und Export in sichere Bahnen lenken. Auch dort werden wir nur langsamen, sicheren Schrittes vorgehen, um destoeher das bezeichnete Ziel zu erreichen. Schon der Anfang unserer dortigen Tätigkeit gibt uns ein Recht zu hoffen, dass die Anglo Palestine Cy. segensreich für Palästina und die zionistische Bewegung werden wird. (Beifall.) Eine erfreuliche Mitteilung aus den letzten Tagen kann ich Ihnen noch machen, die uns durch den Besuch unseres Präsidenten Dr. Herzl in Petersburg geworden ist. Wir haben jetzt die beste Aussicht, von der russischen Regierung die Erlaubnis zu erhalten, eine Filiale unserer Bank in Russland zu errichten. (Grosser Beifall.) Und wir haben die besten Aussichten, dass auch das Einfuhrverbot der Shares der jüdischen Kolonialbank bald autgehoben wird. Wenn wir auch so weit alle Ursache haben, mit der Tätigkeit der jüdischen Kolonialbank zufrieden zu sein und froh sein dürfen, class wir sie haben, so müssen wir uns anderseits vorhalten, dass es noch grosser Anstrengung bedarf und viel Arbeit erforderlich ist, bis die jüdische Kolonialbank das sein wird, Avas sie als finanzielles Instrument der zionistischen Bewegung zu werden berufen ist. Noch fehlen uns die überaus notwendigen Filialen in den verschiedenen Ländern. Noch ist der grösste Teil unserer Aktien zu verkaufen, noch stehen wir am Anfang des weiten Weges, der uns zum Ziele führen soll. Und dennoch dürfen wir uns nicht überstürzen, nichts Uebereiltes tun und müssen uns hüten, die Geschäftsleitung der Bank zu übereilten Schritten zu drangen. Die jüdische Kolonialbank muss sich langsam entwickeln, sie darf Neues nicht eher unternehmen, bis das bereits Unternommene vollständig und gut durchgeführt ist. Sie darf nicht eher den zweiten Stein zum Bau" einreihen, bis der erste fest und sicher gefügt ist, damit das, was wir mit so viel Arbeit und Mühe, mit so viel Aufopferung und Selbstlosigkeit erreicht haben, für alle Zeiten fest und sicher dastehe. Was Sie, meine Damen und Herren und die Zionisten, die uns hergeschickt haben, tun können und müssen, ist, unausgesetzt weiter für den Verkauf von Shares bemüht zu sein. Mit jeder neuen Aktie, die verkauft wird, wächst die Kraft der Bank, die noch zu Grossem berufen ist. Es soll aus unserer jüdischen Kolonialbank die jüdische Nationalbank werden. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Herzl erteilt auf eine an ihn gerichtete Anfrage die Antwort, dass die Generalversammlung der Bank am folgenden Tage stattfinde. Um aber dem Kongress Gelegenheit zu geben, früher über die Bank zu sprechen, muskte das Referat verlesen werden. Das Wort zu einer Mitteilung hat Herr S o k o 1 o w. (Lebhaft begrüsst.) Ich habe hier eine kurze Mitteilung zu machen. Die allgemeine

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