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Die Welt · 1903-08-28 · 5 (28.8.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (28.8.1903)
Article
Mittwoch-Vormittagssitzung
Date
1903-08-28
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 5 hat ein Wort gesprochen, das ich gut kenne: „Uns handelt es sich nicht um die Juden, sondern um das Judentum." „Das Judentum ohne die Juden" : Ja wohl. Gehen Sie mit diesem Worte in eine Spiritistenversammlung! Unter Lebenden, die Leben um sich und vor sich haben wollen, werden Sie damit kein Glück haben, (Langanhaltender Beifall.) Meines Erachtens . . ♦ . Präsident: Ich bemerke in dieser Ecke des Saales ein Knäuel, wo man sich, glaube ich nicht wohl genug fühlt. Ich bitte Sie, sich im Interesse der Ordnung ein bischen in den Hintergrund zurückzuziehen; Sie werden dort besser hören und stehen und es wird nicht zu Tumulten kommen. Redner: Obwohl die 15 Minutenzeit nicht auf mich anwendbar ist, werde ich sie doch selbst auf mich anwenden. Ich habe mir Ihre Aufmerksamkeit nur noch für drei Minuten zu erbitten. Es wird besorgt, dass wir unsere mit so viel Mühe, mit so viel bitterer Not aufgebrachten Mittel für die provisorische Kolonisation verwenden könnten, so dass für unser eigentliches Ziel nichts übrig bleibt. Das scheint mir vollkommen ausgeschlossen. Es handelt sich nicht darum, die Mittel unserer Kolonialbank, des Nationalfonds und etwaige Zusendungen für zionistische Zwecke dafür zu verwenden Kein Pfennig davon! (Rauschender Beifall). Das einzige, das sich rechtfertigen liesse, wären die im Ganzen wenig bedeutenden Kosten für die Entsendung einer Prüfungskommission. Das wäre aber auch das Maximum an finanziellen Opfern, das der zionistischen Kasse auferlegt werden dürfte. (Beifall) Was riskieren Sie, wenn Sie eine Kommission ernennen . . .? Präsident: War da nicht wieder ein Pfuiruf? Stimmen: Nein! Ruhe! Ruhe! Redner: Was riskieren Sie, wenn Sie zunächst nur beschliessen, eine Kommission zu ernennen, der Sie den strikten Auftrag geben, die ihr vom A.-C. vorzulegenden Pläne zu prüfen, von den dazu gehörigen Erläuterungen Kenntnis zu nehmen und allenfalls bei dieser Prüfung so gründlich vorzugehen, dass auch die Untersuchung der Verhältnisse an Ort und Stelle ein Element der Prüfung bildet? Einen endgiltigen Beschluss wird dieser Ausschuss nie und nimmer fassen dürfen. Wenn nötig, wird dazu ein neuer Kongress zusammen treten. Das jüdische Yolk selbst wird in seinen Wählerversammlungen darüber schlüssig werden müssen. (Grosser Beifall.) Einstweilen aber werden Sie durch die Wahl eines Ausschusses zur Prüfung der Ihnen vorgelegten Frage zwei Pflichten erfüllt haben. Sie wissen, dass ich nicht Mitglied des A.-C. bin; ich verlange für mich kein Vertrauen. Aber Sie schulden Ihrem Führer einen Beweis Ihres Vertrauens. Sie schulden ihm das Aktions- Mittel, das er in seiner Einsicht von Ihnen verlangt, sie schulden es ihm, wenn er Sie dann bittet, es ihm an die Hand zu geben, ohnd'dass Sie damit, irgendwie praejudicierend, einer späteren Entscheidung vorgreifen. Dann ein zweiter Grund: Wir schulden diese Höflichkeit auch England. Sie würdigen nicht Alle in diesem Augenblicke die Bedeutung der Tatsache, dass ein Weltreich sich mit dem jüdischen Volke in Verhandlungen einlässt'und uns einen Antrag macht, der beinahe keine Gegenseitigkeit in sich schiiesst. Man will nur geben. Das ist so schön, dass es mir aus meinem politischen Instinkt heraus beinahe z u schön scheint. Einer solchen Höflichkeit gegenüber wollen Sie nicht einmal eine kleine Gegenhöflichkeit üben? Sie wollen einen Antrag dieser Art abweisen, ohne ihn auch nur einer Prüfung zu würdigen? Mein letzter Vorredner hat gesagt: „Unser guter Herzl wird die Sache schon in die Reihe bringen". Schön. Beginnen wir also zunächst damit, das Porzellan in Stücke zu zerschlagen. Unser guter' Herzl wird schon wieder einen ganzen Topf daraus machen! Ich schliesse. Erwägen Sie, was Sie tun, wenn Sie dem Führer, dem Sie angeblich vertrauen, das Mittel verweigern, ein ihm gewordenes günstiges Anerbieten der englischen Regierung auch nur mit platter Höflichkeit zu beantworten. Erwägen Sie, welche Verantwortung Sie auf s^ch nehmen, wenn Sie erklären: es darf auch keine Erziehungsstäfte für das jüdische Volk geschaffen werden. Erwägen Sie, was Sie in Russland anrichten. Sie haben Alle den Brief gelesen, der gestern in der „Welt" erschienen ist. Präsident bittet den Redner, diesen Punkt nicht zu berühren. Syrkin wird zur Ordnung gerufen. Redner: Gut, lassen wir das. Wir haben auch an einer andern Stelle als in Russland sicher die ernste Ueberzeugung erweckt, dass mit der einfachen Erklärung: „Wir lassen uns mit Euch wegen Palästinas auf nichts ein," die Sache nicht getan ist. Die zweitägige Diskussion hat wahrscheinlich an der richtigen Stelle die Ueberzeugung bestärkt oder geschaffen, class nichts uns an unserm Endziel irre machen kann. Das ist erreicht. Jetzt können Sie getrost die Kommission ernennen und sagen: „Was immer die Kommission beschliesst, was immer ein späterer Kongress beschliesst, alles was wir ausserhalb Palästinas schaffen werden, wird von uns immer nur als Vorbereitung für Palästina gemeint und verstanden sein." (Frenetischer Beifall, Tücherschwenken, auch vereinzeltes Zischen. Beim Betreten der Bühne durch den Redner erneuter stürmischer Beifall.) Präsident: Ich habe es für wünschenswert gehalten, dem Kongress etwas näheres mitzuteilen, als ich bisher glaubte mitteilen zu dürfen. Ich konnte das aber selbstverständlich nicht tun, ohne an der zuständigen Stelle mir die Erlaubnis erbeten zu haben, und darum bin ich erst jetzt in der Lage, Ihnen eine Mitteilung, etwas Ergänzendes mitzuteilen, vielleicht das Wichtigste, was an Tatsächlichem bisher in dieser Debatte vorgekommen ist. Bei dieser Gelegenheit antworte ich auch auf einzelne Vorwürfe, nämlich, dass man dem Kongresse früher keine Mitteilung gemacht habe und dass man infolgedessen von Ostafrika und dem Gebiete, das in Frage käme, nichts wisse. Wenn sogar Dr. Nordau auf der Tribüne erklären musste, dass er über das Gebiet nicht genügend unterrichtet ist! Wir konnten Ihnen früher keine Mitteilungen machen, weil wir noch nichts Bestimmtes in Händen hatten. Wir können nicht Nachrichten geben wie ein gut unterrichtetes Blatt, das schon am Tage vorher zu melden wusste, dass jemand gestorben ist. Aus dem Datum eines Dokuments werden wir ersehen, dass es nicht möglich war, diese Mitteilungen vor dem 14. August anzukündigen. Der Präsident erteilt das Wort. Mr. Greenberg, dessen Erscheinen auf der Rednerbühne mit Beifall begrüsst wird, spricht englisch (siehe unten Dr. Nordau). Präsident : Sie wollen etwas bemerken über den Gang der Verhandlungen. Das können Sie zuerst tun und dann das Dokument verlesen. Dr. Herzl: Um weitern Wünschen, die laut geworden sind, zu entsprechen, und um dem Kongress Gelegenheit zu geben, von der geographischen Lage des Gebietes, welches wir bloss untersuchen wollen, bevor wir einen Kongress zur Beschlussfassung einberufen, habe ich nach Massgabe der in dieser kurzen Zeit zur Verfügung stehenden Mittel eine ganz flüchtige Skizze von der Hand eines Delegierten, der glücklicherweise

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