Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 5 (28.8.1903)
- Article
- Mittwoch-Vormittagssitzung
- Date
- 1903-08-28
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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No. 5 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 7 auch Künstler ist, anfertigen lassen, die ich hier an der Wand anbringen lasse. Ich bitte nunmehr Dr. Nordau zuerst die Worte der Mr. Greenberg zu übersetzen und dann die Uebersetzung des Dokumentes vorzulesen, das ich dem Kongress vorlegen darf. Dr, M. Nord au: Mr. L. J. Greenberg sagte: Da ich persönlich von Herrn Dr. Herzl beauftragt war, mit der britischen Regierung über die Ostafrika-Frage zu verhandeln, würde es mir nicht recht scheinen, eine Parteimeinung vor dem Kongress über die Frage auszudrücken, aber es scheint notwendig, Ihnen zu sagen, dass, insofern die bisher stattgefundenen Verhandlungen in Betracht kommen, wir uns nicht im geringsten Maasse gebunden haben, das Anerbieten der britischen Regierung anzunehmen, ein Anerbieten, das, wie ich zu sagen wage, lediglich ganz und gar aus dem Wunsche hervorging, die allgemeine Verfassung des Judentums gebessert zu sehen, und das hervorging aus einer weisen und weitblickenden Schätzung der Fähigkeiten des jüdischen Volkes, seiner Energie und seiner Gabe zur Selbstregierung. Diese Schätzung unseres Volkes von Seite einer grossen und machtvollen Nation ist etwas so neues, ist der Art, in der wir gewöhnlich betrachtet werden, so entgegengesetzt, dass ich sicher bin, es wird Sie interessieren, dass dies die Geistesverfassung der britischen Regierung uns gegenüber ist. (Bravorufe). Die Bestellung eines Ausschusses bindet uns in keiner Weise. Wir sind überhaupt nicht gebunden, so lange wir nicht gründlich alle Bedingungen und Umstände des Anerbietens, das uns gemacht worden ist, geprüft haben. Und diese Prüfung ist nicht möglich, wenn wir nicht den beantragten Ausschuss einsetzen. Ich denke, ich sollte Ihnen ebenfalls sagen, dass dieses Anerbieten Dr. Herzl zuerst von Mr. Chamberlain gemacht wurde. Aber so lange Dr. Herzl fühlte, class noch die leiseste Aussicht war, mit Nutzen die Verhandlungen wegen El-Arisch fortzusetzen, erklärte er Mr. Chamberlain achtungsvoll, class er es vorzog, sich auf die Ostafrikafrage nicht einzulassen. Aber als die Verhandlungen wegen El-Arisch gescheitert waren, war Mr. Chamberlain so freundlich, wieder durch mich Dr. Herzl mitteilen zu lassen, was er von Ostafrika dachte. Er sagte zu mir: als er in Afrika war, hätte er Gelegenheit gehabt das von ihm erwählte Land zu sehen, und fügte hinzu: das ist ein Land, das Herrn Dr. Herzl passen dürfte. Es ist bis jetzt kein genaues Territorium bestimmt worden. Der genaue Ort muss noch bestimmt werden, nachdem Sachverständige unsererseits dort gewesen sein werden. Aber die Gegend, von der Chamberlain sagte, dass er den Eindruck habe, sie würde uns passen, wenn sonst die Umstände geneigt wären, liegt zwischen Nairaubi und N a'u Escarpment. Sie wird beschrieben als ein Hochland und scheint dem südlichsten Teile Englands ähnlich zu sein. Ich erfahre von der Regierung, dass, wenn das gewählte Gebiet uns annehmbar scheint und der High Commissionar der Schutzherrschaft die Gewährung empfiehlt, die Regierung bereit sein werde, uns ein bedeutendes Landgebiet zu überlassen, etwa 2—300 englische Meilen lang und ebenso breit, also zwischen 40 und 90,000 englische Geviertmeilen. Die Gegend.zwischen Nair aubi und NauEscarpmen t liegt an der Eisenbahn, die von Mombassa kommt. Was die gesetzliche Lage der vorgeschlagenen Ansiedelung betrifft, so handelt es sich um die örtliche Autonomie unter der Oberherrschaft Seiner britischen Majestät Regierung. — Ich will noch eine persönliche Bemerkung beifügen: Mir ist es so darum zu tun, unser Volk in unserem eigenen Lande versammelt zu sehen, dass, wenn ich nicht all die Zeit überzeugt gewesen wäre, dass die Verhandlungen mit der britischen Regierung ein weiterer Schritt zum Ziele unserer nationalen Bestrebungen mit Palästina als Ende wäre, ich mit achtungsvoller Ergebenheit unsern Führer gebeten hätte, mich des Auftrags, mit dem er mich beehrt hatte, zu entheben. Ich erinnere Sie noch einer Sache. Der Weg nach Palästina ist nicht notwendigerweise nur ein geographischer Weg, der politische Weg darf auch nicht aus dem Auge verloren werden. Dr. Max Nordau: Die Urkunde, die Ihnen vorgelegt wird, ist ein Brief von Mr. Hill, ständigem Untersekretär für die Kolonien, an Mr. Greenberg. Dieser Brief ist bereits in Nr. 4 der „Welt" publiziert und wurde vom Kongress mit langandauerndem Beifall aufgenommen. Prau Prof. Gottheil übersetzte das Dokument ins Französische. Dr. Max Nordau: Unter dem Eindruck des amtlichen Dokuments, das ich verlesen habe, hat einer unserer Kollegen im Kongress, der Rabbiner Fischel Pines, erklärt, dass er die englische Regierung mit der erforderlichen Spende in das „Goldene Buch" des Nationalfonds eintragen lässt* (Bravorufe.) Ich hoffe und wünsche, dass das jüdische Volk eines Tages in der Lage sein wird, seine Dankbarkeit Einzelnen, Regierungen und Völkern gegenüber auch noch anders auszudrücken! (Lebhafter Beifall.) Inzwischen aber war es eine rührende Bewegung des jüdischen Herzens, die sich in dieser Weise äusserte. (Beifall.) Dr. Herzl, Vorsitzender: Ich werde, bevor ich die Abstimmung vornehme, eine Pause eintreten lassen. Ich bitte aber nicht mit der gewohnten Unpünktlichkeit wieder zu erscheinen, sondern genau in einer »Stunde, das wäre um 3/*4 Uhr, weil dann die von vielen gewünschte — von ungefähr 120 Delegierten — namentliche Abstimmung sogleich beginnen wird, und wer nicht hier ist, nicht die Gelegenheit haben wird, sich zu diesem Punkte auszusprechen. Schluss der Sitzung 3 Uhr. Mittwoch-Nachmittagssitzung. ' (Beginn 4 Uhr 10). Vorsitzender Dr. Herzl. Wir werden jetzt die namentliche Abstimmung über die Frage vornehmen, eine Kommission über die Ostafrika-Frage einzusetzen. Da ich aber nicht für die zu spät Kommenden die Namensaufrufe wiederholen will, da wir bisher noch keine namentliche Abstimmung gehabt haben, sodass der Gebrauch nicht allen Delegierten vertraut ist, so will ich noch eine kurze Frist für die Säumenden zulassen, und bitte die Ordner, die Delegierten, die noch nicht da sind, in den Saal zu rufen und sich bereit zu halten, bei der namentlichen Abstimmung da zu sein und werde in fünf Minuten den Entwurf dem Kongress vorlegen, der jezt noch redigiert wird, und verlesen. Ich bitte, im Saale Ruhe zu halten und sich für die Abstimmung vorzubereiten. Das grosse A. C zieht sich auf diese fünf Minuten noch zurück, um den Entwurf festzustellen. Wiederaufnahme der Sitzung: 4 Uhr 15.