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Die Welt · 1903-08-27 · 4 (27.8.1903) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
4 (27.8.1903)
Article
Die Mittwoch-Vormittagssitzung
Date
1903-08-27
Page
14 (sequence 5)
Language
German
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Seite 14 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No» 4 gewinn zufliesst. Sie werden ferner Absatzgenossenschatten bilden, die die Produkte der grossen und kleinen "Wirtschaften zweckmässig behandeln und verpacken Und ihnen den besten Markt suchen um den Genossen den Gewinn des Zwischenhandels zuzuführen, sie werden Versicherungskassen für Feuer, Leben, Krankheit, Alters, Unfall, Hagelschlag und Viehseuchen errichten Und derart nur die Risikoprämien ohne einen Aufschlag für den Unternehmer zu zahlen haben, wobei zu vermuten und zu hoffen ist, dass die kleinen Versicherungskassen der einzelnen Kolonien durch Zusammenschluss untereinander mächtige Anstalten bilden werden, in denen das Risiko auf ein Minimum reduziert wird. Derart wird das ganze Leben dieser Kolonisten ablaufen in einem selbstgespannten Rahmen, der ihnen gleichzeitig Panzer und Stütze ist. Eine Bauernkolonie, die auf billigem Lande mit ausreichendem Kapital unter intelligenter fachmännischer Leitung arbeitet, deren Einkommen durch den Fortfall aller an Zwischenhandel und Kapital zu steuernden Abgaben vermehrt ist, deren Besitzrecht unantastbar und deren wirtschaftliche Spannkraft durch das Bewusstsein gespornt ist, nur für sich selbst und für die Familie zu schaffen, eine solche Gemeinde ist, das kann man mit Sicherheit aussprechen, einer privatkapitalistischen Kolonie vereinzelter Besitzer in einem ungeheueren Masse wirtschaftlich überlegen. Unter gleichen Verhältnissen haben die Mormonen aus der Wassersteppe Utahs ein Paradies erschaffen voll erstaunlichen Reichtums und unerhörten Bürgersinns. Diese ersten von Bauern, von dazu erzogenen Landarbeitern, bewirtschafteten Besiedelungen, das, meine Freunde, sind die Haken, die die zionistische Kolonisation in allen 4 Ecken des Landes fest einzutreiben hat, um daran die Stricke für ihr Netz zu spannen. Suchen wir uns jetzt klar zu werden, wie denn diese Stricke zu spannen sind. Wir werden von jeder Kolonie als einem Zentrum von Menschen, Tatkraft und Intelligenz aus, nach Massgabe der verfügbaren Mittel neue Siedlungen anlegen und mit neuen immer noch womöglich ausschliesslich landwirtschaftlichen Ansiedlern besetzen; wir werden ferner neues Land erwerben und für die Besiedelung vorbereiten, z. B. durch Entwässerung oder Anlage von Bewässerungswerken, die grössere Bezirke fruchtbar machen. Wir werden jetzt auch daran denken können, in die einzelnen Kolonien vorsichtig einige handwerksmässige Elemente einzuführen, die dort von ihrer Tätigkeit für die Kolonisten genügend leben können*, man wird ihnen Haus und Werkstatt bauen und ein Stück Gartenland zuweisen; sie werden die Verzinsung und Tilgung des Baukapitals und den Selbstkostenpreis des Bodens an die Zentralgenossenschaft leisten, der Zutritt zu sämtlichen Untergenossenschaften wird ihnen völlig offenstehen. Diese auf billigem Grund und Boden angesiedelten, auf einen kaufkräftigen Markt angewiesenen, mit einem genügenden Kapital ausgestatteten Ansiedler werden selbstverständlich selbständige Elemente sein und werden das Gedeihen der Kolonie, der sie angehören, auf vielfache Weise fördern. Sie bilden einen JSTahemarkt für viele Produkte der Landwirtschaft, der Dünger ihrer Haushaltungen und ihrer Stallungen kommt dem Lande der Kolonie zu gute* sie stellen in der Erntezeit eine Schar billiger, weil nur kurze Zeit zu bezahlender Hilfskräfte^ und sie gestatten vor allem * Und das ist das Wichtigste, nach dem bekannten Geäeta Johannis v. Thünen, wonach die Intensität der1 Agrikultur mit der Dichtigkeit des Marktes wächst,, eine fortwährend steigende Intensität der Wirtschaft öder mit anderen Worten: sie gestatten^ das Länd irrimer dichter mit landwirtschaftlichen Ansiedlern zu besetzen, ein Ergebnis, das* wie wir wissen^ für . die Zwecke unserer Kolonien Von geradezu entscheidender Bedeutung ist: denn wii* haben sehr viele Menschen unterzubringen. Mittlerweile sind die neuen Kolonien der 2. Stufe ganz wie die ersten eingerichtet und in Betrieb gesetzt. Mögen sie auf etwas geringerem Boden angesiedelt sein: sie profitieren von den Erfahrungen der Kolonisten 1. Stufe, sie profitieren von der schon erfolgten Ausbildung der Grosshandelsgenossenschaft, der Absatzwege u. s. w. und sie profitieren schliesslich von dem Imponderabile der Erfolgszuversicht und des bereits entfalteten genossenschaftlichen Geistes. Man wird, um diese Stimmung zu stärken, die besten Elemente der Ansiedelungen 1. Stufe durch das Anerbieten von entsprechend höheren Tantiemen am Reingewinn zu bestimmen versuchen, in die neue Kolonie überzutreten, sozusagen als Unteroffiziere der Rekruten, und wird so in jede Kolonie einen Stamm genossenschaftlich vorzüglich geschulter Vorarbeiter hineinsetzen können. Die so in den ersten Ansiedlungen entstandenen Lücken wird man unter vorsichtiger Auswahl hier und da schon füllen können durch die Einberufung von gewerblichen Ansiedlern, deren hisherige Beschäftigung eine gewisse Gewähr dafür bietet, dass sie den Strapazen der Landarbeit gewachsen sein werden, z. B. Lastträger oder Bergarbeiter, aber auch ausgesuchte andere jüngere Familienväter von rüstiger Kraft. Diese alle werden, in Reih und Glied gestellt mit geübten Landarbeitern, in vielen Fällen die Ausdauer und technische Gewandheit zurückgewinnen, die ihnen nötig ist. Auch in diesen Kolonien der zweiten Stufe werden städtische Elemente in grösserer Zahl als Handwerker u. s. w. Unterkommen finden können. Das, meine Freunde, sind die Stricke, die die zionistische Kolonisation spannen soll, um daran ihrN etz zu wirken. Bis zu dem Augenblick werden die heute verfügbaren Mittel vermutlich aufgebraucht sein: dann aber wird es nicht mehr nötig sein, zur Weiterführung des grossen Werkes an das jüdische Herz und den jüdischen Geldbeutel zu appelieren, sondern es wird sich dann auch für den Voreingenommensten herausgestellt haben, dass hier Organismen von erstaunlicher Lebenskraft geschaffen sind, Gemeinden von einer Steuerkraft wie sie bisher keine Gemeinde besessen hat, da der Grund und Boden ihr Eigentum ist, und alle Bürger bis zum letzten Pfennig ihres Privatvermögens für sie eintreten müssen, soll ihre Existenzgrundlage nicht in Stücke gehen. Und diese Gemeinden sind gleichzeitig Wirtschaftsorganismen von höchster Kraft, deren Feder gebildet wird durch das ungehemmte wirtschaftliche Selbstinteresse ohne Zukunftssorge für sich und die Seinen schaffenden Mannes, . unbesteuert durch Grundrente, Kapitalzins und Zwischenhandel - Gewinn — diese halb gemeindlichen, halb wirtschaftlichen Organisationen bieten ein Kreditbasis von unvergleichlich höherer Tragkraft als selbst die reichsten Gemeinden Westeuropas, und so wird ihnen auch d^r befruchtende

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