Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 4 (27.8.1903)
- Article
- Die Mittwoch-Vormittagssitzung
- Date
- 1903-08-27
- Page
- 15 (sequence 6)
- Language
- German
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No. 4 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 15 Goldstrom des Kredits immer in so reichem Masse zufliessen, als sie seiner bedürfen. Dann ist die Zeit gekommen, um mit diesen ungeheuren Mitteln die wirtschaftliche Erschliessung des Landes voll durchzuführen, das heisst, die Maschen des Netzes zu schlingen. Dann wird man die Bergflüsse in dem Gebirge einfassen, um aus ungeheuren Eeservoirs das befruchtende Nass vorsichtig herabzuleiten, dass die dürre Steppe sich mit Weizen- und Maisfeldern schmücke, dann wird man das Netz von Kanälen, Chausseen und Eisenbahnen über das Land spannen, das für seinen vollen Reichtum unentbehrlich ist*, dann werden die Hafen-, die Kaianlagen entstehen, die unser verehrter Präsident zukunftsahnend erschaut hat. dann wird vielleicht auch wirklich das Wasser des Mittelmeeres in jene Salzpfütze des Totenmeeres geleitet werden, und auf seinen Wegen die riesigen Dynamos dieser blühenden Volkswirtschaft treiben. Dann aber ist es auch Zeit, eine wirkliche Massen- Einwanderung ins Werk zu setzen, dann kann man zwischen den neu entstandenen Landstädten ganze Handwerker-Städte errichten, von Baumpflanzungen umgeben, in denen der verelendete Schneider und Schuhmacher der polnischen Schmutznester ein trauliches Heim, gesunde Luft und eine ungedrückte Existenz finden kann. Dann wird hier ein Arbeitermaterial vorhanden sein, das mit den Geldlöhnen des Londoner Ostendes und der Schwitzhöllen New-Yorks bei billiger Miete und Nahrung eine zwar nicht reiche, aber dennoch würdige Existenz führen kann; und dann mag die in aller Welt berühmte kaufmännische Findigkeit der jüdischen Kapitalisten auf Grund dieser billigen und dennoch nicht verelendeten Lohnarbeiter- Bevölkerung hier Weltmarktindustrien errichten, die so lange den Auswurf des europäischen Ostens ernähren werden, bis diese Unglücklichen ein sanftes Ende gefunden haben. Ihre Kinder aber, erzogen in Licht und Luft, bei kräftiger Nahrung und im Vollgefühl ihrer nationalen Gleichberechtigung werden freie Siedler und freie Handwerker im Lande ihrer Väter sein können, mit der Kraft der Muskeln und des Geistes, die nötig sind, um Menschen zu Menschen zu machen. Das,- meine Freunde, ist der Weg, auf dem, wie ich glaube, allein zu unserm Ziele zu gelangen i-t. Es ist ein harter Weg voller Arbeit, Mühe und Opfer und ein Weg, der für die Ungeduld des nach Erlösung Schreienden und für das heisse Herz des Helfers viel zu lang scheint. Aber ich sehe keinen andern; keine organisatorische Kraft der Welt und kein Reichtum der Welt scheint mir zur Lösung des Werkes auszureichen, das erwächst, wenn man Millionen jämmerlicher Stadtproletarier auf einmal in ein landwirtschaftliches Gebiethinüberwirft: Das muss ein Chaos geben, das nur mit beispielsloser Not enden kann und das die überzähligen durch Hunger, Typhus und Cholera aus dem Wege räumen muss, um den Wenigen Platz zu schaffen, die übrigbleiben werden. Wie lange das Werk in Anspruch nehmen muss, das ich skizziert habe, lässt sich übrigens von vorneherein nicht feststellen; die Mittel, die wir in der Hand haben, befähigen uns, unsere Haken sofort an vielen Stellen einzuschlagen, wenn nur die Vorbedingung jeder Siedelung und überhaupt jedes menschlichen Wohlseins gegeben ist: die Sicherheit unserer Siedler für Gut und Blut, der Schutz eines zivilisierten Staates, die öffentlich rechtliche Sicherung der neuen Heimstätte* Aber wo auch immer, diese Grundlage muss geschaffen werden und so ist es dann Sache der Parteileitung uns eines Tages zu sagen: hier schlagt eure Zeltpflxicke ein. Dann aber braucht es gar nicht lange zu dauern, bis der Strom der Einwanderung in unser Land vom dünnen Fädchen wächst zum Bach, vom vollen Bach zum Pluss, zum Strom und bis die Reservoirs des Unheils in Halb-Asien geleert sind. Hier ist nur der Anfang schwer. Legen wir auf das erste Feld unseres Schachbretts nur wenige Weizenkörner, und verdoppeln wir von Feld zu Feld, wie jener persische Dichter der Sage, dann wächst das Werk unserer Kolonisation ins ungeheuere. Die Geldmittel strömen uns noch viel schneller zu als die Menschen und es braucht keine Generation darüber zu sterben, bis der letzte Paria Europas zum freien Bürger seines eigenen Vaterlandes umgewandelt ist. Wir selber werden das gelobte Land hoffentlich noch schauen, wie Josua es schaute, werden nicht sterben müssen wie Mosej beim ersten Blick auf das Tal seiner Sehnsucht. Aller Anfang ist schwer und nur der erste Schritt kostet Kampf. Fangen wir daher an, meine Freunde, legen wir so bald als möglich den Grundstein zu dem Riesenbau, den unsere Besten leuchtend vor ihrem Auge stehen sahen; legen wir nicht die Hände in den Schoss, um eine plötzliche Erfüllung zu träumen, sondern greifen wir zu und bescheiden uns das zu erreichen, was des Menschen Kraft von der Natur verliehen ist, den Grund zu legen, den Keim zu pflanzen zu dem Baume, in dessen Schatten unsere späteren Enkel uns einst segnen werden. (Donnernder Beifall.) Der Nationalfonds. Eingezahlt in der zeitweiligen Abteilung des Jewish Colonial Trust, Ld. (Jüdische Kolonial-Bank) in Basel. Zum Eintragen im Goldenen Buch per Dr. Elias Berlin, Zaritzin a./Wolga. Dr. Elias Berlin, Zaritzin a./Wolga . . Rs. 100, — Josef Goldin.......... „ 100. — Josef und Fanny Kodriansky .... „ 100. — Simon Ratner . . :. . i. . . . „ 100.— Samuel Rosoff.......... „ 100. — Miney Cholmiansky........ „ 100. — Leo Tarachowsky......... „ 100. — Echiel Silbermann ........ „ 100. — Lia und Moses Schiffrin...... .,100. — Pessia-Chaja und Chaim Schirmann . . „ 100.— Salmann Ugansky......... „ 100.— per Herrn Leon Horodischz, Zentral-Komitee des Zion. Vereins in Brest Litowsk zum Eintragen Dr. Th. Herzl. Rs. 100. —