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Die Welt · 1903-08-27 · 4 (27.8.1903) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
4 (27.8.1903)
Article
Dienstag-Nachmittagssitzung
Date
1903-08-27
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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No. 4 Separat-Ausgabe. „Die Wtslt" Seite 5 Präsident : Da das Resultat der 'Abstimmung sich nicht genau ermitteln lasse, entscheide er gegen Beschränkung der Redezeit auf fünf Minuten. Der Antrag auf Beschränkung der Redezeit auf 10 Minuten wird dann angenommen. Dr. Wortsmann: Wir müssen unserm Führer, Herrn Dr. H e r z 1, dankbar sein, für das, was er seit dem letzten Kongress getan hat. Er hat mehr getan, als wir von ihm verlangen können. Das bedingt aber noch nicht die Annahme des Ost-Afrika Projektes. Ich will, dass in dieser Frage Klarheit geschaffen wird. Dr. Nordau hat uns gestern gesagt, dass wir weiter arbeiten müssen für. Palästina, wir sollen die Kräfte nicht zersplittern und hat damit geendet, class wir für Ost-Afrika sein müssen. Das ist ein gewaltiger Widerspruch. Das hiesse vormittags Geld sammeln für den Nationalfonds, Aktien verkaufen für die jüdische Kolonialbank und nachmittags für die ostafrikanische Bank. Wer das jüdische Leben kennt, muss sagen: Eine jüdische Autonomie mit einer jüdischen Lokalregierung in Ost-Afrika ist ein Glück für das jüdische Volk. Aber wenn wir, wie Dr. Nordau gesagt hat, ein „Nachtasyl" gründen wollen, so müssen wir suchen, dieses Nachtasyl so gut als möglich auszustatten. Es ist charakteristisch, und ich möchte 'sagen traurig, innerhalb 24 Stunden Palästina in Ost-Afrika zu verwandeln. Man sagt uns, wir müssen der englischen Regierung dankbar sein, jawohl, vom Herzen. Aber vergessen wir nicht, class, wenn wir Millionen Juden nach Ost-Afrika schicken und dort einen Kulturstaat gründen, auch die englische Regierung uns zu danken haben wird. Ich bitte, mich so aufzufassen, als spräche ich hier gegen Ost-Afrika. An dem Zionistenkongress werden Sie mich nicht für Ost-Afrika sehen, das wäre Verrat an dem Schekelzahler, an dem Zionisten. Ich mache den Vorschlag, class man eine Kommission zu dieser Frage wähle, namentliche Abstimmung vornehme, damit das jüdische Volk weiss, wer für Ost-Afrika und wer für Palästina ist. (Lebhafter Beifall.) L e w i Ii (Jargon) wendet sich gegen die Wahl einer Kommission, er betrachtet das als erster Schritt für die Annahme des. Ost-Afrika Projektes. Wir wollen Palästina, nicht ein Nachtasyl. Wir wollen Dr. H e r z 1 in Palästina haben und Nordau auch. Wir haben die Zusicherung in dem ältesten Buche der AVeit, dass wir unser Land bekommen werden, wir wollen es nicht, und sei es auch nur auf 10 Jahre, aufgeben. Wir wollen Dr. Herzl, der uns teuer ist, keine einzige Stunde geben für eine andere Bewegung. Wir sind eifersüchtig auf ihn. Er soll unser Präsident sein, so lange es nur einen zionistischen Kongress gibt und sollte es auch viele geben, die sich anderen Bewegungen zuwenden, so wollen wir uns treu bleiben als reine Zionisten. Dr. Pasmanik. Ich glaube dass dies der tragischste Moment des sechsten Kongresses und nicht blos des sechsten, sondern aller bisherigen Kongresse ist. Man muss diesen innern Kampf sehen, beobachten, der in jedem einzelnen von uns vor sich geht. Wie schwer es jedem fällt, in dieser Frage eine Entscheidung zu fällen. Als wir zum Kongress gewählt wurden, wussten wir von der Ostafrikafrage nichts. Wir wissen jetzt auch nicht, was unsere Wähler dazu denken. Haben wir das Recht, ohne die Wähler befragt zu haben, die Frage zu entscheiden? Wo sind die Demokraten, und die, die sich Demokraten nennen, die dieses Prinzip nicht verteidigen wollen? Ich will an meine Wähler appellieren. Ich stehe auf dem Standpunkt eines echten Demokraten. Ein zweiter Punkt ist die ungeheure politische Bedeutung dieses Angebotes. Wir sind zum ersten Male als politischer Faktqr behandelt worden. Nutzen wir diesen Moment aus. Brechen wir nicht den Stab über das Angebot. Die einzig richtige Entscheidung wird sein: Wir wählen eine Kommission, die sich mit der Frage so weit als möglich genau vertraut macht, die aber nicht das Recht hat zu entscheiden. Dann soll die Frage von der ganzen zionistischen Welt diskutiert werden. Und wenn es notwendig ist, haben wir einen Kongress in 6 Monaten, in 3 Monaten. Wir haben ja schon lange gewartet, wir können noch etwas länger warten Ich glaube, wenn wir dann entscheiden, in welchem Sinne es auch sei, wird es eine Volksentscheidung sein. (Grosser Beifall). T e m k i n spricht russisch: Er danke England herzlich für das Anerbieten, aber er müsse konstatieren, dass vom VI. Kongress an bei unsern Führern mehr Anhänglichkeit zum judenstaatlichen Ideal als zu Zion sichtbar geworden ist. Und doch seien ihm lieber als Länder voll Milch und Honig die nackten Felsen Palästinas. Wenn wir Afrika annehmen, so müssen wir der moralischen Unterstützung Europas für unsere Ideale Adieu sagen. Niemand wird später mit unseren Gefühlen rechnen. Ferner sind folgende praktische Rücksichten zu nehmen: 1. Wir haben wenig Leute. Und es wird sicher eine Spaltung stattfinden in eine Partei des »reinen« und eine des »problematischen« Zion. 2. Wir haben wenig Geld. Und das Geld, wofür bis jetzt für Palästina geschafft worden ist, würde anderweitig gebraucht. Auf lange Zeiten würden wir auf die Spenden des Nationalfonds für Palästina verzichten müssen. Er schlage vor, diesen Antrag (Ostafrika) nicht jetzt und niemals später anzunehmen, und unsere Tätigkeit in der Richtung der Augen des jüdischen Volkes, nach Zion, zu richten. (Beifall.) Dr. Friede mann: Ich habe heute sehr viel Worte gehört. Sie bewegten sich alle in der Richtung, dass wir im Begriffe sind, das Basler Programm zu verraten. Die Deutschen, Oesterreicher, Italiener, Engländer und Amerikaner, die Ihnen durch meinen Mund vor 2 Tagen verkündet haben, dass sie für Einsetzung einer Kommission sind, sind so gut Zionisten und wissen so gut mit dem Basler Programm Bescheid wie die andern. (Beifall. Widerspruch). In den Reden war sehr viel Sentiment. Aber man macht in Europa Politik nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopf, Die Politik Temkins ist Politik des Sentiments, nicht des Kopfes. Es ist nicht richtig, dass das Afrikaprojekt dem Basler Programm widerspreche. Diejenigen, die schon etwas länger in der Bewegung sind, wissen, dass die allerersten Zionisten sehr im Zweifel waren, ob man Palästina überhaupt ins Programm nehmen solle. (Unruhe). Wir wollen nicht, dass hier beschlossen wird, dass wir nach Ostafrika übersiedeln, sondern dass man vernunftgemäss einen vernunftgemässen Vorschlag überlegt, ehe man ihn ablehnt. Es ist gesagt worden, wenn wir in Ostafrika etwas unternehmen, schädigen wir"" die Volksidee. Aber wir behalten ja unter allen Umständen Palästina als Endziel. Warum sind Sie dagegen, dass man ein grossherziges Anerbieten in höflicher Form—prüft? Es ist auch gesagt worden, die Ica möge helfen. Gut! Wenn sie es aber nicht tut, so kann es gehen wie dem Mann, dem gesagt wird: Ich gebe Dir kein Brot; du hast reiche Verwandte. Als ihm die auch keines gaben, ist er verhungert. Millionen russischer, rumänischer, galizischer Juden schmachten in Verzweiflung und Sie wollen ein grosses Projekt so abtun? (Schlussrufe. — Grosser Beifall.) Wir wünschen lediglich eine Kommission. Diese

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