Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
- Article
- Zionismus und Wohltätigkeitsanstalten
- Date
- 1903-08-26
- Page
- 15 (sequence 6)
- Language
- German
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No. 3 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 15 nicht sicher, denn reiche Leute könnten arm werden; in einer Welt von Wertschwankungen sei blos der Schnorrer stabil. Was thue es, wenn reiche Leute zu Grunde gehen. Erstehen doch*an ihrer Stelle andere, bei welchen man schnorren könne. Wenn dieser Vergleich mit dem Schnorrer auch den heimatlosen Juden hart trifft, da er nicht ein Bettler, sondern der zahlende Gast der Nationen ist, in deren Ebbe und Flut - er im Sinne dieser Theorie eine unsterbliche Existenz behalten könnte, erscheint derselbe doch nicht als eine ungerechte Zusammenfassung des Arguments, das von manchen Juden oft angewendet wird, um die Verantwortung einer eigenen Nationalität von sich abzuwälzen. Wenn man diese Sache wirtschaftlich analisiert, findet man, dass diese Verpflichtungen nicht nur geringer werden, sondern sich sogar noch vermehren. Unsere Sprachschwierigkeiten auf diesem Kongress, auf welchem so viel Zeit und Energie auf die Uebersetzung . einer Resolution in vier oder fünf Sprachen aufgewendet wird, sind das beste Symbol der Vermehrung der Schwierigkeiten und der wirtschaftlichen Vergeudung infolge des Mangels eines jüdischen Bodens. — Um den Ausspruch Jochanan ben Sakkais hier in einem etwas veränderten Sinne anzuwenden; »Unglückliche Nation, du wolltest nicht einen halben Schekel für den Tempel anbieten und musst deshalb 30 Schekel dem Staate zahlen». Diese 30 Schekel werden in allen möglichen Gestalten gezahlt: pekuniär, geistig und physisch. Die Lage, in welche sich die Juden dadurch bringen, dass sie als isolierte Gruppe in fremder Umgebung leben, ist eine für die menschliche Natur zu schwierige Alles, was sie in einer so unnaturlichen Lage thun, führt zu falschen Resultaten; die Assimilation z. B., welche die jüdischen Pietisten verunglimpfen, ist selbst in ihren extremen Formen, wie die Änderung jüdischer Namen, tatsächlich ein Zeichen bürgerlicher Tugend. Der Wunsch, den allgemeinen Gesetzen zu gehorchen und sich einem allgemeinen Standpunkte anzupassen, bietet uns die sicherste Grundlage für die Heranbildung eines das Gesetz achtenden Volkes auf unserm eigenen Grund und Boden. Gerade so wie Schmutz nichts ist als ein Stoff an unrichtiger Stelle, gerade so werden gewisse jüdische Laster in einem jüdischen Milieu zu jüdischen Tugenden Desgleichen würden alle jene Wohltätigkeitsakte jüdischer Millionäre, welche das Resultat der Assimilation sind (wie z. B. Mister Mosely, weicher für England industrielle und Erziehungskommissionen und Herr Pulitzer, der in New-York Journalistenschulen erhält, während das eigene Volk dieser Männer sich unter Schmerzen windet) alle diese Wohltätigkeitsakte würden naturgemäss unserm eigenen Volke zu Nutzen kommen. In den Berichten der Einwanderungskommissionen werden diese von den Fremden gestifteten Wohltaten nie erwähnt. Die vielhundertjährige Arbeit der Juden, welche dahin zielte, Städte und Staaten aufzubauen, wobei der Jude im Endresultate nicht einmal einen Vorteil für sich selbst errang, zeigt, wie in der Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung gerade der Jude die Rolle des Christen spielt. Da Millionen Juden noch immer den Sabbath halten, ist der doppelte Ruhetag gleichfalls eine der Gestalten, in welcher sie die 30 Schekel zahlen. Aus den Kosten des Sabath könnten wir. fast einen Staat erbauen. Dabei habe ich ganz von den tragischen Folgen jenes höchsten Opfers abgesehen, welches man den Juden dadurch auferlegt, dass man sie in einem fremden Milieu auf einige wenige Berufsarten beschränkt. Bedenken Sie ferner, welche wirtschaftliche Vergeudung in den dem ewigen Juden aufgedrungenen Migrationen steckt. Unsere Reisespesen sind grösser als diejenigen irgend einer andern Nation. Obwohl ohne Flotte beschäftigen wir vom Anfange des Jahres bis zum Ende doch eine Flotte von Schiffen, welche für eine jüdische Seemacht ausreichen würde. Was eine jüdische Armee betrifft, so ist ja eine solche unter die Heere der Welt verteilt, für deren jedes wir unser Blut vergiesen. Das hindert aber nicht, dass wir noch obendrein mit dem Rishus jedes einzelnen Landes zu kämpfen haben. Hiezukommen die Schadenersatzrechnungen, zu deren Zahlung man immer an uns herantritt. Denn wenn wir auch in verschiedenen Ländern in Gruppen zerstreut leben, so haben wir doch überall die Verpflichtung für die Gesammtheit. Militärisch ausgedrückt: Wir haben eine Grenze zu verteidigen, die endlos ist. Dann gibt es auch politische Kämpfe, welche wir in den verschiedenen Ländern für unsere Menschenrechte führen müssen. Und die Ironie dieses unseres Kampfes liegt darin, dass er vom Beginn an hoffnungslos ist. Die Boeren kämpften für ihr Boerentum und ein Sieg hätte ihre nationale Eigentümlichkeit gewahrt. Aber bei den Juden läuft der Erfolg der Zulassung zu allen Privilegien der Engländer, Franzosen und Deutschen nur darauf hinaus, ihre nationalen Eigentümlichkeiten auszulöschen. Es ist also das Spiel von Kopf und Schrift, wo, wenn Kopf fällt, ich verliere und wenn Schritt fällt, der andere gewinnt. Der ^inzige erfolgreiche Kampf, der geführt werden kann, um die jüdische Race zu erhalten, ist der, der darauf abzielt, das jüdische Volk auf eigenen Boden zu verpflanzen. Insolange wir unsern Kampf auf der ganzen Erde zerstreut führen, werden wir uns immer um unsere Siege betrogen und die Position, die wir errangen, vom Antisimitismus zurückgewonnen sehen. Von dieser Gefahr haben wir uns sogar im freien England bedroht gefunden. Eine grosse Ursache unseres fortwährenden Rückganges hat den Grund in dem Bilde, welches die verschiedenen Nationen, unter welchem die Juden zerstreut leben, diesem heimatlosen und doch überall vertretenen Volke entwerfen. Dieses Bild ist gleichsam horizontal, während jedes andere Volk, unter welchem wir leben sich vertikal entwickelt. Um es deutlicher zu sagen: Jeder Deutsche. Franzose oder Engländer weiss sehr gut, dass sein Volk aus einer abwärts steigenden abgestuften Schichtung von Bürgern besteht; beginnend mit dem Ministerpräsidenten und Edelleuten und hinabreichend bis zum Proletarier und Verbrecher. Aber die Juden werden als eine homogene Gruppe betrachtet, die sich horizontal ausbreitet, alle reich und das Volk, unter denen sie leben, ruinierend oder alle arm und ein Hemmschuh für dasselbe, wie eben die krankhafte Phantasie des Momentes es eingeben mag.'Ein jüdischer Mörder bringt Blutschuld über die ganze Rasse, während jedes ändere Volk seine Mörder eben regelrecht hängt, ohne dadurch die Selbstachtung einzubüssen. Die Juden sind sich dieses Trugschlusses so wohl bewusst, dass sie sich mit demselben beinahe identifizieren, was beispielsweise auch darin zum Ausdruck kommt, dass sie eine wahre Abscheu davor haben, einen jüdischen Bösewicht selbst in einer Dichtung vorzuführen. Unter den wirtschaftlichen Verlusten, die auf den Mangel an einer Heimstätte zurückzuführen sind, ist der geringsten einer nicht der an Menschen, denn die Menschen sind ja der wahre Reichtum eines Landes. Ich spreche nicht nur von den Myriaden, die das Taufwasser hinweggeschwemmt hat, sondern von hervorragenden Männern, welche die Creme der Rasse darstellen. In Palästina, wo doch die jüdische Religion die nationale Religion war, gab es mindestens vier Abarten derselben, manche derselben abweichend genug, um als besondere religiöse Richtung gelten zu können. So war in Palästina Raum für Männer jeder religiösen Schule und selbst, wenn sie die Religion ganz von sich abgestreift hätten, könnten sie trotzdem Patrioten bleiben. Als Palästina unter ging und sinnbildlich seinen Ausdruck in der Religion fand, wurde nicht nur ein grosser Teil der Religion gleichsam versteinert, indem er den vitalen Einflüssen der