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Die Welt · 1903-08-26 · [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
Article
Zionismus und Wohltätigkeitsanstalten
Date
1903-08-26
Page
16 (sequence 7)
Language
German
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Seite 16 ,Die Welt" Separat-Ausgabe. Nr. 3 Wirklichkeit entrückt wurde, sondern es zeigte sich, dass die zurückgebliebene Plattform der blossen Religion sich als zu klein erwies, um allen Söhnen dieses Reiches Israel als Basis zu dienen, besonders da das Gedankenleben der Menschheit mit der Zeit sich immer erweiterte. So erklärt sich der Verlust von Männern wie Spinoza, welcher, den Boden der religiösen Plattform verlassend, sich ausserhalb der Grenzen des Judentums sah, während im eigenen Lande solche Männer in Zukunft, wenn sie auch exkommuniziert wurden, sich immer noch unter Brüdern befinden würden. Da weder Geburt noch Heirat heute präzise feststellen, wer Jude ist und wer nicht, ist der Chronikeur des Judentums auf den Nachweis angewiesen dass der Mann unter Juden begraben wurde. Wir machen unsere Volkszählung auf den Friedhöfen. Aber der Nachweis des Judentums soll nicht durch den Tod sondern durch das Leben geschehen: wie ein Mensch lebt und nicht wie er begraben ist. Der Nichtjude Zola, dessen Tod wir seit dem letzten Kongress beklagen, war mehr Jude als so mancher geborene, verheiratete und begrabene Hebräer. Es liegt auf der Hand, dass die wirtschaftliche Zergliederung der Nachteile der Heimatlosigkeit, welche ich nun zu Ende führen will, sich auf unsere Stellung nicht nur als Volk ohne unser angestammtes Land, sondern als Volk überhaupt ohne Heimat sich bezieht. Und obschon kein anderes Land mit Palästina, dem Ziel unserer Bestrebungen, wetteifern kann, gibt es doch keinen Ort unter der Sonne, welcher, wenn er nur jüdisch wäre, nicht schliesslich alle die physischen und geistigen Uebel, welche ich aufgezählt habe, wieder gut machen könnte. Der Geist ist mehr als der Boden und die jüdische Seele kann ihr Palästina überall schaffen, ohne notwendigerweise den geschichtlichen Anspruch auf das heilige Land dadurch aufzugeben. Es versteht sich von selbst, dass, wenn ich sage, dass diese Uebel wieder ganz gut gemacht würden, ich eine abstrakte Behauptung aufstelle, welche in der realen Welt eine Aenderung insofern erfahren würde, als ja verschiedene Gruppen unseres Volkes immer irgendwo anders angesiedelt bleiben werden. Aber auch die Last dieser letzteren würde bedeutend reduziert und deren Würde erhöht werden durch das Vorhandensein einer vaterländischen Zentrale. Selbst in unserm Palästina, neu oder alt, würden gewisse Uebelstände selbstverständlich bestehen bleiben. Es wären dies die Uebelstände, welche ich bereits als allen Völkern eigen hervorgehoben habe, obwohl, wie ich bereits eingangs gesagt, wir hoffen dürfen, auch diese auf ein Minimum zu reduzieren. Denjenigen Institutionen, welche mit diesen Uebelständen schon jetzt in den Ländern unseres Exils aufzuräumen suchen, wissen wir Dank. Jenen Stümpern, welche sich an dem Werke, das wir auf einer grossen politischen Basis anstreben, versuchen, stehen wir nicht antipathisch gegenüber, insolange sie in Fällen von Bedrängnis tatsächlich Gutes leisten und nicht unseren Plänen bewusst direkt entgegen arbeiten. Aber ob sie nun helfen, Emigranten weiter zu befördern oder sie in kleinen Kolonien sesshaft zu machen, es ist nicht unsere Aufgabe, mit denselben gemeinsame Sache zu machen, wenngleich es wahrscheinlich ihre Aufgabe ist, mit uns gemeinsame Sache zu machen, da ich überzeugt bin, dass wenigstens ein Teil ihrer Fonds und Tätigkeit wirksamer verwertet würde, wenn dieselben im Sinne unserer Bewegung angewandt würden. Es wäre verhängnisvoll, wenn wir, um ein ungeduldiges Verlangen nach einem Beweis unserer Aktualität zu befriedigen, unseren grossen Gedanken fallen Hessen und uns zu Rivalen jener stümperhaften Vereinigungen machen würden, welche die jüdische Frage der Nachwelt nicht viel anders überliefern würden als wir sie von unseren Vorfahren erhalten hatten* Staatsmänner dürfen wie die Natur mit einem einzelnen Leben nicht zu zart verfahren; sie müssen der Gattung dienen. Es verlohnt der Mühe, den Judenschmerz, den Schmerz von 1900 Jahren, eher etwas länger andauern zu lassen als uns von unseren langsamen Massnahmen, die auf eine radikale Kur gerichtet sind, abzuwenden und die Quacksalbereien einer sentimentalen Philantropie in Anwendung zu bringen. Wenn wir bedenken, dass die Hälfte unseres Volkes innerhalb der russischen Grenzpfähle zusammengepfercht ist, dass es demselben verboten ist, sich im Verhältnis zur natürlichen Vermehrung der Bevölkerung auf dem Gebiete der Industrie und der Landwirtschaft zu entfalten, wird es uns sofort klar, dass die Armut und die Leiden nach einem unerbittlichen Gesetz rapider anwachsen müssen als das Wirken der Wohltätigkeitsanstalten. Nur Politik kann ein politisches Problem lösen. Sogar die Schadenrechnung für KischinefT erscheint einem kaltblütigen wirtschaftlichen Analytiker nicht als die Sache des Zionismus. Wir haben nicht die Verantwortung auf unserm Gewissen, es versucht zu haben, die Juden in Russland zurückzuhalten. Seit 7 Jahren verlangen wir, dass unseren unglücklichen Brüdern eine Zufluchtsstätte gewährt werde. Wir sind hier, um Kischineffs zu verhindern, nicht dieselben zu heilen. Wir können selbst in hysterischsten Momenten uns nicht von unserer grossen Aufgabe abwendig machen, von einer Aufgabe, welche unsere ganze Energie und/alle unsere Mittel, ja sogar mehr als alle unsere Mittel benötigt. Aber selbst das Herz des kaltblütigen Analytikers, würde über den Verstand die Oberhand gewinnen, wären wir die einzige jüdische Organisation. Glücklicherweise gibt es nicht nur den Zionismus, sondern auch die Wohltätigkeitsinstitutionen. Richtigstellung In dem Berichtetes Herrn Dr. Ko k es ch haben sich in'sojferne Ungenauigkeiteit eingeschlichen, dass es auf Seite 3 Zeile 33 und 34 statt „ersten" vorletzten heisst. Junger Zionist (Bankbeamter) 11 u üo 111 > I i i k I i t * 11 t; i n j; i 1 M'i «• p i v u s s i sc 1) < Stellung in Palästina. 'Krauche. uiitor ,,.huigzioii" an die jr rnleroffizicr sticht gleichgültig. Offerten Expedition. Gesellschaß „ CARMEL«, Warschau fH^* Alleinvertrieb der palästinensischen Naturweine und Cognacs (aus den Rothschild'schen Kellereien) für ttussland.. Diese von den jüdischen Kolonisten Palästinas erzeugten Weine und Cognacs sind weltberümt und erfreuen sich grosser Beliebtheit bei Juden und Nichtjuden. M^K^ Von den auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Weinen wurden unsere Weine allein *a9BUffll W^^F mit der grossen goldenen Medaille preisgekrönt. — Der beste Beweis für ihre Vorzüge. *3Bm Alleinige Bezugsquellen; Unsere Hauptgeschäfte in Warschau und Odessa, sowie Verkaufsstellen in allen Städten Russlands. — Adresse: Gesellschaft ,,CARMEL, Warschau oder Odessa. Herausgeber: A. H. Reich, Verantwortlicher Redakteur: Julius^Uprimny. — Buchdruckerei Emil Birkhäuser, Basel (Schweiz)

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