Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
- Article
- Montag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-26
- Page
- 9 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 9 bei den Herren eine sachlich verständige Aufnahme und eine durchaus nicht ablehnende Haltung gefunden. Ich habe sie nicht zu unsern grössern Ideen bekehrt und bekehren wollen. Sie haben aber gefunden, dass sie, wenn es uns gelingt, das zu schaffen, mit uns gehen werden in einem noch zu bestimmenden Ausmasse. (Bravo). Ich mache dem Kongress ein Vergnügen, indem ich ihm das mitteile. (Stürmischer Beifall). Es macht mir keine Verlegenheit, es zu sagen. Herr Dr. Nossig hat sich ferner als Genosse des Herrn Trietsch darüber aufgehalten, dass ich von dieser unglücklichen Frau gestern hier gesprochen habe. Ja, alle sind eben nicht gestorben! Es waren auch nicht mehr alle zu rinden, denn das ist ein wanderndes Elend und seit dieser Frau waren noch andere da. Nicht nur in diesem Jahre, sondern die sind in einer Zeit gekommen, wo seine Angriffe bereits in der Oeffentlichkeit stattgefunden haben. Die Frau ist zufällig in diese Gegend gekommen und dahabe ich gesagt: Nun wollen wir sie festhalten. Dr. Nossig findet, dass man nur von den Opfern rede, die ich gebracht habe, aber nicht von denen, die ich gemacht habe. Es existiert ein Brief des A.-C, der so oft geschrieben werden muss, dass wir eine stehende Form dafür haben: dass wir niemand encouragieren oder auch nur irgendwie unterstützen können, der sich zu einer verfrühten Auswanderung entschliesst. Es werden von uns nur Erklärungen gegeben, aus denen hervorgeht, dass wir arbeiten; aber wir verleiten die Leute nicht zu verfrühter Auswanderung. In meiner Rede steht auch, dass wir selbst auf dieses autonome Gebiet nicht die Auswanderung anregen werden, dass wir selbst, wenn wir einen Charter in Ost- Afrika haben, selbst dann keine Bewegung hervorrufen wollen, nur kommen Leute hieher und sagen, dass es Opfer giebt .... (Pfui! Pfui!) Das ist eine geschickte rednerische Wendung, wenn sie unabgewehrt bleibt. Aber lassen Sie doch nicht verdunkeln, um was es sich gehandelt hat. Ich habe Hrn. Trietsch auf das schwerste provoziert. Ich habe ihn, sagt er, mit Vorwürfen überfallen, die er nicht verdient habe. Ich habe insbesondere nicht einmal die Ehrenhaftigkeit des Hrn. Trietsch angegriffen. Er hat heute gewünscht, dass ich ihm eine solche Erklärung gebe; die habe ich ihm rundweg abgeschlagen. Hr. Prof. Manclelstamni ist zu mir gekommen und hat die Erklärung gewünscht, dass ich an der Ehrenhaftigkeit des Hrn. Trietsch nichts auszusetzen habe. Ich habe gesagt, ich gebe keine Erklärung ab. Aber ohne Verpflichtung. Weil ich mit ihm nicht Frieden haben will, gebe ich die Erklärung hier ab, dass ich weder gestern noch heute, noch irgendwann an der persönlichen Ehrenhaftigkeit des Hrn. Trietsch gezweifelt habe und was ich hier wiederhole: etwas anderes ist es: Trietsch kommt hierher und hält uns Vorlesungen über die Art, wie man eine Besiedelung machen müsse und darauf habe ich Hrn. Trietsch mit Beweisen, die die Kommission untersuchen wird, geantwortet, dass bei ihm ein Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl vorhanden ist und dass jemand, der nicht die Verantwortlichkeit fühlt, nicht eine solche Riesenbewegung beeinflussen darf, sondern dass er sich nicht einmal um die Ortsveränderung einer einzelnen F^amilie bekümmern darf. (Stürmischer Beifall). Das habe ich gesagt und das halte ich aufrecht, ob ich seine Kolonisationsgeschäfte störe oder nicht und ich habe mir gestern Dr. Nossig gegenüber in dieser Theaterszene eine Hauptwirkung versagt. Nachdem ich hierher gebracht habe einen Beweis, der aus dieser zerflatterten Unternehmung des Hrn. Trietsch noch übrig geblieben ist, hätte ich eine Frage an ihn richten können. Nachdem die Frau geschildert hatte wie die einen da und die andern dort gestorben sind, hätte ich fragen können: Und wo war denn Herr Trietsch?! Ich will es ihnen sagen: Herr Trietsch tauchte unter, aber nach einiger Zeit tauchte er wieder auf und tauchte auf auf der Tribüne des Zionistenkongresses, die wir nicht für solche Zwecke haben wollen. Die Herren Dr. Nossig und Trietsch wissen ganz gut, dass, wenn es nicht Dinge wären, die mich persönlich angingen, ich ihnen nie so lange Zeit zum Sprechen gegeben hätte. Nur darum habe ich ihnen so viel Raum hier einräumen lassen und damit glaube ich, sind wir mit diesen Herren fertig. (Tosender, langandauernder Beifall und Tücherschwenken). Dr. Herzl (übernimmt das Präsidium. Lange andauernder, rauschender Beifall.) Es war in der Hand eines Einzigen, den ganzen Kongress zu sprengen. So weit dürfen wir uns nicht vergessen. Ich glaube, ich habe in meinen Ausführungen nirgends den Ton der Höflichkeit verfehlt. Ich möchte auch, dass wir daran festhalten und uns nicht zu Szenen hinreissen lassen, die eine Versammlung auderer Art interessieren. Seien wir ruhig, und führen die Sache zu Ende. Ich habe nur noch einem Redner zu antworten. Es gilt Herrn Syrkin. Er hat uns gezeigt, wie eine Opposition gut wäre, aber er hat uns noch gezeigt, wie ein reifer, politischer Gegner in einem Augenblick von grosser Wichtigkeit das zurückzustellen weiss, was nicht auf der Tagesordnung steht. Herr Syrkin ist ein nachahmenswertes Muster für alle, die sich wesentlich von seinen Anschauungen unterscheiden, zu denen ich selbst gehöre. Er hat etwas getan und gezeigt, was wir uns wohl merken können. Vereinigen wir unsere Kräfte, auf dass was wir als das Höchste halten, wenn es uns gelingt, das zu erreichen, was wir in unsern bisherigen Reden skizziert haben, ein Volk von Brüdern zu werden, aber durchaus nicht einig. Ich wünsche es mir nicht und erwarte es nicht. Es werden bei uns die verschiedensten Anschauungen zur Geltung kommen ich wünsche, dass es unter gegenseitiger Achtung geschieht. Di\ Nord au. Ich frage den Kongress an, ob er jetzt zur Abstimmung gehen oder noch vorher die drei Redner anhören will. (Abstimmung.) Es ist Schluss der Debatte beschlossen. Es liegen noch zwei Anträge vor. Der erste Antrag geht von Frau Prof. Gott heil aus, der andere Antrag von Hern Rechtsanwalt Rosenbäum; er lautet: Ich stelle den iVntrag, dem A.C. und dem Aufsichtsrat unsere Dankbarkeit und unser Vertrauen auszudrücken. Die beiden Anträge decken sich nicht vollständig, (Ruf: Herzl ist auch eingeschlossen.) Dr. Herzl. Ich beantrage, den Antrag Rosenbaum anzunehmen, weil die Motivierung der FVau Prof. G o 11 h e i 1 unannehmbar ist- Dr. N o r d a u. Frau Prof. G o 11 h e i 1 zieht ihren Antrag zurück; es ist jetzt nur noch der Antrag Ro s enbaum, der uns vorliegt. Wer für die Annahme desselben ist, erhebe die Hand. (Hoch, Hoch.) Ich stelle fest, dass der Antrag des Herrn Dr. Rosenbaum angenommen wordenist und erteile das Wort Herrn Prof. Gottheil zu einer Anfrage. Prof. G o 11 h e i 1. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass von den vielen interessanten und wichtigen Punkten, die Herr Dr. Herzl in seiner Rede berührte, keiner von so grossem Interesse ist, wie derjenige, der sich auf seine kürzlich stattgehabte Besprechung in St. Petersburg bezieht. Ich spreche hier nicht nur als Zionist, sondern auch als amerikanischer Bürger. Die hochherzige Aktion des Präsidenten Roosevelt zu gunsten der notleidenden Juden, lassen es mir wünschenswert erscheinen, darauf zu bestehen, dass Dr. Herzl eine Antwort gibt auf die Interpellation, die ich einzureichen jetzt die Ehre habe. Er sprach von der freundlichen Haltung der russischen Regierung einer zionistischen Propaganda gegenüber, die sich in ihren Grenzen hält.