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Die Welt · 1903-08-26 · [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
Article
Montag-Nachmittagssitzung
Date
1903-08-26
Page
8 (sequence 5)
Language
German
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Seite 8 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 3 Von Russland sind von diesem Posten 80 000 Fr. zurückbehalten worden, sodass nur 28 000 Fr. auf die andern Länder und die sonstigen Ausgaben fallen, wovon noch in den einzelnen Ländern 25 % zurückbehalten werden. Es bleiben Fr. 530; das ist ja gar keine Ausgabe, sondern eine. Einnahme, steht ja auch auf einer andern Seite der Bilanzsie stellen eine Spende vor von Dr. Tschlenow zum Zwecke .der Palästinafahrt. Dr. Pasmanik erkundigt sich über die Tätigkeit des grossen A -C. Das ist mehr eine intime Frage, Um so weniger möchte ich das hier besprechen, weil ich nicht immer damit einverstanden bin, wie wenig wir von der Tätigkeit des grossen A.-C erfahren. Herrn Lilien antworte ich, dass wir nie Aenderungen am Programm vornahmen und auch keine beabsichtigen. Scheinkin hat sich beunruhigt erkundigt, warum auf der »Welt« das Gliche unseres Programms fehle. Das ist aus einem rein typographischen Grunde geschehen. Es ist auch nicht notwendig, denn wir sind ja hier um das Basler Programm versammelt. Er hat weiter gesagt, dass die Orthodoxen gegen Ost-Afrika sind. Ich habe diese Ansicht aber nicht gewinnen können. Ich möchte Herrn Scheinkin sagen, dass er keinen Unterschied zwischen Anschauung und Arbeit machen darf, soweit es sich auf Palästina bezieht. Wir haben einen sehr schwierigen Augenblick. Wir haben uns grosse Mühe gegeben, in den dem Kongress vorgelegten Reden der jetzigen schwierigen politischen Situation Rechnung zu tragen. Dr. Weizmann antworte ich, dass wir El Arisch nicht leicht haben fallen lassen. Die Verhandlungen über El Arisch sind gescheitert, weil dort zu wenig Wasser vorhanden ist. Der Standpunkt der egyptischen Regierung zeigt uns nur, mit welchem fürsorglichen Ernst die Frage dort behandelt worden ist. Es ist klar, dass eine Ansiedlung ohne die genügenden landwirtschaftlichen Aussichten nur dazu führen könnte, die Ansiedler in eine Notlage zu bringen. Die Regierung hatte Furcht gehabt, dass beim Misslingen einer grossen Kolonisation diese gescheiterten Ansiedler dem egyptischen Lande zur Last fallen. Man wollte auch nicht, dass eine Unternehmung, über deren gute Absicht die Regierung unterrichtet war, mit einem peinlichen Misserfolge ende und darin sind wir uns vollkommen begegnet. Wir haben die Expedition aufgelöst, nicht nur, weil wir einer Forderung der beteiligten Regierung entsprechen mussten, sondern auch, weil wTir eine Auswanderung und Ansiedelung nicht nach einem Orte dirigieren konnten, über dessen Besiedelungsfähigkeit wir nicht vollkommen klar waren. Dr. Nossig hat mit einer gewissen äussern Gründlichkeit, die ich in mehreren seiner Arbeiten bereits wahrgenommen habe, uns sachliche Ratschläge gegeben. Er meint unter anderm, dass wir durch die Ansammlung von Regenwasser der Wassernot dieses Landstriches abhelfen könnten. Diese Fragen haben wir uns auch zuerst gestellt. Wir haben jener Kommission ausgezeichnete Fachmänner der Wasserfrage beigegeben. Glauben Sie nicht, dass wir so primitive Ratschläge brauchen. Die jährliche Wassermenge von El Arisch ist eine auffallend geringe, nur durch einige Stunden im Jahr gibt es dort Regenwasser. Dennoch wäre es durch Stauung und Wasserwerke möglich gewesen mit demWadi El Arisch etwas zu machen. Aber es war unmöglich damit anzufangen, da die Arbeiten viel zu kompliziert gewesen wären. Als eine Basis der Ansiedelung ward daher die Pelusinische Ebene erkannt. Die eigentümliche Beschaffung dieser Ebene hätte es aber erfordert, dass wir Nil-Wasser unter dem Suezkanal durchgeführt, hinaufgepumpt und von dort wieder ins Land hinabgelassen und so die Ebene gewonnen hätten. Das wäre nach dem Gutachten der egyptischen Wasserbaukünstler ein durchführbarer Plan gewesen. Dieses Wasser aber konnte uns von der egyptischen Regierung nicht gegeben werden, weil sie so viel Wasser nicht entbehren konnte. Zw is chenruf Trietsch: „Die Frage von Dr. Nossig war nicht so primitiv, denn es handelt sich darum mit wie viel Leuten der Anfang gemacht werden soll". Wenn ein kleinerer Anfang gemacht werden sollte, so ist es eine Frage, ob die Stauwerke im Wadi El Arisch nicht ausgereicht hätten. Dr. Herzl sprach von kostspieligen Stauwerken; diese sind aber nicht gerade teuer. Dr. Herzl: Es gibt teuere und billigere. ,Selbstverständlich haben auch wir den Anfang im Kleinen ins Auge gefasst. Unter unsern zahlreichen Berichten finden sich auch Vorschläge für Anfänge im Kleinen. Dr. Nossig hat gefunden, dass ich hier eine Theaterszene aufgeführt habe. Ich muss es der Versammlung überlassen zu entscheiden, wer von uns theatralischer auftritt, Dr. Nossig oder ich. (Lebhafter Beifall.) Jedenfalls kennt mich dieser Kongress länger als Dr. Nossig, den wir heute zum ersten Mal hier sehen. Ich will nicht untersuchen,, wie lange er unserer Organisation angehört. (Zwischenrufe: Seit 3 Monaten, seit sechs Wochen!) Es ist auch meine Absicht, immer neue Zionisten zu bekommen. Wenn irgend jemand hieher kommt mit Reserven aus einer andern Anschauung und sie in einer loyalen Weise zur Geltung bringt, werde ich ihm dankbar sein. Aber es ist ein Unterschied, wenn man erst seit kurzer Zeit einer Organisation angehöxt und in der Weise herkommt, wie Sie, Herr Dr. Nossig, getan haben. Ich muss mich fragen, ob Sie nicht hiehergekommen sind, um hier Einwendungen zu machen, (Unruhe und Beifallsrufe), mehr um Einwendungen zu machen, als um sich anzuschliessen, weil die Publizität der Organe, über die Sie verfügen, Ihrem Publizitätsbedürfnis nicht genügt, dass Sie aber hiehergekommen sind, ohne sich uns angeschlossen zu haben, will ich nicht als Form einer böswilligen Polemik auslegen. Sie haben gesagt, was uns wichtiger ist, Ansiedelung oder Charter. Sie sagen, Ihnen hätte die Ansiedelung genügt. Daran zweifle ich nicht. Sie hätte Ihnen genügt, eben weil sie ein politischer Zionist sind. (Beifall und Gegenrufe.) Ich will Ihnen auch dies zugeben. Nun sind wir durch unsere lange Diskussion darüber ganz klar geworden, dass eine Ansiedelung ohne Sicherheit nur soviel heisst, dass man Leute einem ungewissen Schicksale anheimgibt. Wir haben die Versuche gesehen. Es hat eine Ansiedelung im Kleinen stattgefunden. Wir sind nun der Ansicht, nach allem, was wir gesehen haben, dass sie nie weiterführen kann, und dass wir uns daher nie dazu hergeben wollen, die Zeit des Volkes mit solch hoffnungslosen Dingen zu verbrauchen. Was Sie mir gesagt haben, hat mich erinnert an ein Wort, das ich mir erlaubt habe über Herrn Trietsch zu gebrauchen und bei dieser Gelegenheit komme ich zurück auf einen von den kleinen vergifteten Pfeilen, die in seiner gestrigen Rede waren. Er hat nämlich gesagt, ich hätte mich mit ihm eingelassen, weil ich glaubte, er hätte die »Ica<r hinter sich. Das war ein kleiner vergifteter Pfeil, er hat sich mit mir nur eingelassen, weil ich Geldsäcke hinter ihm vermutete. Das war ein Irrtum, ich wusste, dass Sie die Geldsäcke nicht hinter sich haben. Ich habe seiner Zeit über Herrn Trietsch ein Wort gebraucht, das nicht beleidigend ist; ich habe gesagt: Herr Trietsch ist ein Baron Hirsch ohne Geld, Nun habe ich einen zweiten Baron Hirsch kennen gelernt. Die Herren wollen das, was Baron Hirsch m i t Geld nicht machen konnte, ohne Geld machen. Das ist aber mit Geld überhaupt nicht zu machen, sondern nur mit der nationalen Idee!! (Tosender Beifall.) Ich will Ihnen nunmehr auch noch etwas mitteilen, was ich im Eröffnungsberichte nicht angebracht habe. Ich bin mit der »Ica« in Fühlung getreten und habe

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