Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
- Article
- Montag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-26
- Page
- 7 (sequence 4)
- Language
- German
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No. 3 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 7 Dr. Awino wizky: Auch im A. C. sind nur Menschen. Man kann, irren. Ich bin gekommen, um zu kritisieren. Obschon Defekte vorhanden sind, nmss man nach der Rede Herzls doch sagen, dass die Errungenschaften der letzten Zeit so gross sind, dass wir jetzt nicht zu kritisieren haben. (Beifall.) Der Sieger wird nicht verurteilt. Ich muss nur eine Anfrage stellen. Im Berichte des A. C. findet sich keine Angabe von Parteien. So sind z. B die;Misrachi gar nicht angegeben, die sich nach dem 5. Kongresse gebildet haben. Jedenfalls ist es ein Irrtum. Uebrigens muss ich ja sagen, dass die übrigen Defekte nicht dem engeren A. C. zur Schuld fallen, sondern dem russischen grossen A. C. Ich komme auf eine andere Sache. Zum ersten Mal spüren wir Land unter den Füssen. Wir stehen auf einem Wendepunkte unserer ganzen Geschichte. Jetzt verletzen Leute mit ihren persönlichen Anfeindungen die Ehre des Kongresses. (Zur Sache! Zischen.) Dagegen protestiere ich. Die Leute hatten in privaten Versammlungen und in der Presse Zeit und Gelegenheit genug dazu. Da der Redner wieder die Angelegenheit Trietsch berührt, wird er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. P r ä s i d e n t: Um Uhr soll über den allgemeinen Bericht des A. 0. abgestimmt werden. Die Landsmannschaften werden deshalb ersucht, bis zu diesem Zeitpunkte im Saale zu bleiben. Dr. Menczel: Nach der Eröffnungsrede des Herrn Präsidenten hatten wir alle die Empfindung, dass wir nicht nur vor einem Wendepunkte der Kongresse, sondern auch vor einem Wendepunkte unserer ganzen Bewegung stehen. Ein Wendepunkt unserer Versammlungen war es, dass wir zum ersten Male ganz klar und deutlich ausgesprochen hörten, wo wir in unseren Bestrebungen stehen; eine Wendung in der Geschichte unserer Bewegung war es auch, dass wir nun endlich einmal frei vor der ganzen Welt erklärten, dass wir, dass unser bevollmächtigtes Organ nur dasjenige tut, was zur Erlangung der Heimstätte dient. Auf den vorigen Kongressen wurde über alles andere mehr gesprochen als über den Kardinalpunkt unserer Bewegung. Wir haben uns mit allem möglichen beschäftigt, sind aber immer dem Wesen unserer Sache wie auf ein stilles Zeichen ausgewichen. Nun ist die Wendung da und man hätte erwarten dürfen, dass sich aus Rücksicht auf den grossen Moment ein grosses Geschlecht finden würde. Das ist nicht geschehen. Ich führe das nur auf den Umstand zurück, dass wir ja doch nur ein Gelegenheitsparlament sind und dass der heurige Kongress einigermassen an Hypertrophie zu leiden hat. Was unsere Stellung zum Rechenschaftsbericht betrifft, so bin ich überrascht von der Fülle des Geschehenen, wenn auch die Resultate nicht die erwarteten sind. Ich schliesse damit, dass wir, die österreichische Landsmannschaft oder doch der überwiegende Teil, mit dem Rechenschaftsbericht einverstanden sind. Scheinkin stellt die Anfrage, wie sich das A. C. zu Palästina verhalte. Man hat uns gesagt, wie sich der Sultan zu Palästina verhält, aber nicht, wie das A. C. Dr. Herzl sagt, dass Palästina das Endziel unserer Bestrebungen sein werde, auch wenn wir nicht in Palästina sind. Palästina soll nicht das „Land unserer Väter," sondern unser Land sein. (Beifall.) Der Redner fragt dann noch an, warum in der während des Kongresses täglich erscheinenden „Welt" der Wahlspruch des Zionismus nicht wie gewöhnlich aufgedruckt sei. Er will ein Telegramm nach Palästina schicken. Rabbiner W, Reich: Der Kongress scheint ermüdet. Wir entsprechen der Würde des Kongresses besonders, wenn wrir uns genau an die Tagesordnung halten. Vom Präsidium ist betont worden, dass die ostafrikanische Frage jetzt nicht zu behandeln sei und persönliche Dinge wegbleiben sollen. Gegenstand der Tagesordnung ist es, sich auszusprechen über die Berichterstattung des A. C. Der Antrag der Frau Prof. Gottheil, welcher eigentlich alles zusammenfasste, was unsere Herzen gegenwärtig bewegen soll, ging dahin, Dr. Herzl und seinen Mitarbeitern unsere Zustimmung zu ihrer bisherigen Handlungsweise auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Ich bin ein neu eingetretener Zionist und bin jüdischer Seelsorger und gehöre der orthodoxen Richtung an (zur Sache!). In dieser Eigenschaft habe ich Ihnen zum Gegenstande der Berichterstattung Wichtiges mitzuteilen : Wir haben von den Berichterstattern gehört, dass unsere nächste Aufgabe die Gewinnung der jüdischen Gemeinden ist. Nordau betonte, wir müssten bei der Gewinnung jeder Gemeinde einen Unterschied machen zwischen West- und Osteuropa. Er glaubte, dass die westeuropäischen Gemeinden für den Zionismus schwer zu erringen seien. Dieser Ansicht bin ich nicht. Um die Gemeinden zu gewinnen, müssen wir vor Allem auch die Seelsorger gewinnen. Es ist nötig, dass wir einer grossen Fraktion im Judentum freundlich entgegenkommen : Der Orthodoxie. Dadurch, dass die Zionisten das Assimilantentum vernichtet haben, haben sie sich für die Ewigkeit in die Geschichte eingeschrieben. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die Vorarbeiten der Orthodoxie. (Beifall). Dr Herzl: Ich möchte im Namen des A.-C. auf die Bemerkungen antworten, die von den Delegierten in dieser Diskussion über den Rechenschaftsbericht vorgebracht worden sind, Ich will nur auf die Punkte eingehen, welche gewisse Fragen an das A.-C. richten. Betreffend die Frage des Rechtsanwalts Rosenbaum, warum die verschiedenen Gruppierungen und Klassierungen des Zionismus nicht erwähnt worden sind: Im Bericht des A.-C waren wir auf die Berichte unserer Landeskomitees angewiesen und nach der Massgabe der Mitteilungen, die sich in den Berichten der Landeskomitees gefunden haben, wurde das, was Sie erfahren haben, herausgearbeitet. Sollte dieser Wunsch berechtigt sein, so wird er in Zukunft gewürdigt werden müssen. Mit der Gruppierung der Parteien haben wir eigentlich nichts zu tun. Es ist nicht unsere Aufgabe zu verfolgen, in welcher Weise sich die Parteien vermehren oder wenigstens nicht darüber Bericht zu geben. Frage Rosen bäum, warum sich die Bankkommission nicht als Aufsichtsrat geäussert habe: Das ist ein Fehler des Kongresses, denn diese Kommission ist seit 3 Jahren nicht mehr gewählt worden, existiert also nicht. Was die Beziehungen des A.-C. zu den Kommissionen betrifft, so ist zu antworten, dass wir nicht ermangelten, die Kommissionen zur Arbeit anzuhalten. Eine Disziplinargewalt haben wir nicht. Wir können nicht weiter gehen als den Kongress zu bitten, überflüssige Kommissionen eben zu beseitigen. Als Aufsichtsrat haben wir die Aufsicht geführt. Wir haben uns in die Geschäftsführung nicht eingemischt, aber uns über den Gang der Geschäfte fortlaufend unterrichtet. Die Berichte haben wir geprüft und sind sehr damit zufrieden. Wir haben unsere Aufsicht über die Bank so ernst genommen, dass wir Prüfungen aller Art in unerwarteten Zwischenräumen vorgenommen haben. Wir haben uns besonders um das Portefeuille gekümmert; dasselbe ist ein ganz vorzügliches. Betreffend die von Dr. Pasmanik gestellte Frage, wie es mit den 108 ooo Franken Reise- und Agitationskosten stehe, ist zu bemerken, dass in diesem Posten inbegriffen sind diejenigen Beträge, welche von den einzelnen Ländern zurückbehalten werden, welche also gar nicht in die Kasse des Zentralkomitees gelangen. Darin sind inbegriffen auch alle Ausgaben für Palästina.