Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
- Article
- Montag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-26
- Page
- 6 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 6 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 3 vereinigt findet mit dem Zionismus. Ausserdem ist in einem Berichte unseres offiziellen Organs einmal mitgeteilt worden über die Verhandlungen über Palästina und anderer Länder Kleinasiens, und auf einmal ist in unser Programm hineingezogen worden: „andere Länder Kleinasiens". Heute haben wir sogar ein Afrikaprojekt auf diesem Kongress, auf diesem Programm, das ich früher zitiert habe und das ganz anders lautet. Ich bin persönlich dafür, dass man dieses Programm ändern soll, aber so lange man nicht geändert hat, hat das A. C. kein Recht, über andere Ländern zu unterhandeln. Rednerpolemisiert dann gegen den späten Termin der Delegiertenwahlen in Oesterreich. Dr. Zweig. Herr Lilien hat Vorwürfe gegen das A. C. erhoben. Das A. C. ist hieran nicht schuld sondern das österreichische Wahlkomite. Herr Lilien verdankt diesem Umstand seinen Sitz in der österreichischen Landsmannschaft. R ab ino witsch (Warschau). In meinem und meiner Freunde Namen betone ich, dass wir mit allen Unternehmungen des grossen und des kleinen A. C. zufrieden sein können, aber trotzdem haben wir die Pflicht, einige Punkte, die Erläuterungen erfordern, zu berühren. Erstens, was uns am meisten befremdet ist, dass über El Arisch eine grosse Aktion in dieser Art eröffnet worden ist vor 9 Monaten und es ist nie darüber eine Mitteilung geschehen. Aber, was für die zionistische Bewegung noch wichtiger ist, wir sind gewohnt, das, was das A. C. unternimmt, als Dogma zu betrachten. Nun, El Arisch hat grosse Energie gefordert und das Resultat, das die Expedition gebracht hat, ist in jedem Lexikon zur finden. Ich appelliere an das juridische Gewissen unseres A. C, dass nur über Zion verhandelt werden soll. C h a s a n (Jargon). Das A. C. hat km meisten Pflichten gegen uns alle, weil es auch mehr Rechte hat als wir. Dr. Nobel - Leipzig: Es ist wahr, dass jedem Comite Opposition nötig istaber es ist ebenso wahr, dass ihm nötiger ist Dank, Anerkennung und Vertrauen, Aufmunterung zu neuem Wirken und besseren Taten. Es ist gesagt worden, dass wir die ernsten Angelegenheiten des Kongresses nicht der Rauschstimmung preisgeben sollen; aber noch viel weniger wollen wir sie der Katzenjammerstimmung preisgeben, die die Reden der meisten Oppositionellen beherrscht hat. Im Auftrage der grossen misrachistischen Gruppe und als stellvertretender Vorsitzender erkläre ich, dass wir das vollste Zutrauen zum Präsidenten des A. C. haben und dass wir in der Ostafrikasache nicht einen Durchbruch des Basler Programms sehen, da der Präsident des A. 0. ja eben erst den Kongress befragt hat und in keiner Weise der Vorwurf gestattet ist, dass das A. C. ohne den Kongress zu befragen, selber sein Programm durchbrochen habe. Es sind heute Vormittag allerhand mystische Andeutungen gemacht worden von ein§m tfcommenden Momente, in dem das A. 0. aufhören wird, nur das Politische und Wirtschaftliche in den Vordergrund zu stellen, indem neue kulturelle, künstlerische, womöglich gar religiöse Fragen obenanstehen werden. Wir hoffen, dass dieser Moment niemals kommen wird. Denn das ist die Grösse und Stärke des Zionismus — darum konnten wir Rabbinen, die wir hier erscheinen, das grosse Opfer bringen — dass das nationale Moment, das politische, das wirtschaftliche, und dieses allein, in der Gegenwart das bildet, was das ganze jüdische Volk einigt. (Grosser Beifall.) Präsident Dr. Mandelstam m teilt den Antrag mit: dass während der Reden der russischen Delegierten der Vorsitz einem russischen Kollegen zu übertragen sei, lehnt aber für seine Person die Ehre ab. B a lj a s sy drückt seine Freude aus darüber, dass Herr Dr. Herzi der „Geheimpolitik4* ein Ende machen will, wiederholt die Aufzählung der zionistischen Erfolge nach dem Rechenschaftsbericht des Hrn. Arch. Marmorek und will einen Brief vom Vorstand des Vereines, der ihn delegiert hat, verlesen, wird aber vom Präsidenten gebeten, ihn in Druck legen zu lassen. Dr. J acobsohn (russisch) meint, dass Dr. Pasmanik das Verhältnis des grossen zum kleinen Aktionskomitee nicht bei der richtigen Debatte zur Sprache gebracht habe. B o n d i - Böhmen wünscht, dass man auf die Förderung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen bedacht sei und regt die Bestellung einer Kommission dazu und die Abfassung eines Verzeichnisses kommerzieller Vertrauensmänner an. W e i z m a n n : Ich schliesse mich vollständig der Ansicht des Herrn Dr. Syrkin an. Es gibt Fragen, die, wenn man •über sie spricht, gewisse Teile unserer Partei verletzen. Mit Rücksicht auf die Integrität der Partei müssen solche Fragen verschwiegen werden. Ich möchte noch die Frage stellen: Hält das A. 0. die El-Arisch-Sache für vollständig verfehlt oder glaubt es, dass man sie wieder aufnehmen kann? Es wTürde einen unangenehmen Eindruck nach aussen machen, wenn wir bei Kardinalpunkten, wie'es die Kolonisationsfrage ist, nicht alle Mittel erschöpfen, um ein gutes Ende herbeizuführen. Ein weiteres:^' An anderer Stelle als am Kongress hat Herr Dr. Herzl eine Rede gehalten, die verschieden ausgelegt wurde. Das Gros fasste sie so auf, dass der Zionismus infolge gewisser Umstände, gewisser Hindernisse, in ein Stadium eingetreten sei, dass er sich von nun ab nur mit sozusagen äussern Fragen — ich meine mit Schekel- und Aktiensanimlung — befassen wird, während alle andern Fragen, die bis jetzt einen integrierenden Bestandteil des Zionismus bildeten, z. B. die Kulturfrage, eliminiert wurden. Von irgend einem Zionisten vertreten, kann eine solche Rede gleichgültig sein. Aber vom Präsidenten des Aktionscomites gesprochen, wird die Rede zu einem Dekret und eine persönliche Anschauung wird dadurch zum Ausdruck des Gesamtzionismus gemacht. (Rufe: Sehr richtig!) Die Rede ist ebensowenig privat wie Herr Dr. Herzl eine Privatperson ist. Nun, ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es doch eine unrichtige Politik ist, wenn eine Gefahr im Anzug ist, ihr gleich solche Konzessionen zu machen, dass vielleicht die ganze Bewegung ihres inneren Interesses beraubt wird. Herr Dr. Herzl versprach uns s.Z., dass er vorsichtig sein will; ich muss sagen, dass er dieses Versprechen nicht ganz eingehalten hat. Wir können wahrlich nicht nachher mit derselben Stärke für unsere Sache einstehen, wenn wir so vor der jüdischen Oeffentlichkeit desavouiert werden. Frau Prof. G o 11 h e i 1 (französisch) schlägt ein Vertrauensvotum für Hrn. Dr. Herzl und das Aktionscomitee vor. Rosenbaum vermisst eine Mitteilung über die Tätigkeit des Aktionscomitees als Aufsichtsrates der jüdischen Bank, Präsident Dr. Bo den heimer bemerkt, dass die Votierung des Antrages von Frau Prof. Gottheil den Schluss der Debatte bedeuten würde und setzt ihn an das Ende der Tagesordnung. Berg m a n n : Die Frage ist heute erörtert werden, ob wir als Ziönisten einverstanden sind mit einer Unterhandlung mit der englischen Regierung betreffend Ostafrika. Da ich darüber nicht reden darf, bitte ich um Aufmerksamkeit für eine andere Proposition. Ich bitte, bevor wir den Saal verlassen, eine Kollekte zu veranstalten für die Waisen von Kischineff. Ich bin der erste, der 10 Franken zeichnen will.