Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
- Article
- Montag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-26
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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No. 3 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 5 Schekel haben wir zwar nur über Fr. 8000 einkassiert, aber in Anbetracht unserer Organisation, die jetzt eine regelmässige geworden, wird die Agitation eine grössere Tätigkeit entwickeln können und die Einnahmen demgemäss entsprechend sein. Auf dem letzten Delegiertentag in Jassy haben wir auch für die Kultur frage Vorsorge getroffen und die Kommission ist bemüht, systematisch den Unterricht der hebräischen Sprache in den Schulen einzuführen. Aus dem mitgeteilten Tableau ist zu ersehen, dass die Federation der Zionisten in Rumänien 113 regelmässig funktionierende Vereine zählt (darunter 13 Damenvereine) und sind bereits 44 Vereine ins goldene Buch des Nationalfonds eingetragen. Was die Lage der Juden in Rumänien im allgemeinen anbetrifft, geht, wie Eingangs erwähnt, die Auswanderung ununterbrochen fort, besonders die der Handwerkerklasse, die kein Vertrauen in das, wenn auch reformierte, neue Gesetz haben. Bis auf einzelne Fälle finden alle überall, besonders in den V. S.Nordamerikas lohnenden Erwerb und Beschäftigung und tragen Sorge, den zurückgebliebenen Familien-Mitgliedern die Mittel zu verschaffen, ihnen in die neue Heimat zu folgen. Di\ Pasmanik (mit Beifall begrüsst)* Ich muss auch damit beginnen, den Unterschied zwischen Kritik und Kritik festzustellen. Denn wenn man uns sagt: Wir haben an der Tätigkeit des Aktionskomites Kritik zu üben, so wäre es traurig um die zionistische Bewegung bestellt, wenn man eine solche Kritik nicht zulassen würde. Was aber zu der unangenehmen Szene von gestern geführt hat, war der Umstand, dass Leute, die erst durch die von andern geschaffene Bewegung zu etwas gelangt sind, jetzt den Mut haben, zu sagen: Eure Führer sind schlecht. Setzt mich an ihre Stelle, ich mache es dann besser (Beifall). Herr Nossig, sowie Herr Trietsch konnten sehr nützlich an der ganzen Arbeit mitwirken, ohne eine solche Kritik zu üben. Es scheint mir aber, dass man sogar auch vor einer radikalen Spaltung unserer Bewegung nicht zurückschrecken würde — unter der Bedingung, dass die betreffenden Personen dann an der Spitze der abgespaltenen Partei stehen. Die Einheit unserer Partei muss aber unser höchstes Ziel sein; die dagegen agieren, sind unsere Feinde (Beifall). Ich möchte zu einer sachlich-objektiven Kritik übergehen und vor allem auf 2 Ziffern aufmerksam machen. Erstens: im Reise- und Agitationskonto stehen Fr. 108,586. 74 Cts., bei Palästinaforschungen Fr. 530. 38 Cts. Das ist traurig; denn die Palästinaforschungen sollten nicht Fr. 530 kosten, sondern das fünfzig-, das hundertfache. Wir kennen tatsächlich von Palästina nichts (Einwürfe), Herr Dr. Kokesch sagt mir, es sei gar nichts ausgegeben; also es ist noch schlimmer. Ich fürchte auch, dass die neue Idee der Ostafrikakolonisation unsere Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nehmen wird, dass. wir darob Palästina vergessen werden. Ostafrika wird, wenn man auch das gelbe Fieber zu kurieren wissen wird, doch nur ein „Nachtasyl", während Palästina uns Heimat sein soll. Ich möchte den Kongress einladen, dem Aktionskomitee ein imperatives Mandat erteilen zu wollen, dass es nun einmal nicht bloss nur in den Protokollen Palästinakommissionen verzeichnen soll, sondern eine lebendige Kommission schaffe, die uns die Palästinakenntnis wirklich bringen wird. Zweitens: Das kleine A.-C. scheint in manchen Angelegenheiten doch nicht ganz streng statutengemäss vorgegangen zu sein, insofern als es das grosse Aktions- Comite nicht zum Batgeber in wichtigen Fragen heran-, gezogen hat. Ist es wahr, dass von den Ostafrikaplänen die Mitglieder des grossen Aktionskomitees erst ganz kurz vor dem Kongress benachrichtigt wurden? Diese Praxis muss ein für alle Mal aufhören. Ein dritter Punkt ist folgender : Der Petersburger Rede'Hrn. Dr. Herzls war die Stelle zu entnehmen: Jetzt brauchen wir noch keine Parteien. Ich möchte, dass unser Aktionskomite auf diesem Standpunkt bleibt, dass wir nur ein Ziel, das elementare Ziel haben, wozu keine Parteien notwendig sind, die Erreichung einer gesicherten Heimstätte. Dazu brauchen wir ein einheitliches starkes jüdisches Volk (Grosser Beifall). Präsident Dr. Bodenheimer übernimmt den Vorsitz. Dr. Franke 1-Kopenhagen verzichtet aus politischen Rücksichten auf das Wort. Dr. Schlap oschniko w (russisch) rügt, dass man von einem Kolonisationsprojekt zum andern überging, bevor man mit einem fertig war. Man schlage vor, eine Kommission für Afrika zu bilden. Er schlage aber vor, über El-Arisch nicht zu reden, bis man sicher ist, ob es wirklich unmöglich sei, in Palästina etwas zu tun. Dr. Fink-Wien (mit Beifall begrüsst) will im Namen der Fraktion „Misrachi" (Beifall) einen Antrag zur Ostafrikasache stellen, verzichtet aber auf des Präsidenten Dr. Bodenlieime r's Ersuchen einstweilen darauf. Schabotinsky spricht russisch zum Berichte. Dr. Kabinowitsch spricht ebenfalls russisch zum Berichte des A. C. E. M. Lilie n. Ich muss in einer aufgeregten Stunde sprechen» Wir alle, die hier versammelt sind, sind weder Freunde noch Feinde, sondern Diener einer grossen Idee und Diener unseres Volkes. AVir alle sind vom Volke gewählt und haben die Pflicht, unsere Meinung ungeschminkt zu sagen. Ich stehe auf dem Standpunkte, dass man ein sehr guter Mensch sein kann, aber ein schlechter Musikant, oder ein vorzüglicher und treuer Zionist und ein schlechtes Mitglied des A. O. Ich und meine Freunde gestehen, dass wir mit dem A. 0. nicht sehr zufrieden sind. Ich gebe zu, dass unsere Bewegung Fortschritte gemacht hat, aber das ist ein Beweis für unsere grosse Idee. Das A. C. (ich meine nicht das ganze, aber ich muss das ganze zur Verantwortung ziehen) hat wiederholt über die Schnur gehauen. Nehmen wir an, das heiligste, grösste, schönste, ewigste, was wir am ersten Kongress geschaffen haben: das Programm. Ich und meine Freunde verlangen Aenderung des Programms, imd nun heisst es, ich selbst akzeptiere das Programm, wie es hier ist und sehe die Notwendigkeit einer Aenderung nicht ein aber das Programm ist geändert worden. Unser Programm ist klar und deutlich. Es lautet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Trotzdem war es eine lange Zeit in der Welt und man hat dagegen nicht protestiert: Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, nicht für das jüdische Volk, sondern für diejenigen, die sich an ihrem jetzigen Wohnsitz nicht assimilieren wollen. Das ist auch eine Ansicht, aber nicht unser Programm. In der „Welt" von 1898 ist zu lesen: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich in ihren jetzigen Wolmstätten nicht assimilieren können oder wollen", beachten Sie wohl, für diejenigen, die nicht können und wollen, und Palästina ist ausgelassen worden. Auch das aber ist eine Stellung und das könnte unser Programm sein, es könnte akzeptiert werden und Herr Dr. Nordau hat sich den ungarischen Juden gegenüber in einem andern Sinne geäussert, in welchem er den Patriotismus