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Die Welt · 1903-08-26 · [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
Article
Montag-Vormittagssitzung
Date
1903-08-26
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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No. 3 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 3 El-Arisch gesprochen werden wird oder nicht. Das Ostafrikaprojekt war uns etwas wildfremdes. Wir wissen nicht nur nicht, worüber wir zu beraten haben werden, sondern auch nicht was geschehen ist. Ich erinnere hier wiederum an die Sitte in andern Parlamenten, wenn gewisse Verhandlungen — oh sie Erfolg haben oder nicht — abgeschlossen oder in einem gewissen Reifestadium sind, detaillierte Berichte an die Parlamentsmitglieder zu verteilen. Ich bemerke allerdings mit Zufriedenheit, dass Herr Dr. Herzl diesem Kongress gegenüber viel freimütiger vorgegangen ist als sonst: Wir haben auf diesem Kongress mehr erfahren, als auf allen andern zusammen. Ich würde also dem Kongress empfehlen, das Aktionskomitee zu ersuchen, dass künftighin Berichte über die abgeschlossenen Verhandlungen, wenigstens in allgemeiner Form, den Delegierten vorgelegt werden. Ich will ja mit ihnen die Erwartungen teilen, dass in den meisten Angelegenheiten das Aktionskomitee tatsächlich die Verhandlungen in entsprechender Form geführt hat. Aber ein Beispiel, dass es Fälle gibt, in welchen vielleicht vom Standpunkt des Kongresses aus etwas anderes richtiger gewesen wäre, ist die El Arisch-Sache. Es hat mich aufs peinlichste berührt, wie man den Initiator dieser Idee behandelt hat. (Widerspruch.) — Rufe : Warum greifen sie dem Urteil der Kommission vor? — Syrkin ist der Urheber. — Es wäre schöner und vornehmer gewesen, statt Herrn Trietsch hier auf der Tribüne alle Kompetenz abzusprechen, ganz ruhig zu erwähnen, dass er sich mit dieser Idee befasst. (Rufe: Schluss.) Wenn der Kongress nicht will, dass ich hierin weiter rede, so gehe ich zu einer andern Frage über. (Schlussmfe.) Der Herr Präsident hat mitgeteilt, dass das A. C. die El Arisch-Sache in sehr ernster Weise in die Hand genommen hätte, indem es eine Erforschungskommission dahin entsandt hatte. Ein Passus aus Dr. Herzls Rede lässt mir diese Entsendung in anderm Lichte erscheinen. Er erwähnte freimütig, dass es die englische Regierung gewesen wäre, welche den Vertretern des A. C. es anheim gestellt hätte, die Erforschungskommission zu entsenden. Als aber die Vertreter des A. C. nach England kamen, um über El Arisch zu unterhandeln, hatten sie keine gründliche Kenntnis von El Arisch. Ihre ganze Erkenntnis beschränkte sich damals doch nur auf die Artikel des Herrn Trietsch. Er hat sich Mühe gegeben, zweimal dorthin zu reisen, das A. C. hat sich nur Mühe gegeben, seine Arbeiten durchzulesen. (Beifall, Rufe: Schluss!) Für mich und meine Freunde -ist dieses Projekt etwas ganz bedeutendes und es würde uns leid tun, wenn auch wir das Projekt als ein gescheitertes betrachten müssten, wie der Herr Präsident es gesagt hat. Ich teile diese Ansicht nicht und habe meine Gründe; denn ich habe von Personen; die die Sache kennen, Mitteilung erhalten, dass die Sache vielleicht in übertriebener Form aufgefasst wurde, dass, wenn man sie bescheidener angreift in gewissem Sinn, man durchdringen kann. Ich empfehle Ihnen, sich nicht mit dem Bericht des A. C. zu begnügen, sondern noch einmal eine Kommission einzusetzen, um die Sache durchzustudieren. (Bravo! Ruhe!) Ich habe gehört, dass das ursprüngliche El Arisch-Projekt vom A. C. in vollständig begreiflicher Weise erweitert wurde, .indem man daran dachte, an den Landstrich von El Arisch auch die pelusische Ebene heranzuziehen. Es hat sich dann herausgestellt, dass die pelusische Ebene nicht zu besiedeln wäre, weil man Nilwasser ableiten müsste, worauf die ägyptische Regierung nicht eingehen kann. Geben Sie die pelusische Ebene auf und begnügen Sie sich mit El Arisch, für welches man genügende Bewässerung erhalten könnte. Ich komme nun auf das eigentliche positive Programm des politischen Zionismus zu sprechen, auf das, was in der Kolonisationsfrage geschehen sollte. Von allen Möglichkeiten, deren der Herr Präsident in seiner Rede Erwähnung getan hat, hat mich gerade diejenige am meisten angesprochen, die er auf Grund seiner persönlichen Autorität in den Unterhandlungen mit der Türkei im Jahre 1902 verworfen hat. Als Dr. Herzl mit der Türkei in Bezug auf Palästina unterhandelte, sah er sich veranlasst, diese Unterhandlung abzubrechen; mit Rücksicht auf das Basler Programm, welches positiv die öffentlich rechtliche Sicherung Palästinas verlangt. Als er dann aber mit der englischen Regierung über das Ostafrikaprojekt unterhandelte, kam ihm wieder das Basler Programm in die Quere, welches eine Ansiedelung ausserhalb Palästinas verpönt. Diesmal aber hat er sich darüber weggesetzt. Daraus folgt, dass von den zwei Dingen: Ansiedelung in Palästina oder Charter, dem Herrn Präsidenten der Charter als das Wichtigere erscheint. Ich gehöre zu denjenigen, denen die Ansiedelung in Palästina auch ohne Charter als viel wichtiger erscheint. Ich gehe nicht in Details ein und bin der Ansicht, die Herr Dr. Herzl und die Landsmannschaftvertreter geäussert haben, dass dies eine Sache ist, zu deren Beratung wir nicht vorbereitet sind. Aber das ist schon vollständig klar, dass es für uns nur ein einziges Ziel gibt: Palästina und die umgebenden Länder. Sie werden sagen: Ohne Charter können wir nur Kiemkolonisation treiben, und das ist ein überwundener Kleinbourgeoisstandpunkt, wie uns gestern jemand vorgeworfen hat. Es gibt aber eine Kleinkolonisation, welche politisch ist. Das hängt vom System ab. Ich möchte das Beispiel Englands vor Augen führen. Es treibt Kleinkolonisation iu Afrika, die unbemerkt vor sich geht. Heute erringt es ein Gebiet ohne Blut auf Grund eines Vertrages mit einem Negerhäuptling; morgen kauft es Minen in Transvaal; übermorgen lässt es durch Lord Kitchener oder Lord Roberts Derwische im Nordosten niedermetzeln (Rufe; Dürfen die Juden nicht!) und setzt sich dort fest (Heiterkeit). Eines Tages erfahren wir plötzlich, dass England zwei sehr entlegene Ansiedelungen durch eine Eisenbahn verbunden hat, und eines Tages wieder ganz Afrika rund herum mit einer Eisenbahn verbindet und den ganzen Erdteil besitzt (Gelächter). WTir sind keine Grossmacht und keine Eroberer; aber ich glaube, wir würden gut tun, unser kleines altes Vaterland auf demselben Wege zu gewinnen. Wir sollten unser Augenmerk darauf richten, von seiner Majestät dem Sultan zunächst die i^ufhebung des Einwanderung^ Verbotes zu erlangen, und diese Errungenschaft ausnutzen dadurch, dass wir Kolonien anlegen und Terrain in Palästina ankaufen. Die Frage des Charters und der Autonomie sollte man nicht als conditio sine qua non auffassen. Für die Rettungsaktion wären die Nebenländer zu benutzen. (Zwischen und Beifall.). Präsident Dr. Nord a u verliest einen Gescliäftsordnungsantrag Sulzberger: Es wird beschlossen, dass alle Redner auf 15 Min. Redezeit bsscliräikt war lea, dass kein Redner ein zweites Mal in derselben Angelegenheit das Wort ergreifen darf, ehe sämtliche andern eingeschriebenen Redner zu dieser Frage gehört worden sind. Dr. Syrkin. Es ist zweifellos ein Unterschied in jeder politischen Bewegung zwischen Opposition und Opposition. Ich gehöre auch zu den Oppositionellen, nicht nur auf dem Kongresse, sondern in meiner zionistischen Arbeit. Aber die Opposition, deren Repräsentanten hier die Herren Trietsch und Dr. Nossig sind, diese Opposition teile ich nicht im geringsten. (Bravo.) Ich will nicht die Frage untersuchen, inwiefern die Opposition dieser beiden Herren durch persönliche Momente bedingt ist, aber sachlich ist diese Opposition eine derartige, dass man diesen Herren wohl den Rat geben muss, sich noch etwas weiter im zionistischen Denken zu entwickeln (Sehr richtig, Bravo) um erst die Höhe des politischen Zionismus zu erlangen, damit ich die Herren überhaupt erst ernst nehme. (Bravo.; Wenn diese Herrn als oppositionelle Zionisten uns mit der Idee der Kleinkolonisation kommen, so sagen wir Ihnen, sie gehören zu den rückständigen Oppositionellen. Ich persönlich habe es nicht nötig, die andere oppositionelle Strömung im Zionismus, die sich immer mehr durchringt, vor dem Kongresse auseinander zu setzen, obwohl ein grösseres Recht dazu vorhanden wäre, weil in Wirklichkeit grosse Strömungen sieh bereits rege machen, die andere Ideen im Zionismus vertreten. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, um vor dem Kongress als geschlossene Partei aufzutreten und die ganze zionistische Bewegung in unsere Bahnen zu lenken. Ich muss noch einiges sagen in Bezug auf die Reden Dr. Herzls und Dr. Nordaus und da sagt mir mein politischer Takt, dass Fragen, über welche der Natur der Sache nach eine Diskussion nicht zulässig ist, nach Möglichkeit in irgendwelchen Reden immer vermieden werden, und dagegen hat die Rede des Herrn Dr. Herzl Verstössen. Es giebt Fragen, die besser sind zu verschweigen, als öffentlich zu besprechen. Ich habe hier einen bestimmten Passus im Auge, von dem meine Freunde wissen, und von dem es besser gewesen wäre, er wäre gestrichen; es ist der Passus, über welchen die Diskussion hier nicht gut möglich ist. Zur Rede des Herrn Dr. Nordau bemerke ich, dass namentlich er auf zwei

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