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Die Welt · 1903-08-26 · [Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe]l (26.8.1903)
Article
Montag-Vormittagssitzung
Date
1903-08-26
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 3 stertemBeifall aufgenommen. Dann ergreift Dr. Frie dein ann das Wort. Dr. Friedemann: Im Namen der Landsmannschaften Deutschlands, Hollands, Dänemarks und Italiens, ausserdem der österreichischen Landsmannschaft gibt Redner bekannt, dass diese Landsmannschaften der Ansicht seien, dass die Frage einer möglichen Besiedelung Ostafrikas im Kongress nach ihren prinzipiellen Gesichtspunkten vorläufig nicht erörtert werden solle, bevor eine politische Kommission, bestehend aus Mitgliedern der einzelnen Landsmannschaften, die in ihrem Votum nicht gebunden sind, sich mit dieser Frage nicht beschäftigt und den Landsmannschaften Bericht erstattet habe. Die Landsmannschaften seien der Ueberzeugung, dass die zionistische Organisation erst nach eingehender Berichterstattung seitens des Aktions- Komitees über diese Frage schlüssig werden könne. Zur nähern Begründung führt Eedner aus, dass eine prinzipielle Stellungnahme des Kongresses nach Anschauung der Landsmannschaften heute schon aus dem Grunde unmöglich wäre, weil der Kongress in seiner mit Gästen gemischten Znsammenselzang nicht das geeignete Forum wäre, alle in Betracht kommenden Fragen, und darunter auch solche politischer Natur, öffentlich zu diskutieren. Fcechtsanwalt Dr. Rosenbaum : Es wurde schon gestern die Frage gestellt: Was hat eigentlich unser Aktionskomitee getan? Ich möchte aber diese Frage nicht in der allgemeinen Form gestellt haben, sondern Details vorbringen. Erstens: Was ist die Beziehung des Aktionskomites zu den verschiedenen Kommissionen? Die ganze zionistische Arbeit ist ein organisches Ganzes, so daes die verschiedenen Teile organisch miteinander verbunden sein müssen. Die Frage hat jetzt ganz besonderes Interesse, da einer Kommission, die von einein Kongress gewählt worden ist — die Statutenrevisionskommission — das Aktionskomitee nicht einmal die Möglichkeit verschafft hat, ihre Anträge vorzubringen, andern nicht einmal die, ihre Arbeit zu beginnen. Die zweite Frage betrifft den Einliuss des Aktionskomitees ant das innere Leben der Vereine. Berfits am dritten Kongress habe ich die Frage gestellt: Was hat das Aktionskomitee getan, um die Intelligenz heranzuziehen? Es wurde geantwortet: Das ist nicht die Sache des Aktionskomites; das ist Ihre Sache. Diesen Rat hat man befolgt: heutzutage haben wir eine grosse Arbeiterbewegung unter den Zionismen, die eine Zierde des Zionismus bildet (Beifall). Anderseits aber daif diese Bewegung nicht ohne Einfluss vom Aktionskomitee ausbleiben. Und doch haben wir im Rechnungsbericht k^in Wort über diese Arbeiter gehört. Aehnliches gilt für die Studentenorganisationen. Eine dritte Erscheinung im Zionismus ist die verschiedene Gruppierung. Bei einer Wahl fragt man nicht mehr: Ist der zu Wählende fähig, diese Sache zu verstellen, sie zu verteidigen, sondern gehört er zum Misrachi oder zur Fraktion oder zu einer andern Gruppe (Rufe: Sehr richtig). Das ist krankhaft. Weiss das Aktionskomitee ein Mittel dagegen? Oder hat es nicht gar gesagt: Wir stehen über den Parteien; wir lassen sie tun, was sie wollen. Misrachi existiert nicht für uns, die Fraktion nicht, weil man sie nicht legalisiert hat. Ich gehe zu einem andern Teil über: Ostafrika. Wir waren bis jetzt Zionisten; auf einmal sagt man uns: nein, Afrikanisten. Freilich, die Herren, die das sagen, sind weise genug, um die bittere Pille in eine angenehme Hülle zu legen. Unsere Arbeit ist aber eine praktische, und ich muss sagen: Es ist ein so gefährlicher Moment, die Notwendigkeit der Hilfe wird so sehr empfunden, dass anderseits niemand den Mut hat, zu sagen: Es ist Hilfe zu leisten; wir wollen aber aus prinzipiellen Gründen nicht. Ich habe Stimmen gehört: Als Zionisten wollen wir das und das tun, als ob es einen Unterschied gäbe zwischen Zionisten und Juden. Wir sind doch Zionisten, weil wir glauben, wir als Juden können nur dasjenige wollen, was die Zionisten wollen ^Beifall). Ausser dem Prinzip Palästinas hat der Zionismus noch ein Prinzip aufgestellt: nationale Arbeit im Gegensatz zu Woltätigkeitsarbeit. Jetzt geben wir einem Juden, der nicht weiss wohin, den Rat: dahin, wo es Vorarbeiter, fertige Fabriken, Geschäfte, Handel und Gewerbe gibt. Dann brauchen wir ihm wenig Mittel, nur die Reiskosten, zu geben. Wenn wir aber einen solchen Juden in ein wüstes Land schicken, wo erst die ganze Kultur geschaffen werden muss, dazu muss man Millionen und Milliarden haben. Also ist es klar, dass in Palästina — nicht in Ostafrika — eine derartige Kolonisation nur auf Grund von Wohltätigkeit möglich ist. Ich möchte noch die zweite Frage berücksichtigen: Will man in Ostafrika etwas Nationales schaffen, oder eine Bettelkolonie veranstalten? (Schlussrufe), Präsident Dr. Herzl: Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass sämtliche Landsmannschaften sich bereits mit der Frage der Einsetzung einer Kommission beschäftigt haben, dass über diese Sache noch nicht abgestimmt worden ist, weil wir es für verfrüht halten, eine Abstimmung zu forcieren. Ich möchte Sie doch bitten, von der bekannten Tatsache einigermassen Notiz zu nehmen und jetzt diese Debatte nicht zu eröffnen, deren Nichteröffnung sämtliche Landsmannschaften wünschen. Dr. Rosenbaum tritt ab. Dr. N ossig: Ursprünglich war es meine Absicht, hier eine zusammenfassende Kritik der jetzigen zionistischen Bewegung auszusprechen. Es ist mir aber von Freunden mitgeteilt worden, dass hier nicht die Stimmung herrscht, welche kritische Ansichten begünstigt (Rufe des Missfallens). Ich habe darum meine prinzipiellen Auseinandersetzungen in einem Vortrag in einem andern Saal gegeben. Man hat mich auch an diesem neutralen Orte mit meinen Ausführungen nicht zu Ende kommen lassen (Zurufe). Dr. Werner hat hier gestern mir und Her* n Trietsch den Vorwnrf gemacht, dass wir eine gesunde Opposition unmöglich machen. (Dr. Friedemann: Ich habe es gesagt.) In einer politischen Diskussion ist die Kritik der Führer absolut notwendig, und keine Sache von der Welt ist so von den Eigenschaften der Führer abbängig als die Politik. Es gibt keine noch so grossen Staatsmänner, die sich nicht oft scharfe Kritik gefallen lassen müssen, eine sachliche Kritik selbstverständlich. Ich war bemüht, bei meiner Kritik mich in diesen Grenzen zu halten. Es tat mir wirklich ausserordentlich leid, speziell in Bezug auf Dr. Nordau, verschiedene Dinge sagen zu müssen, die ihm sicher weh taten. Man hat mir und Herrn Trietsch das Recht zur persönlichen Bekämpfung der Führer abgesprochen. In welcher Weise aber haben die Herren selbst, speziell Dr. Herzl, die Angriffe gegen die Gegner seiner Politik geleitet? Herr Dr. Herzl hat hier gestern nachmittag eine ich möchte sagen geschmacklose, aber das würde vielleicht unparlamentarisch seiu — also geschmackvolle Theaterszene inszeniert. — Präsident Dr. Nordau: Ich bitte den Herrn sich streng parlamentarischer Ausdrücke zu befleissigen. Es täte mir leid, wenn ich die Redefreiheit beschränken müsste, weil ich Fn iheiten und besonders die Redefreiheit nicht gern beschränke, besonders nicht die eines Redners, der sich als Gegner einführt. (Beifall.) — Es ist die bekannte Szene, wo der Darsteller der Heldenrolle einen Bösewicht entlarvt. Der Bösewicht sucht noch eine Zeitlang den anständigen Mann zu spielen. Aber da zieht der Heid eia Dokument heraus und beweist der ganzen Welt die Schuld. Und im Hintergrund hebt sich der Vorhang. Was sieht man? Die arme Witwe, das Opfer des Intriganten. Es hätte noch gefehlt, dass Herr Trietsch da gesagt hätte: Ich bin durchschaut. Ich ersteche mich. (Beifall, Zischen.) Wenn ich die Opfer des Herrn Dr. Herzl hierherbringen sollte, so müsste ich alle die Massen herbringen, die er fortwährend durch seine diplomatischen Aussichten in Aufregung bringt und denen er seit 7 Jahren nichts Positives gegeben hat. (Tumult.) Wir haben vernommen, dass seine Majestät der Sultan uns nicht nur Palästina, sondern die ganze Türkei zu eröffnen in Aussicht gestellt hat. (Rufe: Was?) Natürlich nur zur Kleinkolonisation. Dass die englische Regierung bereit war, uns nicht nur in El Arisch, sondern in Ostafrika Gebiet zu eröffnen. Ich muss sagen, dass die Aussichten etwas bedeuten und man darüber beraten muss. Aber ich muss die formelle Bemerkung machen, dass das Aktionskomitee bia jetzt der Ansicht gewesen ist, die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit seien dem Kongress und sogar den Aktionskomiteemitgliedern erst auf dem Kongress selbst oder unmittelbar vorher mitzuteilen. Das ist eine Frage parlamentarischer Usanzen. In andern Parlamenten ist es Sitte, dass man die wichtigsten Materien den Mitgliedern etwas früher zustellt. Sogar in grösseren jüdischen Gesellschaften, wie in der Ica, ist es Sitte, dass jedes Mitglied 14 Tage vor der Sitzung einen grossen Dossier bekommt. Wir haben bis zum letzten Moment nicht gewusst, ob hier über

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